Junge Frau vor Gericht: Israel jagt online potentielle Terroristen

Dareen Tatour ist Araberin, Mitte dreißig, in Israel aufgewachsen. Vor zwei Jahren stürmte die Polizei im Morgengrauen ihr Haus. Der Grund: ein Gedicht, das sie auf Facebook veröffentlicht hatte. „Widersetzt euch dem Raub der Siedler. Und folgt der Karawane der Märtyrer“, heißt es in diesem.

Worte, die die arabische Dichterin kurz nach Beginn der sogenannten „Messerintifada“ veröffentlichte. Einer Welle der Gewalt, während der fast täglich Israelis von Palästinensern angegriffen wurden.

Seither steht Tatour wegen Anstachelung zur Gewalt und Terrorunterstützung unter Anklage und Hausarrest. Sie selbst erklärt, in ihrem Gedicht lediglich zum friedlichen Widerstand aufgerufen zu haben: „Mein Gedicht ruft in keiner Weise zur Gewalt auf. Sie übersetzen die Bedeutung aus dem Arabischen so, wie es ihnen passt und das ist nicht meine Schuld.“

Tatour ist kein Einzelfall. Die israelischen Geheimdienste sehen im Internet die Chance, potentielle Terroristen noch vor der Tat zu verhaften. Jonathan Conricus, Sprecher des israelischen Militärs sagt: „Junge Palästinenser veröffentlichen immer wieder Abschieds-Posts auf Facebook und töten anschließend israelische Zivilisten.“

Tatours Verteidigung pocht auf ihre Redefreiheit, die Anklage auf das Recht der Bevölkerung, vor Terroristen geschützt zu werden. Ob sie wirklich zu einer Haftstrafe verurteilt wird, erfährt die junge Frau Anfang nächster Woche.