Bauvorhaben: Kölner Stadtverwaltung hat sich um eine halbe Milliarde verschätzt

Die Kölner Verwaltung hat die Ratsfraktion über die Kostensteigerung informiert.

Die großen städtischen Bauvorhaben werden sich insgesamt um nahezu eine halbe Milliarde Euro verteuern. Das geht aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung an die Ratsfraktionen hervor, in der mehr als 50 aktuelle Finanzplanungen aufgelistet sind.

Allein die Sanierung der Oper und des Schauspielhauses verteuern sich  jüngsten Berechnungen zufolge von  ursprünglich 253 Millionen Euro auf bis zu 570 Millionen Euro. Abgesehen von diesem Extremfall, über den Bürger wie Politiker seit Monaten diskutieren,  gibt es weitere Kostensteigerungen in erheblichem Ausmaß.

Zehn Millionen mehr für das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium

Für die Generalsanierung des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums beispielsweise zahlte die Verwaltung  30,3 Millionen Euro. Dabei hatte der Stadtrat in seinem Baubeschluss lediglich 20,5 Millionen Euro bewilligt.

Die Begründung für die zusätzlichen Ausgaben:  Zum einen hätten die Firmen etliche Nachtragsrechnungen gestellt; zum anderen hätten Arbeiten wegen der damit verbundenen „Belästigungen für den Schulbetrieb zwingend in den Ferien“ durchgeführt werden müssen.

Verschönerungen rund um den Dom

Ein weiteres Beispiel für eine unzutreffende Annahme: Die Verschönerung der östlichen Umgebung des Doms erforderte 28,5 Millionen Euro statt der im Baubeschluss angesetzten 20,2 Millionen Euro.

Die Verwaltung  führt  gleich mehrere Ursachen für den Anstieg an: „Wenig erfolgreiche Ausschreibungen“ mit über Erwarten hohen Preisen; „vielfache Baubehinderungen durch enge Bauverhältnisse“ in der Nachbarschaft von Museen und der Philharmonie; „häufiges Umplanen“ sowie  eine neue Brandschutzanlagen  für den Tunnel unter der Domplatte und  anderes mehr.

Firmen lassen sich Planänderungen bezahlen

Beim  Bau von Schulen, der Modernisierung von Museen, der Sanierung von Brücken gilt: Regelmäßig müssen die Planer ihre Vorausberechnungen  berichtigen. Je früher sie sich in der Vorbereitungsphase eines Bauvorhabens  festlegen,  umso größer sind später die Abweichungen.

Bevor der Stadtrat einen Baubeschluss erteilt, lassen sich die Kosten allenfalls anhand von Richtwerten und Erfahrungen schätzen. Eine genauere Berechnung erfolgt in aller Regel erst nach dem Baubeschluss. Nach der Ausschreibung des Auftrags zeigen die Kostenvoranschläge, welche Preise die Unternehmen ansetzen. Äußern die Ämter nach der Auftragsvergabe dann noch Sonderwünsche, verlangen die Firmen einen Aufschlag. Hinzu kommt, dass bei der Sanierung älterer Bauwerke  unvorhersehbare  Schwierigkeiten auftreten können.  

Die von der Verwaltung auf Anfrage der Linken aufgelisteten Großvorhaben haben  jeweils einen Auftragswert von mindestens zehn Millionen Euro. Insgesamt betragen die Kosten 2,5 Milliarden Euro. Einschließlich der Bühnensanierung habe sich im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 34 Prozent ergeben, schreibt die Verwaltung in ihrer Mitteilung. Ohne das Bühnendebakel wären es 7,2 Prozent.  

Viel Geld steckt in Brücken und Tunneln

„Oft sind es Prestigeprojekte, die aus dem Ruder laufen“, bemängelt der Fraktionsvorsitzende der Linken, Jörg Detjen. „Dramatisch“ sei zudem der  Kostenanstieg für die Sanierung der Brücken und Tunnel.  „Ohne ein zusätzliches Investitionsprogramm, an dem sich auch die Kölner Wirtschaft beteiligt, werden die Probleme nicht zu stemmen sein“, so Detjen.

Es gibt durchaus gegensätzliche Fälle, wenn auch in verschwindend geringer Zahl. So soll die Verlängerung der Industriestraße in Niehl den Haushalt um  annähernd fünf Millionen Euro weniger belasten als  geplant. Vorgesehen waren 12,7 Millionen Euro, abgerechnet werden am Ende wohl acht Millionen. „Der Hauptauftrag bleibt voraussichtlich deutlich unter der ursprünglichen Kostenschätzung“, teilt die Verwaltung mit. Die noch ausstehenden Abschlussarbeiten wie  „Rasen säen, Lärmschutzwall und ähnliches“ dürften daran nichts ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta