Jugendliche in Rostock nach Anzünden von Obdachlosem wegen Mordversuchs verurteilt

Weil sie die Kleidung eines betrunkenen Obdachlosen anzündeten, hat das Landgericht Rostock zwei Jugendliche wegen versuchten Mordes zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten wurden zu sieben Jahren und zehn Monaten beziehungsweise sieben Jahre und vier Monate Gefängnis verurteilt, wie eine Gerichtssprecherin am Freitag mitteilte. Ein erstes Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die beiden Jungen, die während der Tat 15 Jahre alt waren, hatte der Bundesgerichtshof zuvor aufgehoben.

Nach Feststellung der Richter handelten die Täter aus Langeweile und Lust am Quälen und nahmen den Tod des 36 Jahre alten Manns billigend in Kauf. Diese Mordmerkmale hatten ihre Kollegen im Dezember 2016 verneint. Sie hatten bestritten, dass die Verletzungen lebensgefährlich waren. Das Strafmaß für die beiden Jugendlichen liegt nun jeweils um rund drei Jahre höher als im ersten Prozess. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Jungen waren häufiger bei dem 36 Jahre alten Obdachlosen zu Besuch, weil er ihnen Bier spedierte. Im Mai 2016 zogen sie nachts gemeinsam trinkend durch die Rostocker Innenstadt. Die Jungen fingen an, ihren Begleiter mit einer kleinen Flasche zu bewerfen. Dann traten und schlugen sie ihn. Später stellten sie Fotos von ihrem dadurch verletzten Opfer ins Internet.

In der Nähe des Bahnhofs stießen sie den wehrlosen Mann in ein Gebüsch und zündeten mithilfe von Papierblättern seine Kleidung an. Erst als ein Zeuge vorbeikam und das stöhnende Opfer bemerkte, liefen die Täter davon. Mit Verbrennungen dritten Grades wurde das Opfer in eine Spezialklinik gebracht. Später legte der Mann als Nebenkläger Rechtsmittel gegen das erste Urteil ein.