Jugendsprache checkst du nicht - hier ist eine Erklärung

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Zehn Jahre lang gab es in jedem Herbst ein offizielles “Jugendwort des Jahres“. Das doppelte “Ehrenmann/Ehrenfrau“ aus dem vergangenen Jahr wird vorerst das letzte bleiben, denn in diesem Jahr sagte der Pons-Verlag die Abstimmung ab. Was natürlich nicht bedeutet, dass unter Jugendlichen nicht länger Ausdrücke kursieren würden, die viele Erwachsene ziemlich ratlos zurücklassen. Wir helfen weiter:

Diese Jugendlichen sind ganz gechillt am Cornern. (Symbolbild: Getty Images)

Cornern

Der Begriff “Cornern“ ist zwar nicht ganz neu, wird aber nach wie vor gerne von Jugendlichen verwendet. Gemeint ist das Herumhängen von Jugendlichen an einer Straßenecke. Allgemein geht es um ein fröhliches Beisammensein, bei dem Alkohol konsumiert werden kann, aber nicht muss.

Hustlen

Rapper benutzen den Begriff “hustlen“ gerne, um ihren harten Weg aus der Gosse nach oben zu beschreiben. Allgemein versteht man darunter die harten Bemühungen, die jemand unternimmt, um es zu Erfolg und Geld zu bringen. Manchmal benutzen Jugendliche das Wort auch, wenn sie sagen, dass sie erst noch Geld besorgen müssen.

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Bratan

Dass Jugendliche den Begriff Bratan als Synonym für “Bruder“, “Bro“, “Digger“ oder, fast schon verstaubt, “Kumpel“ benutzen, verdanken wir dem Rapper Capital Bra. Er machte die Ableitung aus dem russischen “brat“, das übersetzt Bruder heißt, populär.

Gönnjmanin

Auch das Wort Gönnjamin hat ein Rapper erfunden, in diesem Fall Kollegah. Den Mix aus “Gönnung“ und “Benjamin“ verwendet der Musiker oft in seinen Social-Media-Beiträgen und hat sogar eine Modekollektion nach dem Kunstwort benannt. Allgemein steht es für Personen, die dem Luxus zugeneigt sind.

Alman

Wer als Deutscher voll dem Klischee entspricht, immer brav seine Sachen aufräumt, viel arbeitet, nie bei rot über die Ampel geht, auch wenn weit und breit niemand zu sehen ist und sich lieber einen abhetzt, als zu spät zu kommen, ist ein echter “Alman“.

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Tchuligom

Die bewusst falsch geschriebene Variation von “Entschuldigung“ geht zurück auf einen Nachrichtenverlauf, der 2018 über die Facebook-Seite “Best of Kleinanzeigen“ geteilt wurde und in dem ein Interessent sich orthografisch kreativ für seine versuchte Preisdrückerei entschuldigte. Existierende Varianten sind auch “OK, tchuligom!“, “Tchuligom, mein Feller“ oder “Tchuligom, turmi leit“.

Habibi

Wie so viele Jugendwörter hat auch das arabische “Habibi“ für “Liebling“, “Schatz“ oder “Bruder“ vor allem über den Rap Einzug in die deutsche Jugendsprache gehalten. 2019 hat zum Beispiel die Rapperin Nura ihr erstes Soloalbum “Habibi“ auf den Markt gebracht.

Ehre genommen

Während 2018 die Begriffe “Ehrenmann/Ehrenfrau“ die Jugendwörter des Jahres waren, ist es mit der Ehre ein Jahr später nicht mehr weit her. Probleme, den Begriff zu verstehen, dürfte aber niemand haben, da er eben einfach bedeutet, dass jemandem seine Ehre abhanden kommt. Entweder, weil er in einem Onlinespiel besiegt wurde, wie der Begriff ursprünglich beschrieb, oder aber, weil er sich anderweitig demütigen ließ.

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Kek

Auch das Wort “Kek“ kommt aus einem Onlinespiel. In dem Dauerbrenner “World of Warcraft“ wird es alternativ für LOL (laughing out loud) verwendet. Andererseits haben auch hier HipHoper und Rapper ihre Finger im Spiel, die Kek synonym für das Schimpfwort “Loser“ eingeführt haben.

Cringe

Wenn etwas “cringe“ oder “cringy“ ist, ist es auf jeden Fall übelst peinlich. Übersetzt bedeutet das englische Verb so viel wie “zusammenzucken“ und kommt immer dann zum Einsatz, wenn man sich angesichts einer bestimmten Situation arg fremdschämt.