Judith Williams: „Manchmal muss man Gründern ihre Grenzen zeigen“

Sieben Jahre Löwin – so soll es weitergehen, wenn es nach der 49-jährigen Unternehmerin Judith Williams geht.
Sieben Jahre Löwin – so soll es weitergehen, wenn es nach der 49-jährigen Unternehmerin Judith Williams geht.

Sie ist seit der allerersten Staffel der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ dabei und wird auch in der aktuellen Staffel wieder investieren. DHDL-Löwin Judith Williams gibt sich angriffslustig und verspricht, mehr Geld in die Hand zu nehmen als in der vergangenen Staffel. Ab dem 6. September ist die Kosmetikunternehmerin gemeinsam mit ihren Co-Juroren Carsten Maschmeyer, Nico Rosberg, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Nils Glagau und Georg Kofler wieder auf Vox zur Primetime zu sehen.

Im Interview mit Gründerszene verrät Williams unter anderem, warum es ihr nicht um Profit geht und weshalb sie noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Judith, was lief dieses Mal anders als in den vorherigen Staffeln?

Die Höhle der Löwen ist bissiger geworden. Auch weil die Startups besser geworden sind. Dadurch ist das Interesse bei den Löwen gestiegen, zu investieren. Jeder Löwe will dieses Mal zeigen, was er kann. Man wird sehen können, wer mit welchen Tricks sein Glück macht. Da werden einige Situationen dabei sein, wo der Zuschauer denkt: „Oh Gott, wenn das so im echten Business abläuft.“ Es ist definitiv keine Zucker-Staffel.

Wie viele Deals haben Sie abgeschlossen?

In der aktuellen Staffel werden definitiv zwei Deals von mir zu sehen sein. Ich habe insgesamt acht abgeschlossen. Was zu sehen sein wird, hängt davon ab, wie die abgedrehten Tage auf die zehnte und elfte Staffeln aufgeteilt werden. Das steht noch nicht fest.

Wie viel Kapital haben Sie investiert?

Häufig läuft es so ab, dass wir nicht nur den geforderten Betrag in der Sendung investieren, sondern noch zusätzlich Geld bereitstellen müssen. Mit 50.000 bis 200.000 Euro kannst du selten ein ganzes Geschäft aufbauen, wenn etwa noch der Handel oder ein Webshop hinzukommen. Erst wenn wir uns im Nachhinein mit den Gründern nochmal zusammengesetzt haben und den Businessplan durchgegangen sind, lässt sich absehen, was noch investiert werden muss. Dann geben wir Darlehen und andere Finanzierungsmöglichkeiten. Deshalb kann ich da momentan keine genaue Summe nennen.

Dieses mal soll die höchste geforderte Summe in der Geschichte von „Die Höhle der Löwen“ ausgerufen worden sein. Sind die hohen Bewertungen gerechtfertigt?

Gegenüber Gründerinnen und Gründern sind wir vor der Kamera noch vergleichsweise sanft. Das sieht im echten Business ganz anders aus. Wenn aber welche ankommen, die eine Bewertung aufrufen, die unverschämt ist, dann muss man auch mal sagen: „Du bist nur hier, um Aufmerksamkeit in der Sendung zu bekommen.“ Wir sind den Gründerinnen und Gründern wohlgesonnen, aber manchmal muss man ihnen auch ihre Grenzen zeigen.

Welche Faktoren sind wichtig, damit Sie investieren?

Eines muss ich vorwegsagen: Ich mache Business nicht des Geldes wegen. Sondern nur aus Leidenschaft. Deshalb investiere ich lieber in weniger Startups, dafür aber dann richtig. So wie zum Beispiel bei Bitterliebe. Deshalb haben wir dort auch das Wachstum so schnell hinbekommen. Wichtig ist, dass es menschlich passt. Die Gründerinnen und Gründer haben meine Telefonnummer und können mich immer erreichen. Außerdem muss das von der Firmenkultur her auch mit unseren Werten übereinstimmen. Wir stehen für Nachhaltigkeit und Authentizität. Ich hasse Wegwerfprodukte, die die Welt nicht braucht. Davon gibt es manchmal auch welche bei der Höhle der Löwen. Das passiert zum Glück selten, aber da versuche ich immer höflich abzusagen. Ich will keine Produkte schaffen, die nur blöd rumstehen. Ich möchte das Gefühl haben, dass die Produkte sinnvoll sind und etwas Gutes damit angestellt werden kann.

Was waren bisher ihre besten Investitionen bei DHDL?

Das ist zum einen Littlelunch und zum anderen Bitterliebe. Bei Bitterliebe habe wir innerhalb von einem Jahr einen weiteren Investor hinzugezogen und einen Teil-Exit gemacht. Hier streben wir jetzt die Internationalisierung an.

Was war Ihr persönliches Highlight der neuen Staffel?

Eines der Startups, in das ich investiere, ist sehr branchenfremd im Vergleich zu dem, was ich sonst mache. Mich interessieren nicht nur Produkte, die man über unsere Kanäle verkaufen kann, sondern auch solche, die das Leben einfacher machen. Die nachhaltig sind und zum Beispiel Familien unterstützen.

Was war für Sie der kurioseste Pitch dieses Mal?

In einer Folge tritt eine „Ponyfrau“ mit einem rosa Glitzerstäbchen auf. Das Ding muss man zwischen Daumen und Zeigefinger halten, damit man gerade auf dem Pferd sitzt und die Balance hält. Das fand ich schon ziemlich schräg.

Sie sind seit Beginn der Show dabei – wird das nicht langsam langweilig?

Business sollte niemals langweilig werden. Wenn es doch mal langweilig wird, ist man entweder im falschen Bereich unterwegs oder man macht es nicht gut genug. Da kann ich jeden nur ermutigen, selbst zu gründen. Denn auf eines kann man sich dann verlassen: Alles bleibt im Wandel. Darauf musst du dich immer wieder neu einstellen. Ich liebe es, Unternehmerin zu sein. Und sollte ich mal nicht mehr aktiv sein, werde ich bis ins hohe Alter versuchen, junge Menschen beim Gründen zu unterstützen. Hier interessieren mich vor allem die zwischen 15- und 30-Jährigen – also die Zeit, wo du die wichtigsten Weichen stellst. Viele beschweren sich über Millennials oder die Genz Z – ich finde die jungen Leute toll und inspirierend.

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