Dieses junge Paar hat zwei Häuser für 350.000 Euro gekauft — so hat es seine Immobilien genau finanziert

·Lesedauer: 7 Min.
Jonny R. und Jessi P. sind seit vier Jahren ein Paar – und nun stolze Hausbesitzer.
Jonny R. und Jessi P. sind seit vier Jahren ein Paar – und nun stolze Hausbesitzer.

In Zeiten von Negativzinsen suchen viele nach einer sinnvollen Anlage für ihr Geld. Und auch wenn die Immobilien-Preise immer noch steigen, spielt der Traum vom eigenen Haus eine große Rolle. Dabei regiert meist das Stereotyp: Wer sich ein eigenes Haus leisten kann, verdient gut oder hat ein großes Vermögen angehäuft. Dinge, die in der Regel auch mit einem gewissen Altersdurchschnitt einhergehen.

Hinzu kommt auch die Angst, sich zu verschulden und sich langfristig zu binden, was viele aus der Generation der Millennials und jünger vom Immobilien-Kauf abschrecken dürfte.

Doch nicht bei Jessi P. und Jonny R.: Das junge Pärchen aus Rheinhessen hat sich entschieden, den Schritt zu wagen und sich bereits im jungen Alter zwei Immobilien gekauft. „Ich habe mir schon als kleines Kind vorgestellt, dass ich ein eigenes Haus habe“, sagt die 25-jährige Jessi im Gespräch mit Business Insider. „Wenn wir ewig Miete zahlen, gehört uns am Ende ja nichts. Und ich finde es sinnvoller, sein Geld in ein Haus zu stecken, als es durch Miete Monat für Monat sozusagen wegzuwerfen.“

Dabei sind weder Jessi noch ihr 27-jähriger Partner Millionäre oder haben überdurchschnittlich gut bezahlte Jobs. Jessi arbeitet in einer Landesbehörde, dort hat sie auch ihre Ausbildung gemacht. Jonny ist Ingenieur, er studierte an der Universität in Köln. Die beiden sind seit vier Jahren zusammen und kennen sich aus der Heimat.

Genau dahin zieht es die beiden wieder zurück, in ein 2000-Einwohner-Dorf. Für die beiden ist das Landleben kein Problem: „Ich habe dreieinhalb Jahre in Köln studiert und in einer WG mit einem Kumpel gewohnt. Es war ganz cool, aber Stadtleben war nichts für mich. Mir war das alles zu eng“, sagt der junge Ingenieur. Zudem war es für die beiden wichtig, wieder in der Nähe von Familie und Freunden zu leben.

Zwei Häuser kaufen – in einem leben, das andere vermieten

Dass sie so früh Besitzer nicht nur von einer, sondern gleich von zwei Immobilien sind, hat sich durch Zufall ergeben, wie Jonny erzählt: „Wir wollten ein Haus, haben aber nicht explizit danach gesucht. Das Haus wurde zwangsgeräumt und stand leer, das haben wir dann mitbekommen.“ Die beiden erfuhren, dass die Immobilie an die Volksbank ging und kontaktierten diese. Daraufhin wurden sie an den internen Makler vermittelt, der – bevor das Haus überhaupt online ging – mit den beiden eine Besichtigung machte.

Diese zwei Häuser gehören nun dem jungen Pärchen
Diese zwei Häuser gehören nun dem jungen Pärchen

Das Haus selbst scheint riesig für zwei Personen. 200 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Etagen und ein Dachgeschoss, 8 Zimmer, 2 Bäder und eine Küche, alles auf einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück. Doch dabei bleibt es nicht: Auf dem Grundstück steht noch ein weiteres, gleich großes Haus. Beide Häuser zusammen kosteten 350.000 Euro – ein Schnäppchen im Vergleich zu Preisen in der Stadt, wo man oftmals dasselbe für eine 60-Quadratmeter-Wohnung zahlt. Die Herausforderung aber: Beide Häuser müssen komplett saniert werden.

Jessi und Jonny planten, selbstständig zu renovieren und dann in dem einen Haus drei Wohnungen, die jeweils rund 90 Quadratmeter groß sind, für etwa 600 Euro pro Monat zu vermieten. „Es ist halt ein Dorf, deswegen sind die Mieten nicht so hoch“, sagt der junge Hauskäufer.

So kriegt ihr einen Kredit bei einer Bank

Für die Bauarbeiten und den Kauf brauchten beide eine Summe, die ihr Erspartes überstieg. Deshalb ging das Paar zur Bank. Ihr Ziel war es, einen Kredit von 500.000 Euro aufzunehmen, um damit zusätzlich auch die Sanierungskosten, Grunderwerbssteuer und Notar- und Grundbuchkosten abzudecken.

„Als Erstes ist es wichtig, der Bank, bei der man den Kredit beantragt, zu zeigen, was das eigentlich für ein Objekt ist, das man kaufen will. Die wollen Fotos sehen und die ganzen Eckdaten wissen: Baujahr, Grundstücksfläche, was muss am Haus noch gemacht werden“, berichtet Jonny.

Bei einer Renovierung wollte die Bank zudem eine sehr genaue Aufstellung haben, was gemacht wird und wie viel das jeweils kostet. „Der Vorteil dabei ist, wenn man immer dazuschreibt, was man selber macht. Dann braucht man nur Geld fürs Material und kann den Eigenkapitalnachweis geringer halten“, sagt Jonny. Sein Vater ist Bauunternehmer und konnte den beiden beim Projekt Eigenheim helfen. Ansonsten wollten die Bankberater noch die Gehaltsnachweise der letzten Monate sehen.

Solche Termine machten die beiden bei drei Banken aus und bekamen dann drei Angebote. Dennoch gingen beide vor der Entscheidung noch einmal zu einem Finanzierungsvermittler. Dieser fragte 400 Banken gleichzeitig an, um dann die drei günstigsten Kreditvorschläge vorzulegen. „Der Vorteil von einem Vermittler ist, dass er kostenlos ist und eine viel größere Spannbreite hat“, sagt Jonny. Denn der Vermittler wird nur von der Bank bezahlt, wenn es zur erfolgreichen Vermittlung des Kredits kommt. „Wir haben damals unsere ersten Angebote der Banken bekommen, die lagen bei einer Zinsbindung von 10 Jahren bei knapp 1,5 Prozent“, sagt Jonny.

Nachdem der Vermittler bessere Konditionen angeboten hatte, gingen beide wieder zur Bank und konnten so den Preis drücken. Letztendlich erreichten sie eine Zinsbindung von 15 Jahren mit 1,05 Prozent effektivem Jahreszins. Bedeutet: Die nächsten 15 Jahre lang ist dieser vereinbarte Zins gesichert und wird nicht verändert. Nach dieser Laufzeit wird sich der Zins nach den aktuellen Marktzinsen richten.

Die beiden bekamen ihren gewünschten Kredit von einer halben Million Euro, mit einer Laufzeit von 36 Jahren, bei einer monatlichen Belastung von 1500 Euro. Als Eigenkapital mussten sie knapp mehr als 10 Prozent zahlen. 40.000 Euro liehen Jonnys Eltern, 10.000 bezahlte er selbst, plus die ganzen Eigenleistungen. Mit seinen Jobs verdient das Pärchen zusammen 4000 Euro netto im Monat.

Beim Kredit „nicht nach dem letzten Prozentpunkt geiern“

Trotz ihres jungen Alters sei es nicht schwer gewesen, einen Kredit zu bekommen. Im Gegenteil: „Für uns war es tatsächlich leichter, einen Kredit zu bekommen, weil wir so jung sind. Wir haben genug Lebenszeit, um den Kredit abzubezahlen. Auch weil wir keine Kinder haben, ist das ein Vorteil, weil wir nicht so hohe Kosten haben“, sagt Jessi. Zusätzlich war es auch vom Vorteil, dass sie im öffentlichen Dienst arbeitet und „einen sehr sicheren Job“ hat.

Nach den Erfahrungen mit der Bank rät sie anderen jungen Leuten, „nichts zu überstürzen“. „So einen hohen Kredit aufzunehmen, ist schon eine große Sache und man sollte nicht das erstbeste Kreditangebot direkt annehmen, sondern lieber mit viel Zeit da herangehen.“

„Mein Tipp wäre es auch, nicht nach dem letzten Prozentpunkt zu geiern“, sagt Jonny. „Nur weil eine Online-Bank um 0,1 Prozent günstiger ist, heißt es nicht, dass man direkt zuschlagen sollte. Man sollte immer schauen, was bietet mir die Bank wirklich und viel vergleichen. So hat man bei einer Online-Bank nur telefonischen Kundenkontakt und bei der regionalen Sparkasse kann man persönlich mit seinem Bankberater sprechen. Das finde ich besser.“ Sehr wichtig sei auch eine genaue Planung: „Immer ein ordentliches Finanzierungskonzept haben, damit man sich auch genau überlegt, wie lange der Kredit laufen soll, welche Kosten man sich leisten kann und welche Kreditform für einen die günstigste ist“, so Jonny.

„Im Prinzip haben wir ein neues Haus gebaut“

Nachdem die Formalien erledigt waren, der Kauf abgeschlossen wurde und der Name – mit der Bank – im Grundbuch eingetragen war, ging es ans Renovieren. Neben der Arbeit schuftet das Paar rund fünf Tage pro Woche auf dem Grundstück, mit Unterstützung der Familie. Doch das komplette Ausmaß haben die beiden deutlich unterschätzt, wie Jessi erzählt. „Wir wussten schon, dass es viel Arbeit wird. Und wir wussten ungefähr, was zu tun war. Aber sagen wir es mal so: Wir wollten eigentlich im Dezember einziehen und jetzt wohnen wir immer noch nicht da.“

„Im Prinzip kann man sagen, dass wir ein neues Haus gebaut haben. Da stehen nur die alten Steine“, sagt Jonny. Die 500.000 Euro sind schon verbraucht, obwohl bisher nur eines der Häuser saniert ist. Jetzt planen sie, nochmals 100.000 aufzunehmen, um auch das andere Haus mit den geplanten Wohnungen fertig zu renovieren.

„Man hat natürlich immer wieder seine Bedenken, weil man so einen unfassbaren hohen Schuldenberg auf sich nimmt“, sagt Jonny. Aber man sollte sich „immer wieder den Wert vorhalten, der dahintersteht, dann vergeht die Angst wieder“.

Aktuell rechnen sie damit, in fünf Wochen endlich in ihr Haus einziehen zu können. Und die Vorfreude ist riesig. Jessi: „Abends im eigenen Garten zusammensitzen, gemeinsam mit Freunden und Familie zu grillen – wir können es kaum abwarten, bald in unsere eigenen vier Wände einzuziehen.“

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.