Publikum als Riesenchor: Kölner Lichter werden zum Mitsing-Konzert

Besucher sollen während des musiksynchronen Feuerwerks mitsingen.

Als Chefpyrotechniker mit jahrzehntelanger Erfahrung versteht sich Georg Alef selbstverständlich darauf, aus dem Vollen zu schöpfen, wenn er ein Feuerwerk inszeniert. Doch bei den Kölner Lichtern am Samstag, 15. Juli, wird er sich aus gegebenem Anlass in Zurückhaltung üben.

„Die Kunst ist, mich zurücknehmen, um das Publikum nicht zu erschlagen“, sagt der 56-Jährige, der seit 1988 für den Feuerwerkshersteller Weco in Eitorf tätig; der gilt als Marktführer in Deutschland und Europa.

In diesem Jahr gibt es ein „Köln-Experiment“

Seit 2001 zeichnet Alef für die Verbindung von Musik und Pyrotechnik bei dem alljährlichen Sommer-Spektakel am Rhein verantwortlich. In diesem Jahr gibt es unter dem Titel „Das Köln-Experiment“ eine Premiere: Die Besucher sollen während des musiksynchronen Höhenfeuerwerks von 23.30 Uhr bis Mitternacht als Riesenchor mitsingen.

Und damit die Musik nicht übertönt wird, will Alef, wie er sagt, „ruhigeren Feuerwerkskörpern den Vorzug geben“. Das Publikum solle sich „eins fühlen mit dem Feuerwerk – auch wenn das pathetisch klingt“.

Komposition aus 1400 Vorschlägen

Bis November des vergangenen Jahres konnten Feuerwerk-Fans ihre Wunschtitel für die Kölner Lichter 2017 im Internet vorschlagen. „Das hat unheimlich viel Freude ausgelöst, sagt Veranstalter Werner Nolden, „1400 Vorschläge sind eingegangen“ aus ihnen wählte eine Jury um Alef gut 20 Songs aus, um daraus eine Gesamtkomposition zu schaffen. Alle Titel wurden neu aufgenommen.

Der WDR-Rundfunkchor hat die Songs zusammen mit den Lucky Kids und dem Jugendchor St. Stephan eingesungen, und die Höhner haben den instrumentalen Part eingespielt. Beim Feuerwerk wird somit keine Originalmusik aus den zahlreichen Beschallungstürme kommen, sondern der neue Soundtrack.

An die Besucher werden außer Wunderkerzen zu beiden Seiten des Rheins und Liedzettel ausgeteilt, außerdem werden ausgewählte Textpassagen vorher auf der Webseite der Kölner Lichter veröffentlich. Mal wird nur der Refrain gesungen, mal eine oder auch zwei Strophen. Unterstützung kommt von etwa 1000 Mitgliedern von Chören aus Köln und Umgebung, die Platz neben dem Cologne Beach Club am Tanzbrunnen finden und von Michael Kokott dirigiert werden.

Kirchenmusik zum Auftakt

Wie immer kann Georg Alef angeregt von den musikalischen Vorgaben seine Fantasie spielen lassen. Der Auftakt ist ungewöhnlich, denn es erklingt Kirchenmusik: „Der Himmel geht über allen auf.“ Das „gesungenes Gebet“, sagt der Chefpyrotechniker, „ein absolutes Gänsehautstück“, das von entsprechend ruhigem Feuerwerk begleitet werde.

Manche Titel des Potpourris aus kölschen und internationalen Liedern legen die Art der Inszenierung nahe. Wenn etwa Karel Gotts „Biene Maja“ zu hören ist, platzen am Himmel Kugeln und entlassen bienengleich umherschwirrende kleinere Feuerwerkskörper.

Geht es um Frieden, flammt ein „Peace“-Zeichen im Dunklen auf, und zu Robbie Williams’ Hit „Angels“ erscheinen über dem Doppelschiff, auf dem das Feuerwerk abgeschossen wird, Engelsfiguren. Auch der Stadt wird gehuldigt; so passen sich bei „Viva Colonia“ die Farben denen der Kölner Stadtfahne an: Es funkelt und blitzt in Silberweiß und Rot. Der 21. und letzte Titel soll eine Überraschung sein, deshalb deutet Alef nur an, dass die Besucher zum Schluss eine ruhige Nummer wie zu Beginn erwartet.

Veranstalter Nolden rechnet mit bis zu 350.000 Zuschauern auf dem Areal zwischen Hohenzollern- und Zoobrücke. Für den Schiffskonvoi sind noch 50 bis 60 Restkarten...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta