Julius Bär erzielt Rekordgewinn


Die schweizerische Privatbank Julius Bär hat im vergangenen Jahr so viel Geld verdient wie nie zuvor. Unterm Strich stand ein bereinigtes Ergebnis von 806 Millionen Franken – das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich sammelte die Bank bei ihren wohlhabenden Kunden rund 22 Milliarden Franken an neuen Geldern ein und übertraf damit ihr ausgerufenes Wachstumsziel von vier bis sechs Prozent sogar leicht.

Damit präsentiert der neue Julius-Bär-Chef Bernhard Hodler heute ein glänzendes Ergebnis, das allerdings auf das Wirken seines prominenten Vorgängers Boris Collardi zurückgehen dürfte. Collardi hatte im November seinen Wechsel zum Konkurrenten Pictet bekanntgegeben und damit auch die Bär-Führungsriege überrascht. So übernahm der ehemalige Risikochef Hodler bei Julius Bär die Führungsposten. Wie lange Hodler an der Spitze der Bank bleiben wird, wollte sich der Manager nicht entlocken lassen. Doch auf die Frage, ob er auch im nächsten Jahr die Ergebnisse präsentieren werde, antwortete er: „Ich will nächstes Jahr auch noch da sein.“

Eine radikale Kehrtwende hat der neue Chef nicht geplant: „Ich werde die Umsetzung unserer Strategie mit meinem Team weiter verfolgen“, sagte Hodler. Nachjustieren will der Manager allenfalls beim Produktangebot: „Wir müssen schauen, auf welchen Märkten wir welche Produkte anbieten wollen“. Hodlers Vorgänger hatte die Bank mit der Einstellung neuer Kundenberater und umfangreichen Zukäufen auf Wachstum getrimmt. Hodler will an dieser Strategie nichts ändern. Die jüngste Akquisition passt dabei ins Bild. Demnach übernimmt Bär den brasilianischen Vermögensverwalter Reliance mit einem Kundenvermögen von fünf Milliarden Franken. Über den Kaufpreis machte die Bank dabei keine Angaben.

Ein Teil des Neugeldwachstums geht aber auch auf die kräftige Vergabe von Krediten zurück: Deren Vergabe legte um rund 20 Prozent auf 8,2 Milliarden Franken zu. Die Bank geht also ins Risiko, damit Kunden ihre Geschäfte ausweiten können. Bankchef Hodler hält das Risiko für kalkulierbar. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Modell und wollen daran kurzfristig nichts ändern.“

Die Aktionäre von Bär sollen nun eine höhere Dividende erhalten: Statt 1,20 Franken sollen 1,40 Franken je Aktie fließen. Trotzdem gab der Kurs der Bär-Aktien am Mittwoch zunächst nach. Auch bei Analysten hält sich die Euphorie in Grenzen: Die Ergebnisse „sind zwar in Ordnung, aber keineswegs beeindruckend“, urteilen etwa die Analysten der Bank Vontobel.