Junqueras' politische Kehrtwende

Oriol Junqueras ist neben Marta Rovira das Gesicht der katalanischen linksnationalistischen ERC.

Von der Regierung ins Gefängnis - für ihn ging es in den vergangenen Jahren von ganz oben nach unten: Erst wurde seine Partei bei der katalanischen Parlamentswahl 2015 stärkste Kraft. Ministerpräsident wurde allerdings sein Koalitionspartner Carles Puigdemont.

Als dessen Stellvertreter blieb er in Puigdemonts politischen Schatten. Die Folgen der einseitig erklärten Unabhängigkeit unterschätzte er: Junqueras glaubte, kein Unternehmen würde aus Katalonien abwandern. Eine Fehleinschätzung. Es haben bereits mehr als 3.000 ihre Hauptsitze in andere Teilen Spaniens verlegt - aus Sorge vor Handelsnachteilen.

Auch sein demonstratives Bekenntnis zur katholischen Kirche brachte ihm keine Unterstützung aus dem Vatikan. Papst Franziskus unterstützt weder eine Unabhängigkeit Kataloniens, noch wollte er zwischen Barcelona und Madrid vermitteln.

Frustrierend waren für Junqueras vor allem die vergangenen Wochen: Da musste er vom Gefängnis aus mitansehen, wie sein Konkurrent und ehemaliger Mitte-Rechts-Koalitionspartner Puigdemont sich vom Exil in Brüssel per Videoübertragung in den Wahlkampf einschaltete. Der Mann, der für viele für die politische Krise in Katalonien verantwortlich gemacht wird und der - anders als der inhaftierte Junqueras - ins Exil flüchtete.

Mittlerweile schlägt Junqueras diplomatischere Töne an. Ja für die Unabhängigkeit von Madrid, aber nicht einseitig. Für die kommende Regierung schwebt ihm ein breites Linksbündnis vor, falls die ERC mehrheitlich gewählt wird.