Kölner Abikrawalle 2016: Landgericht Köln eröffnet Strafverfahren gegen vier Personen

Es geht um den Einsatz einer Wasserbombenschleuder.

Die Krawalle in der Abitur-Mottowoche voriges Jahr finden bald eine Fortsetzung vor Gericht. Vier Heranwachsenden soll demnächst vor dem Jugendschöffengericht der Prozess gemacht werden. Einer von ihnen soll in einer März-Nacht 2016 bei den Ausschreitungen vor dem Humboldt-Gymnasium am Kartäuserwall  einen Schüler mit einer Wasserbombe vermutlich leicht verletzt haben. Den anderen drei Angeklagten wird nur eine versuchte Körperverletzung vorgeworfen.

Das Amtsgericht hatte die Eröffnung des Prozesses zunächst abgelehnt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, der das zuständige Landgericht nun zumindest in Teilen stattgegeben hat.

Der Fall ist für das Kölner Gericht eine Premiere

Der Prozess könnte insoweit eine Premiere darstellen, als sich ein Kölner Gericht – jedenfalls nach der Erinnerung langjährig dort tätiger Juristen – noch nie mit einer Wasserbombenschleuder befassen musste. Die aber steht nun im Mittelpunkt der Anklage. Den vier Beschuldigten wird vorgeworfen, in jener Nacht mindestens 20-mal Wasserbomben mit der Schleuder abgefeuert zu haben. Ein Mal traf einer von ihnen dabei wohl einen Schüler des Humboldt-Gymnasiums. Die Schleuder ist so konstruiert, dass sie von drei Menschen bedient wird: Zwei halten je ein Ende einer Schnur, der dritte zieht die Schnur in der Mitte zurück und schießt so die Wasserbombe ab, die in einem Stoffbeutel liegt. Der Hersteller dieser „Team-Schleuder“ wirbt mit einer Reichweite von mehr als hundert Metern und empfiehlt die Benutzung erst ab 18 Jahren.

Nach Ansicht des Landgerichts ist die Schleuder allerdings nicht geeignet, „erhebliche Verletzungen“ zu verursachen. Anders als die Staatsanwaltschaft werten die Richter das Gerät daher auch nicht als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne des Strafgesetzbuches. Außerdem erkennt die Kammer  in der vorgeworfenen Tat keinen Landfriedensbruch, den die Staatsanwaltschaft den vier jungen Männern in ihrer Anklageschrift ebenfalls vorwirft.

Dem Gericht bleibt nur der Vorwurf der „gefährlichen Körperverletzung“

Übrig bleibt für das Gericht somit nur der Vorwurf der „gefährlichen Körperverletzung“ – gefährlich deshalb, weil die vier Angeklagten „gemeinschaftlich“ gehandelt haben sollen. Wann der Prozess stattfindet, ist noch nicht klar. Die vier Angeklagten hätten die Vorwürfe in ihren Vernehmungen bereits eingeräumt, teilte das Landgericht mit. In jener Nacht im Frühjahr hatten sichDe Abiturienten verschiedener Kölner Gymnasien auf dem Grünstreifen am Kartäuserwall getroffen. Die meisten waren auf eine harmlose Schlacht mit Wasserbomben und Wasserpistolen eingestellt, doch plötzlich flogen Böller, Steine und mit Wasser gefüllte Plastikflaschen. Mehrere Schüler wurden verletzt, zwei schwer.

Die übelsten Folgen hatte Frank Schuster (Name geändert) davongetragen, damals Abiturient am Humboldt-Gymnasium. Ein harter Gegenstand hatte ihn mit voller Wucht ins Gesicht getroffen, Schuster kam ins Krankenhaus. Auf dem rechten Auge konnte er anfangs nicht richtig sehen, die Bilder verschwammen, alles war unscharf, schilderte Schuster damals dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es war unklar, ob er jemals die volle Sehkraft wieder zurückerlangt.

Schuster musste Traumberuf aufgeben

Heute gehe es ihm besser, erzählt er am Telefon. Im Alltag spüre er die Augenverletzung kaum noch. Dennoch sehe er mit seinem rechten Auge nicht mehr so gut wie mit dem linken. Seinen Traumberuf Pilot muss er deswegen vermutlich abhaken. „Das wird wohl nichts“, sagt Schuster. Zurzeit absolviert er ein freiwilliges soziales Jahr. Sein Abitur hat er geschafft – obwohl er die Prüfungen  zunächst allesamt versäumte.

Schuster konnte sich anfangs nicht aufs Lernen konzentrieren. Inzwischen hat er die Prüfungen nachgeholt. Bis heute weiß Frank Schuster nicht, welcher Gegenstand  ihn in jener Nacht genau getroffen hat – und wer ihn geworfen hat. Der andere damals schwer verletzte Schüler erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Auch er war von einem Gegenstand getroffen worden. Aber weder für seine Verletzung noch für die von Frank Schuster seien die vier Angeklagten verantwortlich, betont das Landgericht. Denn solch gravierende Folgen seien „nicht durch Wasserbombenbeschuss verursacht worden“, das hätten Rechtsmediziner herausgefunden.

Fragen hatte auch das Verhalten der Polizei in jener Krawallnacht aufgeworfen. Schüler hatten übereinstimmend berichtet, dass die Beamten lange tatenlos zugesehen hatten. Sogar im NRW-Landtag war der Vorfall Thema. Die CDU wollte per kleiner Anfrage wissen, ob die Polizei rechtzeitig eingegriffen hatte. Das Innenministerium antwortete, die Beamten hätten Schülergruppen getrennt und weitere Auseinandersetzungen unterbunden. Strafrechtliche Konsequenzen hatte der Vorfall für keinen der beteiligten Polizisten....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta