Juncker wehrt sich gegen Vorwürfe zu Brexit-Dinner mit May

May und Juncker in Brüssel

Die EU-Kommission hat sich gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, sie habe Details zu einem Abendessen ihres Präsidenten Jean-Claude Juncker mit der britischen Premierministerin Theresa May an die Medien weitergegeben. In der Presse sei über Äußerungen berichtet worden, die nicht gefallen seien, sagte Juncker am Montag. Sein Kabinettschef Martin Selmayr sprach von einem "Versuch, die EU-Seite falsch zu bezichtigen" und die Brexit-Gespräche "zu untergraben".

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte detailreich über das Abendessen mit Juncker berichtet, das am Montag vergangener Woche kurz vor dem EU-Gipfel stattgefunden hatte. May "flehte" demnach in Brüssel darum, dass ihr die EU in den Brexit-Verhandlungen entgegenkomme. "Ängstlich erschien Theresa May dem Kommissionspräsidenten, verzagt und mutlos", schrieb die Zeitung ohne Angabe von Quellen und direkte Zitate.

"Sie ließ durchblicken, dass ihr daheim Freund und Feind im Nacken sitzen und nur darauf lauern, sie zu stürzen", hieß es in dem Bericht weiter. "Sie habe keinen Spielraum mehr, sagte May, die Europäer müssten ihn für sie schaffen." Die Zeitung verweist dann auch auf "tiefe Ringe" unter Mays Augen - wie bei jemandem, "der nächtelang keinen Schlaf findet".

Am Montagmorgen dementierte zunächst Junckers deutscher Kabinettschef Selmayr im Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Kommission die Informationen habe "durchsickern" lassen. Selmayr antwortete dabei direkt auf die Anschuldigung des britische Kolumnisten Nick Timothy, er sei die Quelle für die Enthüllungen.

Nach einem "konstruktiven" EU-Gipfel "macht Selmayr das", schrieb Timothy, der bis zu den für May desaströsen Unterhauswahlen im Juni Kabinettschef der Premierministerin war. Er fügte hinzu: "Erinnerung daran, dass einige in Brüssel keinen Deal wollen oder einen, der bestraft".

"Einige Leute zeigen gerne mit dem Finger auf uns, um ihre eigene politische Agenda zu verfolgen (...) oder sogar um unsere Verhandlungsposition zu untergraben", erwiderte dann Junckers Sprecher Margaritis Schinas am Mittag. Die Kommission wolle damit nichts zu tun haben und habe "keine Zeit für Klatsch".

Doch am Nachmittag nahm auch Juncker persönlich Stellung. Das Abendessen mit May sei "ein gutes Treffen" gewesen, sagte er vor Studenten in Straßburg. "Sie war weder müde noch niedergeschlagen."

Anders als von London erhofft hatten die EU-Staats- und Regierungschefs bei dem Gipfel am Freitag noch nicht grünes Licht für den Start der zweiten Phase der Brexit-Verhandlungen gegeben. Dabei soll es um die künftigen Beziehungen und ein mögliches Handelsabkommen gehen.

Grund für die Verzögerung sind fehlende Fortschritte bei zentralen Austrittsfragen und insbesondere den Finanzforderungen der EU an London. Der Gipfel beschloss lediglich, nun "intern" Vorbereitungen zu Phase zwei zu starten. Über deren Start soll nun beim nächsten Gipfel im Dezember entschieden werden.

Schon nach einem Abendessen von Juncker und May im Mai hatte es Ärger um Enthüllungen gegeben, die damals gleichfalls in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erschienen waren. Damals soll der Kommissionspräsident gesagt haben, er sei nun "zehnmal skeptischer" hinsichtlich des Ausgangs der Brexit-Verhandlungen.