SPD-Spitze setzt auf klare Wahl von Nahles zur Parteivorsitzenden

SPD-Chefin Nahles

Die SPD will mit der Wahl der ersten Frau an die Parteispitze einen Schlussstrich unter die Personalquerelen der vergangenen Monate ziehen. Zahlreiche SPD-Vorstandsmitglieder zeigten sich am Samstag überzeugt, dass Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles bei einem Bundesparteitag am Sonntag in Wiesbaden mit einem guten Ergebnis zur neuen Parteichefin gewählt wird. Sie tritt gegen die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange an.

Lange nahm am Samstag auch an einer Vorstandssitzung in Wiesbaden teil. Sie wird im Rennen um den SPD-Vorsitz als klare Außenseiterin angesehen. Es gilt als sicher, dass Nahles von den Delegierten gewählt wird. Mit Spannung wird allerdings erwartet, welches Ergebnis sie erzielt.

Der kommissarische SPD-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigte sich nach den Gremiensitzungen mit Blick auf die erstmalige Wahl einer Frau an die Parteispitze überzeugt, dass die SPD vor einem "ganz wichtigen und ganz bedeutenden Parteitag" stehe. Zu der erwarteten Wahl von Nahles sagte er, es sei hilfreich, dass Partei und Fraktion dann in einer Hand seien. Er selbst sei froh, dass seine Zeit als kommissarischer SPD-Vorsitzender nun ende.

Mehrere SPD-Präsidiumsmitglieder zeigten sich überzeugt, dass Nahles mit einem guten Ergebnis zur Vorsitzenden gewählt wird. Sie sei sich "ganz sicher", dass die Fraktionschefin ein "gutes Ergebnis" bekomme, sagte SPD-Vizechefin Malu Dreyer. Von dem Parteitag werde das "Startsignal" für die Erneuerung der SPD ausgehen.

Auch der hessische SPD-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, rechnet mit einem "guten Ergebnis" für Nahles. Auch er zeigte sich überzeugt, dass der Parteitag der "Startschuss" für die Erneuerung der SPD sein werde.

Juso-Chef Kevin Kühnert will der Chefin der SPD-Bundestagsfraktion ebenfalls seine Stimme geben, sieht die Personalentscheidung allein aber nicht als Erneuerung. Zur Forderung nach einer Erneuerung der Partei passe die Wahl von Nahles "auf den ersten Blick natürlich nicht, vielleicht auch auf den zweiten Blick nicht", sagte Kühnert im Bayerischen Rundfunk.

Er stelle sich aber "Erneuerung auch nicht so vor, dass wir ein neues Gesicht an die Parteispitze stellen und damit der Hauptteil schon erledigt ist", sagte Kühnert und ergänzte: "Wir haben immer betont, dass wir die programmatische Erneuerung für das absolute Herzstück halten."

Nahles selbst sieht in der Wahl der ersten Frau an die Spitze der Partei ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen. "Die Bedeutung liegt in der Ermutigung", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Jede Frau, die in die SPD eintrete, könne nun sehen, dass es nach oben "kein Limit" gebe. Sie wünsche sich zudem, "dass die SPD wieder ein Ort für interessante Debatten wird, wo wir an Konzepten arbeiten".

Ihre Gegenkandidatin Lange zeigte sich trotz der massiven Unterstützung für Nahles zuversichtlich. Sie glaube nicht, dass ihre Position aussichtslos sei, sagte sie in Wiesbaden. Sie könne die SPD auf eine "ganz andere Art und Weise" als Nahles stärken und der Partei auch wieder eine eigene Rolle geben.