Kölner IHK-Präsident: „In zehn Jahren sind Elektroautos in Köln Standard“

Im Interview spricht Werner Görg über Köln und Mobilität.

Herr Görg, der Dieselskandal beunruhigt nicht nur Verbraucher, sondern auch die Unternehmer in dieser Stadt. 

Wir haben hier viele Verbraucher und zahlreiche Unternehmen, die im Vertrauen auf eine bestimmte Antriebstechnik in den vergangenen Jahren große Investitionen getätigt haben. Deren Vertrauen wird nun fundamental geschädigt.

Nach dem jüngsten Verwaltungsgerichts-Urteil könnten auch hier demnächst Fahrverbote für Dieselfahrzeuge drohen.

Pauschal bestimmte Antriebstechniken zu verteufeln, geht eigentlich nicht. Auch nach dem sogenannten „Diesel-Gipfel“ gibt es für die gewerbliche Wirtschaft derzeit nicht ausreichend Alternativen, um auf die Dieseltechnologie verzichten zu können. Wenn die gesetzlichen Anforderungen so sind, dass es ohne ein Verbot von Dieselfahrzeugen tatsächlich nicht geht, plädiere ich  für eine Entscheidung mit Augenmaß. Solche Maßnahmen müsste ja ohnehin das Land anordnen. Und es müssten dabei nicht nur die Anforderungen der lokalen Wirtschaft, sondern auch der gesamten Verkehrsinfrastruktur berücksichtigt werden.

Wenn es aber auch in Köln zu einem Fahrverbot in der City käme wie nun vielleicht in Stuttgart, müssten Sie doch auf die Barrikaden gehen?

Ja, das werden wir auch tun. Wir werden mit aller Vehemenz  auf die dauerhafte Versorgungssicherheit hinweisen. Die Verkehrsinfrastruktur innerhalb der Stadt würde beispielsweise ohne Taxis, die schließlich weitgehend mit Diesel ausgestattet sind, gar nicht funktionieren. Man kann doch nicht einfach einen Verkehrsträger aus dem Rennen nehmen.

Hätte sich die Industrie in der Vergangenheit mehr auf Elektroantriebe fokussieren sollen?

Das ist ein weites Feld. Im Moment sind Elektrofahrzeuge in bestimmten Teilbereichen schlicht nicht einsetzbar – etwa auf mittleren und großen Distanzen. Innerstädtisch gehe ich aber davon aus, dass wir schneller als prognostiziert in Köln fast nur noch Elektrofahrzeuge sehen werden.

Was genau heißt „schneller“?

Ich gehe davon aus, dass Elektrofahrzeuge in zehn Jahren Standard sein werden.

Gemeinsam mit dem Autobauer Ford plant die Post die Produktion eines großen Elektro-Lieferwagens. Könnte Köln eine Vorreiterrolle im Bereich E-Mobilität spielen?

Köln ist durch Ford und die Zulieferer in der Region eine der herausragenden Automobilstädte Deutschlands. Wir haben in vergangenen Jahr im Konzert der großen Autostandorte immer mitgehalten und werden das auch in Zukunft tun.

Müsste die Stadt nicht schon jetzt mehr tun für den Verkehr der Zukunft?

Natürlich muss sich die Stadt verändern. Die Anforderungen der Verkehrsinfrastruktur auf allen Verkehrswegen müssen bewältigt werden. Der Autobahnring um Köln ist aber vor allem eine landespolitische Herausforderung. Der Terminus „bedauernswert“ ist in diesem Zusammenhang noch maßlos untertrieben. Es gibt keine Alternative zu einer signifikanten Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Köln ist durch die derzeitige Situation in ihrem Lebensnerv getroffen.

Sehen Sie denn durch die neue Verkehrsdezernentin bereits innerstädtisch Verbesserungen?

Das Baustellenmanagement ist schon viel besser als in der Vergangenheit. Aber wir müssen deutlich schneller vorankommen.

Die bestausgebauten Fahrbahnen nutzen nichts, wenn Lieferfahrzeuge ständig in zweiter Reihe parken.

Diese Vielfalt, die wir in Köln haben – an Gastronomie und Handel beispielsweise –  ist mit einer gewisser Beeinträchtigung, was Liefertätigkeit anbelangt, verknüpft. Das ist meines Erachtens für alle Seiten tolerabel, auch wenn es sicher an der einen oder anderen Stelle Verbesserungsbedarf gibt.

Hier kommen Sie zu Teil zwei des Interviews zum Thema Kölner Bauvorhaben. In Teil drei des Interviews spricht Werner Görg über das Rheinland Valley – hier....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta