Julia Beautx: "Es wäre total cool, mal die Böse zu spielen"

In der ZDF-Serie "Gestern waren wir noch Kinder" (Montag, 9. Januar, bis einschließlich Mittwoch, 11. Januar, jeweils 20.15 Uhr) spielt Julia Beautx die 18-jährige Vivi, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Vater ihre Mutter tötet. (Bild: ZDF / Tobias Schult)
In der ZDF-Serie "Gestern waren wir noch Kinder" (Montag, 9. Januar, bis einschließlich Mittwoch, 11. Januar, jeweils 20.15 Uhr) spielt Julia Beautx die 18-jährige Vivi, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Vater ihre Mutter tötet. (Bild: ZDF / Tobias Schult)

Noch ist Julia Beautx wohl hauptsächlich einem jüngeren Publikum bekannt. Das könnte sich mit "Gestern waren wir noch Kinder" ändern: Im mitreißenden ZDF-Dreiteiler spielt die 23-jährige Influencerin und Schauspielerin die Tochter eines Mannes, der eines Tages scheinbar grundlos seine Frau ermordet.

Eigentlich heißt sie Julia Willecke. Den meisten ihrer Fans dürfte die 23-Jährige, die ab 9. Januar im hochspannenden ZDF-Dreiteiler "Gestern waren wir noch Kinder" (bis einschließlich Mittwoch, 11. Januar, jeweils 20.15 Uhr, und bereits vorab ab Freitag, 30. Dezember, in der ZDF-Mediathek) zu sehen ist, jedoch eher als Julia Beautx bekannt sein. Ihren Künstlernamen wählte sie mit 14, damals, als sie ihre ersten Beauty- und Lifestyle-Videos auf der Webvideo-Plattform YouTube veröffentlichte. Heute folgen ihr dort mehr als 2,4 Millionen Menschen; auf TikTok und Instagram hat Beautx jeweils über drei Millionen Fans. Und trotzdem: Für ihre Schauspielkarriere, die 2018 mit der ZDF-"Herzkino"-Reihe "Frühling" begann, würde Beautx eines Tages vielleicht sogar ihre Online-Karriere an den Nagel hängen. Oder?

teleschau: Seit der Gründung Ihres YouTube-Kanals im Jahr 2013 sind Sie als Julia Beautx bekannt. Bereuten Sie schon mal die Wahl Ihres Künstlernamens?

Julia Beautx: (lacht) Manchmal frage ich mich schon, was ich mir dabei gedacht habe. Ich kann nicht behaupten, dass ich nie in Erwägung gezogen habe, Julia Beautx hinter mir zu lassen und als Schauspielerin meinen richtigen Namen zu verwenden. Aber: Mittlerweile habe ich mich total daran gewöhnt. Der Name gehört zu mir.

teleschau: Zudem hat er einen hohen Wiedererkennungswert.

Beautx: Total. Die Leute kennen mich als Julia Beautx, seit ich 14 Jahre alt bin. Insofern wird sich zumindest in den sozialen Medien daran so schnell nichts ändern.

teleschau: Haben Sie den Eindruck, aufgrund Ihrer Influencer-Tätigkeit als Schauspielerin unterschätzt zu werden?

Beautx: Gerade am Anfang war das immer wieder mal der Fall. Oft hatte ich das Gefühl, Kolleginnen und Kollegen sehen mich gar nicht als Schauspielerin, sondern als Influencerin und nehmen mich deshalb nicht ernst. Mittlerweile passiert das zum Glück kaum mehr. Die meisten Menschen in der Branche sind sehr offen. Trotzdem höre ich immer wieder: "Ich hätte gar nicht gedacht, dass du das so gut kannst. Du bist ja eigentlich keine klassische Schauspielerin." Ich versuche aber, das als Kompliment zu sehen. Letztendlich freue ich mich darüber, wenn ich Leuten ihre Vorurteile nehmen kann.

"Der Name gehört zu mir", sagt Julia Willecke, die seit 2013 unter ihrem Pseudonym Julia Beautx bekannt ist. (Bild: 2019 Getty Images for Splendid Film/Florian Ebener)
"Der Name gehört zu mir", sagt Julia Willecke, die seit 2013 unter ihrem Pseudonym Julia Beautx bekannt ist. (Bild: 2019 Getty Images for Splendid Film/Florian Ebener)

"Wahrscheinlich wäre ich Grafikdesignerin geworden"

teleschau: Sie sind Webvideoproduzentin, Social-Media-Star, Schauspielerin, Moderatorin, Unternehmerin, Sängerin und Podcasterin. Für welche Karriere würden Sie sich entscheiden, wenn Sie müssten?

Beautx: Es wäre für mich auf jeden Fall am schwierigsten, eine Wahl zwischen YouTube und der Schauspielerei zu treffen. Alles andere macht Spaß, aber für diese beiden Bereiche schlägt mein Herz. Zudem hat YouTube mir überhaupt erst ermöglicht, Schauspielerin zu werden. Das ist mir durchaus bewusst. Auf lange Sicht kann ich mir aber vorstellen, dass es für mich in ferner Zukunft eher auf eine Schauspielkarriere hinauslaufen wird. Zum Glück musste ich mich bislang nicht entscheiden! Momentan wäre mir das auch nicht möglich.

teleschau: Seit 2018 sind Sie regelmäßig in der ZDF-Reihe "Frühling" zu sehen. War es schon immer Ihr Ziel, vor der Kamera zu stehen?

Beautx: Ich habe schon im Kindergarten davon geträumt, Schauspielerin zu werden. An diesem Traum hat sich nie etwas geändert. Irgendwann war ich mir jedoch sicher: Das schaffe ich niemals.

teleschau: Wieso haben Sie gezweifelt?

Beautx: Es sprach einfach zu viel dagegen: Ich komme aus einem kleinen Dorf und hatte überhaupt keine Verbindungen in die Branche. Zudem ist die Aufnahme an einer Schauspielschule sehr schwierig, das habe ich mir als Teenager nicht zugetraut. Mir wurde - wie so vielen jungen Menschen - auch immer wieder gesagt, ich solle lieber etwas Vernünftiges machen. Dass es nun doch dazu gekommen ist, dass ich vor der Kamera stehen darf, ist für mich bis heute surreal.

teleschau: Wie sähe Ihr Leben heute aus, wenn Sie sich für den vermeintlich vernünftigen Weg entschieden hätten?

Beautx: Wahrscheinlich wäre ich Grafikdesignerin geworden. Ich bin jedoch sehr, sehr froh, dass es nicht so gekommen ist. Nach einem Praktikum war mir klar, dass ich nicht dafür gemacht bin, den ganzen Tag im Büro zu sitzen. Die kreative Arbeit hat mir gefallen, aber ich glaube, es hätte mich nicht auf Dauer erfüllt.

Vor allem am Anfang ihrer TV-Karriere sei Julia Beautx häufig nicht ernst genommen geworden: "Oft hatte ich das Gefühl, Kolleginnen und Kollegen sehen mich gar nicht als Schauspielerin, sondern als Influencerin." (Bild: 2017 Getty Images for Sony Pictures/Matthias Nareyek)
Vor allem am Anfang ihrer TV-Karriere sei Julia Beautx häufig nicht ernst genommen geworden: "Oft hatte ich das Gefühl, Kolleginnen und Kollegen sehen mich gar nicht als Schauspielerin, sondern als Influencerin." (Bild: 2017 Getty Images for Sony Pictures/Matthias Nareyek)

"Ich habe keine anderen Hobbys neben meinem Beruf"

teleschau: In der ZDF-Serie "Gestern waren wir noch Kinder" standen Sie vor kurzem erstmals für einen Thriller vor der Kamera. Haben Sie nun Blut geleckt?

Beautx: Auf jeden Fall! Die Serie war härter zu drehen als meine bisherigen Projekte, aber ich liebe spannende Geschichten. Mir gefällt es, Dinge zu erleben, die sich in meinem normalen Leben hoffentlich nie zutragen werden. Ich würde mich total freuen, noch mehr in die Richtung drehen zu dürfen. Es wäre total cool, mal die Böse zu spielen.

teleschau: Wie sehr haben die Dreharbeiten Sie belastet?

Beautx: Ich schaue und lese am liebsten Krimis und Thriller. "Harter Stoff" ist mir in dieser Hinsicht sogar am liebsten. Insofern waren die Dreharbeiten genau mein Ding. Klar, manche Szenen waren sehr kräftezehrend und anstrengend. Zwei Stunden durchgehend zu weinen und sich vorzustellen, die eigene Mutter sei gerade gestorben - das hat auf jeden Fall etwas mit mir gemacht. Meistens gelingt es mir aber ganz gut, am Ende des Tages abzuschalten.

teleschau: Wie schaffen Sie das?

Beautx: Gute Frage. Ich bin ein Mensch, der negative Gefühle schnell hinter sich lassen kann. Außerdem fällt es mir leicht, mir bewusst zu machen, dass die Dreharbeiten nicht echt sind. An manchen Tagen muss aber auch ich mich erst einmal eine halbe Stunde in die Badewanne legen und die Augen schließen, um wieder klarzukommen.

teleschau: Durch Ihre verschiedenen Jobs sind Sie zeitlich sehr ausgelastet. Fühlen Sie sich manchmal überwältigt?

Beautx: Ich arbeite sehr viel, das stimmt. YouTube war aber immer schon gleichzeitig mein Hobby. Mein Job ist also auch das, was ich liebe und gerne tue. Ich habe keine anderen Hobbys neben meinem Beruf. Das macht es einfacher (lacht). Trotzdem gibt es Momente, in denen mir alles ein bisschen zu viel wird. Sobald ich bemerke, dass das der Fall ist, nehme ich mich zurück. Dann sage ich auch mal Nein zu Projekten, die ich eigentlich gerne annehmen würde.

teleschau: Waren Sie schon immer gut darin, Grenzen zu setzen?

Beautx: Überhaupt nicht. Ich hatte über Jahre hinweg kein Wochenende für mich. Irgendwann haben meine Eltern mich gestoppt - zum Glück! Nur so bin ich überhaupt noch in der Lage, heute so viele Jobs zu jonglieren. Viele meiner Freunde, die ebenfalls auf YouTube aktiv waren, mussten irgendwann damit aufhören, weil sie über das Ziel hinausgeschossen und innerlich ausgebrannt sind.

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Noch ahnt Anne (Maria Simon, rechts) im ZDF-Dreiteiler "Gestern waren wir noch Kinder" nicht, dass sie kurz nach der Geburtstagsfeier mit ihren Kindern Emmi (Nele Richter, links), Vivi (Julia Beautx), Daniel (Vico Magno) und ihrem Mann Peter (Torben Liebrecht) sterben wird.

 (Bild: ZDF / Walter Wehner)
Noch ahnt Anne (Maria Simon, rechts) im ZDF-Dreiteiler "Gestern waren wir noch Kinder" nicht, dass sie kurz nach der Geburtstagsfeier mit ihren Kindern Emmi (Nele Richter, links), Vivi (Julia Beautx), Daniel (Vico Magno) und ihrem Mann Peter (Torben Liebrecht) sterben wird. (Bild: ZDF / Walter Wehner)

"Ich zeige nie zu viel"

teleschau: Sie standen schon sehr früh in der Öffentlichkeit. Wünschen Sie sich manchmal mehr Anonymität?

Beautx: Eigentlich nicht. Ich denke, dass ich trotz meiner Karriere ein relativ normales Leben habe.

teleschau: Ein normales Leben - mit mehr als drei Millionen Instagram-Followern?

Beautx: "Normales Leben" mag vielleicht nicht in jeder Hinsicht stimmen, aber ich bin lange in meinem Heimatdorf geblieben. Dadurch, dass es mich im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen nicht in die Großstadt verschlagen hat, war mein Alltag nie der eines klassischen Influencers. Dazu kommt, dass ich viele meiner Freunde noch aus der Schulzeit kenne, lange bevor ich mit YouTube angefangen habe. Auch meine Familie hat immer dafür gesorgt, dass ich auf dem Boden bleibe. Es ist schön, dass mich in meinem Umfeld nie jemand anders behandelt hat. Deshalb ist die Bekanntheit auch nichts, das mich je gestört hätte.

teleschau: Sie verdienen Ihr Geld damit, Einblicke in Ihren Alltag zu geben. Wie gelingt es Ihnen, Ihr Privatleben zu schützen?

Beautx: Ich zeige nie zu viel. Meine Eltern haben bereits früh dazu beigetragen, dass ich Privates und Berufliches trennen kann. Ab dem Zeitpunkt, an dem ich mit YouTube angefangen habe, hat mein Vater sich in die Materie eingelesen und immer aufgepasst, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Ihm war es sehr wichtig, dass ich trotz meiner Karriere mein Abitur mache und nicht abhebe. Heute würde ich behaupten, er hat in dieser Hinsicht einen ganz guten Job gemacht (lacht).

teleschau: Auch Ihre minderjährige Schwester ist durch Ihre Videos und die sozialen Medien bekannt. Geben Sie Ihr Ratschläge für den richtigen Umgang mit Seiten wie Instagram und TikTok?

Beautx: Meine Schwestern wollte nie Influencerin oder YouTuberin werden, so wie ich es bin. Deshalb muss ich ihr nicht viel beibringen. Obwohl sie acht Jahre jünger ist als ich, hat sie mir schon immer hinter den Kulissen geholfen - einfach, weil es ihr Spaß macht. Natürlich versuche ich trotzdem, ihr ein gutes Vorbild zu sein. Man muss gut aufpassen im Internet.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Beautx: Die Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien werden immer jünger. Auf TikTok zum Beispiel sind sehr viele Mädchen zu sehen, die noch sehr jung sind. Ich stoße immer wieder auf Videos, die man lieber nicht veröffentlichen sollte - schon gar nicht mit zwölf oder 13. Es ist schade, wenn Eltern diesbezüglich nicht gut aufpassen. Meine Mutter und mein Vater waren immer involviert, wenn ich Videos hochgeladen habe. Sie haben mir und meiner Schwester ein gewisses Bewusstsein für den richtigen Umgang mit sozialen Medien beigebracht. In dieser Hinsicht bin ich meiner Familie unglaublich dankbar.

Die Dreharbeiten zu "Gestern waren wir noch Kinder" seien oft anstrengend gewesen, erinnert sich Julia Beautx: "Zwei Stunden durchgehend zu weinen und sich vorzustellen, die eigene Mutter sei gerade gestorben - das hat auf jeden Fall etwas mit mir gemacht." (Bild: ZDF / Mathias Neumann)
Die Dreharbeiten zu "Gestern waren wir noch Kinder" seien oft anstrengend gewesen, erinnert sich Julia Beautx: "Zwei Stunden durchgehend zu weinen und sich vorzustellen, die eigene Mutter sei gerade gestorben - das hat auf jeden Fall etwas mit mir gemacht." (Bild: ZDF / Mathias Neumann)