Kölner Künstlerin: Christa Henn hat eine Krone für eine Kapelle geschaffen

Die Krone ist zum 1000-Jährigen der Paderborner Bartholomäuskapelle.

Christa Henn hat ein Gespür für schöne Dinge, ihre Kölner Altbauwohnung zeugt von enormer Kreativität und Ideenreichtum. Und handwerklichem Geschick: Die Sockel für den Herd und die Abtrennung zum Bad hat sie selbst gemauert, den Fliesenboden verlegt. Handfeste Materialien, ganz im Gegensatz zu ihrem künstlerischen Schaffen.

Seit 25 Jahren arbeitet sie mit Röntgenbildern, formt aus den blau-schimmernden, transparenten Fotos Installationen. Für ihre jüngste Arbeit „Fest – Klang – Krone“ hat sie 2500 davon zu 24 Röhren zusammengesetzt. Die Krone von 220 Zentimetern Durchmesser hängt seit kurzem in der Bartholomäuskapelle in Paderborn.

Die Liebesbeziehung begann eher zufällig. Christa Henn, in Kirchenkreisen bekannt für ihre Installationen, war zu Gast in Paderborn, besichtigte unter anderem den Dom St. Maria, St. Liborius und St. Kilian und die Bartholomäuskapelle im Schatten des Hohen Dom. Der von Bischof Meinwerk um 1017 errichtete Bau gilt als die älteste bekannte Hallenkirche auf deutschem Boden.

„Der Raum ist so schön, den darf man nicht anrühren“, so ihr erster Gedanke. Plötzlich traten Leute ein und begannen zu singen. Einfach so. Henn war fasziniert. „Die Kapelle hat eine extrem tolle Akustik, ein Ton hält sechs bis sieben Sekunden, das ist sehr selten.“ Als sie erfuhr, dass Paderborn in diesem Jahr „1000 Jahre Bartholomäuskapelle“ feiert, war klar: „Der mache ich ein Geschenk.“ 24 Stunden brauchte sie für ihren „Liebesbrief“, den Entwurf einer Krone, wenig später kam der Anruf von Dompropst Joachim Göbel mit der Bitte um ein Modell. „Das habe ich aus Ton gefertigt, der ähnelt mehr dem porösen Putz im Innern der Kapelle. Pappe wäre zu schnöde gewesen.“

Für kurze Zeit ein König

Schon während der drei Tage Aufbau hat sie mit zahlreichen Menschen gesprochen und „viele Lieder gehört“, weshalb sie weiter häufig zwischen Köln und Paderborn pendelt. Dank ihrer Aufhängung kann die Krone nach Ablauf der Ausstellung in Paderborn Ende des Jahres auch woanders die Besucher in ihren Bann ziehen. Sie ist schließlich so groß, dass mehrere Menschen unter ihr Platz finden und für kurze Zeit gekrönte Häupter sind.

Die menschliche Existenz, ihre Grenze zur Außenwelt haben sie schon früh beschäftigt, nach dem Mauerfall 1989 verschoben sich auch die äußeren Grenzen, auf Pergamentpapier zeichnete und ritzte sie Hautstrukturen. Dann stieß sie auf die Röntgenbilder, „und ich wusste direkt, dass ist mein Material“. Eines, das unter kunsthistorischen Aspekten so gut wie nicht erfasst ist. Sie zog nach New York, experimentierte mit den Folien, konzipierte die Ausstellung „An Artistic Diagnoses“ zum 100-Jährigen der Entdeckung Wilhelm Conrad Röntgens im Jahr 1895 an der Academy of Science.

Zurück in Deutschland erhält sie zahlreiche Aufträge von Kirchen, „schließlich geht es dort um Existenzen“. „Horizont“ schwebte wie ein Baldachin in St. Rochus in Düsseldorf (2013), im Kloster Steinfeld in der Eifel zeigte sie im Jahr 2011 „Lichtwege“ auf, „Mehr als du siehst“ war Titel einer Ausstellung (2004) in St. Theodor in Vingst. Zu den monumentalsten Arbeiten zählte „Potenziale“ (2006) bei der Max-Planck-Gesellschaft in München, bei der Montage war sie auf die Hilfe von Kletterern angewiesen. „Ansonsten bin ich sicher auf Gerüsten.“

Eine Installation ist für die Ewigkeit gedacht, ausgerechnet in einem Profanbau, das „Turmprojekt“ der Firma Geyssel in Ossendorf. Auf einer begehbaren Glasfläche tritt man in einen Raum, der sich nach oben in den Himmel öffnet und nach unten in die blaue Tiefe eines Brunnens zieht, eine Installation in einem eigentlich für einen Aufzug konzipierten Turm.

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