Kölner IHK-Präsident: „Erfolg ist die Ansiedlung von Unternehmen und Arbeitsplätzen“

Werner Görg zu Großbaustellen in Köln.

Die Verlagerung des Großmarkts ist immer noch nicht umgesetzt. Nun ist immerhin die Standortfrage entschieden.

Der Großmarkt  ist mit 180 Unternehmen und 2000 Beschäftigten ein Wirtschaftsfaktor, der für die Entwicklung der Stadt Köln von großer Bedeutung ist. Für die Zukunft brauchen wir jedoch ein unternehmerisches Konzept für den Großmarkt, das auch eine andere Verteilung der Risiken vorsieht. Das unternehmerische Risiko zur Fortentwicklung des Großmarktes sollte nicht die Stadt tragen, sondern die Unternehmen, die dort arbeiten – oder ein Privatinvestor.

Gibt es denn Interesse auf  Investorenseite?

Die Bereitschaft der beteiligten Unternehmen, sich  beispielsweise in einer Genossenschaft zu organisieren, scheint mir vorhanden zu sein. Auch einen privaten Großinvestor würde man  sicherlich finden. Das hängt von den Ausschreibebedingungen ab. Planungssicherheit ist das Maß aller Dinge.

Federführend war hier die ausgeschiedene Wirtschaftsdezernentin. Wohin steuert die städtische Wirtschaftsförderung?

Köln ist im Gegensatz zu den allermeisten Großstädten Deutschlands eine stark wachsende Stadt. Wir brauchen Schulen, Wohnraum und wir brauchen Arbeitsplätze. Dafür muss eine Stadt sorgen. Dies gelingt  in einer privatwirtschaftlich organisierten Form mit einer sehr stark erfolgsgetriebenen Geschäftsführung sehr viel besser als in einer öffentlich-rechtlichen Form. Das Management müsste am Erfolg gemessen werden und danach bezahlt werden. Erfolg bedeutet für mich: Ansiedlung von Unternehmen und Ansiedlung von Arbeitsplätzen.

Welche Unternehmen könnten hier angesiedelt werden?

Wir wollen hier kein zweites Wolfsburg mit dieser großen Abhängigkeit von einem Unternehmen. Köln ist ja  gerade im Vorteil, weil die Stadt so breit  aufgestellt ist. Bei uns sind alle willkommen. Dank der Universität und der Technischen Hochschule finden Unternehmen hier auch hochqualifizierte Fachkräfte.

Sie würden einer Wirtschaftsförderung auch nicht empfehlen, sich einen bestimmten Bereich herauszupicken – etwa Technologie?

Nein. Überhaupt nicht. Ich würde ihr einfach empfehlen, unternehmerfreundlich zu werden. Unternehmen sollen nicht 27 Genehmigungsverfahren hinter sich bringen sondern einen zentralen Ansprechpartner für alle bürokratischen Anforderungen haben.

Für solche Firmen sind aber auch ausreichender Wohnraum und vernünftige Schulen wichtig. An beidem mangelt es in Köln.

Die Genehmigungszeiten müssten reduziert werden. Wir brauchen auch eine  deutliche Flexibilisierung  dessen, was baurechtlich und bauplanungsrechtlich zulässig ist. Wir bräuchten vor allem aber zunächst einmal einen Baudezernenten, der in der Lage ist, Projekte innerhalb der vorgegebenen Zeit und des vorgegebenen  Budgets zu realisieren.  In diesem Punkt gibt es aus unserer Sicht viel Raum für Verbesserungen. Bei der Auswahl des Nachfolgers von Baudezernent Franz-Josef Höing  sollte auch Expertise von außen eingeholt werden.

Wie meinen Sie das konkret?

Die Entscheidung trifft natürlich die Politik, aber sie hat Personalfragen in der Vergangenheit aus meiner Sicht  suboptimal gelöst. Die Stadt wäre gut beraten, den privaten Sachverstand in deutlich größerem Maß zu nutzen als bisher. Wir haben hier höchstqualifizierte und höchstrenommierte Architekten und Städteplaner. Eine Findungskommission, losgelöst von Politik und Parteibuch und  geprägt ausschließlich von fachlicher Qualifikation würde die beste Lösung finden.

Oft heißt es, die Flächen für den Wohnungsbau seien knapp.  Muss Köln nicht auch stärker mit benachbarten Kommunen zusammenarbeiten?

Höhe und Fläche schließen sich nicht aus. Es gibt Gegenden in denen Höhe unangebracht ist. Es gibt aber in einer Flächenstadt wie Köln auch Gegenden, in denen man höher bauen kann.   Es müssen nicht immer 30 Etagen sein, es können auch mal acht, neun Stockwerke sein.  Zu Gesprächen mit benachbarten Kommunen nur so viel: Bezüglich Planungsvorhaben sollte man sich mit den umliegenden Gemeinden abstimmen. Ich denke, das ist auf einem guten Weg. 

Das Debakel um die Opern-Baustelle ist noch nicht überstanden. Die  jüngste Idee war, trotz der bereits ausgegebenen Millionen ganz neu zu bauen.

Zu dem Vorschlag, die Oper an anderer Stelle neu zu bauen, muss ich sagen:  Das geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Bei der Oper und dem Schauspielhaus ist der Punkt ohne Wiederkehr lange überschritten. Ich wundere mich auch, warum dieser Vorschlag erst jetzt gemacht wird, wo es viel zu spät ist.  Das Kind liegt metertief im Brunnen. Wir müssen jetzt zusehen,  dass wir das Beste aus der Situation machen. Und zurück zum Anfang ist sicher nicht die beste Lösung. 300 Millionen sind investiert, Zeit ist verloren, Schadenersatzforderungen sind noch gar nicht berücksichtigt.  Die Lehre daraus ist, dass solche Bauvorhaben innerhalb der eigenen Bauverwaltung in der Zukunft nicht mehr realisiert werden sollten.

Glauben Sie eigentlich noch an die Historische Mitte, den geplanten Museumskomplex am Roncalliplatz?

Ja. Und das würde der Stadt Köln auch guttun. Wir müssen  den Begriff der städtebaulichen Entwicklung und der dauerhaften Vitalisierung der Innenstadt immer im Blick haben. Das pulsierende Leben darf nicht von den Öffnungszeiten einschlägiger Discounter abhängen. In der Stadt muss was anderes stattfinden als der Einkauf von Billig-T-Shirts. Eine Stadt braucht Kultur. Die Historische Mitte ist der ideale Ansatz um das Zentrum der Stadt dauerhaft zu vitalisieren. Eine entvölkerte Innenstadt ist der Anfang vom Ende einer Metropole.

Hier gelangen Sie zu Teil eins des Interviews, in dem Werner Görg über Elektromobilität spricht. In Teil drei geht es um Gründer im Rheinland und das geplante „Rheinland-Valley“ – hier....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta