Kölner Schriftsteller Akhanli auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen

Der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist am Samstag auf Betreiben der Türkei an seinem Urlaubsort in Spanien festgenommen worden. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte den Vorfall und kündigte an, auf die spanischen Behörden zuzugehen und sich um konsularischen Beistand für Akhanli zu bemühen. Akhanli stammt aus der Osttürkei, ist aber deutscher Staatsbürger. Er steht der türkischen Regierung kritisch gegenüber.

Der "Kölner Stadtanzeiger" berichtete unter Berufung auf Akhanlis Anwalt Ilias Uyar, die Festnahme sei um 08.30 Uhr in Akhanlis Feriendomizil in der südspanischen Provinz Granada erfolgt. Demnach habe bei der internationalen Polizeibehörde Interpol wegen eines Strafverfahrens in der Türkei ein "Dringlichkeitsvermerk" (Red Notice) gegen den Schriftsteller vorgelegen. Der Anwalt hält die Anschuldigungen für politisch motiviert.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) forderte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, "sich in Spanien unverzüglich für die Freiheit von Dogan Akhanli einzusetzen". Die Festnahme zeige den Versuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, "seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen, seine Kritiker einzuschüchtern und weltweit gegen sie vorzugehen".

Auch SPD-Chef Martin Schulz verurteilte die Festnahme des Schriftstellers: "Das Verhalten von Präsident Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge", sagte der Kanzlerkandidat zu "Bild am Sonntag". "Es muss mit aller Vehemenz darauf gedrungen werden, dass Herr Akhanli nicht in die Türkei ausgeliefert wird und stattdessen schnellst möglich freigelassen wird."

Nach Informationen des "Kölner Stadtanzeigers" hatten weder die deutsche Botschaft in Madrid, noch sein Anwalt Uyar Zugang zu Akhanli. Akhanlis Anwalt sagte dem "Spiegel", der Vorfall sei eine "gezielte Jagd der türkischen Regierung auf kritische Köpfe im Ausland".

Akhanli war nach dem türkischen Militärputsch von 1980 jahrelang inhaftiert. Er floh 1991 nach Deutschland und nahm 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Bei einem Türkeibesuch im August 2010 war er bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. In dem Prozess hatte ihm die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, als Mitglied einer linksextremen Gruppe 1989 an einem Überfall auf eine Wechselstube teilgenommen zu haben, bei dem ein Mann starb.

Der Schriftsteller wurde gleich zu Beginn der Verhandlungen im Dezember 2010 auf freien Fuß gesetzt und kehrte nach Deutschland zurück. Der türkische Berufungsgerichtshof hatte in Akhanlis Abwesenheit den Freispruch anschließend aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet.