"Bartras Foul schlimmer": Gisdol legt im Rot-Zoff nach

Martin Hoffmann, Maximilian Lotz
Der Hamburger SV muss nach seiner Roten Karte gegen Bayern zwei Wochen auf Gideon Jung (li.) verzichten

Gideon Jung hat im Topspiel gegen den FC Bayern (0:1) den ersten Platzverweis seiner Bundesliga-Karriere kassiert - und damit für eine der am meisten diskutierten Szenen des Spieltags gesorgt.

HSV-Trainer Markus Gisdol legte am Sonntag nach dem Auslaufen auch noch einmal nach.

"Ich finde nach wie vor, dass man die Rote Karte nicht geben muss", befand er: "Wenn man es vergleicht mit dem Foul von Dortmunds Marc Bartra, das vielleicht schlimmer war: Er hat Gelb bekommen, Gideon Rot. Da ist für mich die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben."


Gisdol: Sperre für Jung wäre "absoluter Witz"

Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler des Hamburger SV sah in seinem 57. Ligaspiel kurz vor der Pause für eine Grätsche gegen Kingsley Coman von Schiedsrichter Marco Fritz die Rote Karte.

Allein schon das Ausmaß der Debatte darüber ist für Gisdol Beleg, dass diese Rote Karte so klar nicht gewesen sein könne: "Ich sehe, wie viele Leute jetzt diskutieren, das sagt doch schon alles. Ich muss doch überlegen, bevor ich so eine gravierende Entscheidung treffe, die das Spiel so verändert. Es wäre für alle besser gewesen wäre, wenn sie nicht gekommen wäre, vor allem für uns."

Eine Sperre für Jung empfände Gisdol als "absoluten Witz".


Völler im CHECK24 Doppelpass: Kein Bayern-Bonus

Die Hamburger protestierten schon am Samstag vehement gegen die Entscheidung, Übeltäter Jung wollte zunächst nicht in die Kabine gehen. "Hummels oder Boateng hätten für die Szene keine Rote Karte gesehen", wütete sein Teamkollege Dennis Diekmeier nach dem Spiel.

Im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 erntete er dafür Widerspruch.


"Ich glaube nicht, dass Hummels oder Boateng nicht Rot bekommen hätten", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler: "Es ist die Frage, wer ist Schiedsrichter, wer ist Video-Assistent. Ich habe meine Meinung je nach Kameraposition dreimal geändert." Völlers Schätzung: "Von zehn Schiedsrichtern hätten fünf Rot gegeben."

Klarer sahen es die SPORT1-Experten Thomas Strunz und Bernd Heynemann. "Jung trifft ihn am Sprunggelenk, die Rote Karte passt, es war rohes Spiel, dazu auch ein taktisches Foul", befand der langjährige Schirdsrichter Heynemann. Strunz stimmte zu: "Jung nimmt in Kauf, dass er ihn verletzt."

Bruchhagen amüsiert über Experte Strunz

Der später im Doppelpass zugeschaltete HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen stellte diese Ansicht in Frage - mit einem ironischen Augenzwinkern: "Ich bin verwundert über Thomas Strunz, der hundertfach in der selben Art hinter den Stürmern hergestiefelt ist."

Bruchhagen selbst wich der Frage nach der Berechtigung des Platzverweises aus: "Wir haben verloren und haben das hinzunehmen, da brauchen wir nicht über den See rudern."

Jung: "Für mich keine klare Rote Karte"

Jung selbst hatte nach der Partie bei Sky gesagt: "Ich kam von der Seite. In der Situation ist es eine 50:50-Entscheidung, aber ich habe keine Absicht, den Spieler zu verletzen."

"Der Schiedsrichter hat meiner Meinung sehr hart entschieden. Das ist vielleicht vertretbar, aber für mich ist es keine klare Rote Karte."


Dagegen meinte Bayern-Coach Jupp Heynckes: "Es ist schwer zu beurteilen, aber es war schon ein sehr hartes Einsteigen. Ich denke, das kann man mit Rot bestrafen, da hat aus meiner Sicht der Schiedsrichter nicht falsch gelegen."

Coman konnte das Spiel nach dem harten Einsteigen des Hamburgers fortsetzen. Jung entschuldigte sich noch in der Halbzeitpause beim Franzosen.