Kölner Erzbischof Woelki nimmt mehrmonatige Auszeit

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Papst Franziskus (AFP/Filippo MONTEFORTE)

Papst Franziskus hat den für viele Katholiken in Deutschland untragbar gewordenen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki im Amt belassen. Der wegen der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kritik stehende Erzbischof des größten deutschen Bistums wird aber eine mehrmonatige geistige Auszeit von Mitte Oktober bis zum Anfang der Fastenzeit bekommen, teilte der Vatikan am Freitag mit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erwartet, dass der Beschluss Betroffene von Missbrauch "ratlos und verletzt" zurücklässt.

Woelki war von einem in diesem Jahr veröffentlichten juristischen Gutachten entlastet worden. Er steht aber seit über einem Jahr in der Kritik, weil er davor ein anderes Gutachten unter Verschluss gehalten hatte. Zur Prüfung der Lage schickte der Papst deshalb zwei Visitatoren nach Köln.

Auf Grundlage von deren Bericht erklärte der Vatikan nun, die Behauptungen, Woelki habe vertuschen wollen, seien widerlegt. Er zeige außerdem Entschlossenheit darin, die Verbrechen des Missbrauchs aufzuarbeiten. Gleichzeitig wirft der Papst Woelki aber "große Fehler" auf der Ebene der Kommunikation vor.

Woelki sagte, ihm sei bewusst, dass im Erzbistum Köln in den vergangenen Monaten Vertrauen verloren gegangen sei. Es tue ihm mit Blick auf Missbrauchsopfer leid, die ihm deshalb von Retraumatisierungen berichteten. Er habe dem Papst im Gespräch von einem schon länger bestehenden Gedanken einer geistlichen Auszeit für sich erzählt.

"Ich gehe diesen Weg mit der klaren Botschaft des Heiligen Vaters, dass wir seriös und umfassend aufgeklärt und nichts vertuscht haben", erklärte Woelki. Der Papst habe ihm auch deutlich gemacht, "dass er sehr auf mich zählt".

Der Papst lehnte außerdem den angebotenen Amtsverzicht der beiden Kölner Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp ab. Puff kehrt unmittelbar in seinen Dienst zurück, Schwaderlapp wird zunächst ein Jahr als Seelsorger in Kenia arbeiten. Nachdem der Papst zuvor schon den Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Stephan Heße für Verfehlungen in seiner Kölner Zeit abgelehnt hatte, bleiben die Verfehlungen der Kölner Geistlichen im Umgang mit Missbrauchsfällen ohne personelle Konsequenzen.

Bätzing erklärte, er erwarte eine kontroverse Diskussion über das Festhalten an Woelki. Vieles in der Diskussion hänge davon ab, wie Woelki die Auszeit gestalten werde. Von ihm brauche es Gesprächsangebote, um Chancen und Perspektiven zu finden. Er hoffe, dass im Bistum Köln nun ein Versöhnungsprozess anlaufen werde, erklärte Bätzing. "Ob dies innerhalb weniger Monate zu einer grundlegend veränderten Situation führen kann, vermag ich nicht zu beurteilen."

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, erklärte, er könne "die vatikanische Entscheidung zum Verbleib von Kardinal Woelki im Amt nicht verstehen". "Das Instrument einer Auszeit ist nicht genug."

Die Betroffeneninitiative Eckiger Tisch forderte ein staatliches Eingreifen. "Es muss Aufgabe des Staats sein, eine unabhängige Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs zu gewährleisten", sagte Sprecher Matthias Katsch der Nachrichtenagentur AFP.

Die Initiative Wir sind Kirche warnte vor einer Verschärfung und Verlängerung des Konflikts in Köln. "Mit dieser römischen Entscheidung wird der dringend notwendige Versöhnungs- und Erneuerungsprozess verhindert", teilte die Organisation mit.

ald/cfm

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