Kölner Kunst-Wimmelbild: Eine Hommage an die Heimat

Der Zeichner Sven Höffer arbeitete insgesamt sechs Jahre an seinem Stadt-Panorama.

Den Kölner Dom haben schon viele gezeichnet. Mit Tusche, mit Bleistift, aus allen erdenklichen Perspektiven. Das, was Sven Höffer auf die Leinwand gebracht hat, hätte leicht nur ein weiterer Teil in dieser Masse sein können. Und doch wirkt sein Südstadt-Panorama mit der großen Kirche im Hintergrund längst nicht wie ein abgedroschenes Motiv.

Jedes Haus hat Höffer sich für die Stadtansicht im Original angesehen. „Ich kann nicht mehr unbedarft durch die Stadt gehen“, sagt er. Auch jetzt, wo das Bild vollendet ist, fällt es ihm schwer, den Detailblick abzustellen. In seinen Arbeitsräumen in der Südstadt hängen Skizzen des Veedels. Er fuhr dafür durch die Stadt, schaute in Hinterhöfe, besorgte sich Luftbilder.

Details für Köln-Kenner

Der Köln-Kenner erkennt die großen und kleinen Charakteristika der Gegend, die umgekehrte Eistüte am Neumarkt, den „Liebe deine Stadt“-Schriftzug über der Nord-Süd-Fahrt, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

Auch die Opernbaustelle und das Loch, das einmal das alte Stadtarchiv war, hat Höffer gezeichnet. Und, so ganz nebenbei, hier und da kleine Gimmicks eingestreut: Kaiser Wilhelm, beispielsweise, trägt eine Fischgräte auf der Lanze. Beim Betrachten des Bildes fühlt sich der Betrachter schnell ein wenig so, als hätte er ein hochkarätiges Wimmelbild vor sich.

Dem Projekt – das noch bis November in der Galerie Kunsthaus 1717 in Königswinter ausgestellt ist – merkt man an, wie viel Energie Höffer ihm gewidmet hat. Sechs Jahre arbeitete er daran, davon waren zweieinhalb Jahre reine Arbeitszeit.

„Eine Hommage an meine Heimat“

Immer wieder veränderte er die Perspektive, den Horizont, die Proportionen. „Es war ein langer Prozess. Aber ich musste es irgendwann zu Ende bringen. Sonst hätte ich immer eine Leiche im Keller gehabt“, sagt er. „Das Bild ist eine Hommage an meine Heimat. In diesen Gassen habe ich viel Zeit verbracht.“

Höffer ist in der Südstadt aufgewachsen, er hat den Stadtteil wachsen sehen. Auch wenn es ihn zwischenzeitlich nach London zog, oder nach Berlin – irgendwann kam er immer zurück in die Heimat.

Veedel aus der Vogelperspektive

Die Idee zum Projekt sei ihm da fast wie von selbst zugeflogen: Er skizzierte die Südstadt, sein Veedel, aus der Vogelperspektive. Und dann verselbstständigte sich das Projekt irgendwie. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Höffer es 2017 auf seinem digitalen Zeichenbildschirm vollendete.

Städte auf digitale Bildschirme zu bringen ist nicht weit von dem entfernt, was Höffer in seiner alltäglichen Arbeit tut: Der Kölner arbeitet als Zeichner in der Filmindustrie, er visualisiert für die Trickfilmbranche Set-Designs und Storyboards: „Ich bekomme Drehbücher, lese sie und dabei entstehen Bilder im Kopf“, sagt Höffer. „Diese bringe ich durch meine Hände auf Papier und Bildschirm.“

So schafft er die Landschaften, in denen sich später Trickfilmhelden tummeln werden. Gerade arbeitet er an einem 3-D-Fantasy-Film. Höffer schiebt mit der Maus probeweise Figuren über seinen Zeichenbildschirm.

Er erinnert sich noch an die alte Zeit, an damals, als Trickfilme noch mit Folien gedreht wurden. Gezeichnete Figuren mussten ausgeschnitten und am Kopierer vergrößert werden. Mit mehr als sechs Bildebenen konnte man nicht arbeiten – sonst wurde der Hintergrund durch die vielen Folien milchig.

Durch das digitale Zeichnen hat sich das schlagartig verändert. Eine Entwicklung, bei der auch das große Köln-Bild profitiert haben dürfte: Immer wieder brachte Höffer es im Verlauf der Jahre auf den neuesten Stand.

Auf die Kölner Baustellen ist Verlass

„Einige Häuser am Eifelplatz gab es zum Beispiel anfangs noch nicht – die habe ich dann ergänzt.“ Irgendwann habe er aber damit aufgehört. Sonst wäre das Bild niemals fertig geworden. Und auf einige unfertige Dinge im Stadtbild war dann ja doch Verlass: Die Opernbaustelle beispielsweise musste Höffer nicht mehr anrühren.

www.zeichnung.koeln

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