Jubiläum: Ein Plausch an der Kasse

Integrativer Nahkauf -Markt feiert mit Jürgen Becker fünfjähriges Bestehen

Nicht nur auf der Bühne, auch am Kassenband ist der Kabarettist in seinem Element. "Oh, eine Jugendschutz-Prüfung... sind wir denn auch schon 16?" meint er, nachdem er die Dose Kölsch eines Kunden im mittleren Alter über den Scanner gezogen hat und die EDV auf die obligatorische Bestätigung wartet. Eine weitere Kundin ist mit ihrem kleinen Sohn zum Markt-Jubiläum nach Niehl gekommen. "Wäre ich an der Wursttheke, bekäme der Kleine ein Stückchen Fleischwurst", so Jürgen Becker schmunzelnd. Und angesichts der Schlange tun ruhige Momente gut. "EC-Karten sind was Schönes, da hat man immer ein kleines Päuschen", bemerkt er, während die Frau ihr Kärtchen ins Lesegerät schiebt.

Noch die ganze Woche feiert der "Nahkauf"-Supermarkt an der Sebastianstraße 186 in Alt-Niehl mit den Kunden seinen fünften Geburtstag. Im früheren "Kaiser's", der 2011 geschlossen hatte, eröffnete im September 2012 der Nahkauf-Markt in Trägerschaft der Rheinkauf gGmbH, einer Tochter des Nippeser Integrations- und Qualifizierungsvereins "Zug um Zug". Der ist auch Träger des Bürgerzentrums Nippes. Von den neun Markt-Mitarbeitern sind sechs schwerbehindert. "Unser Konzept ist voll aufgegangen", freut sich Geschäftsführerin Helga Gass. "Wir haben Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen, und zugleich eine Nahversorgung im Ort wiederhergestellt - vor allem für Senioren und Familien mit Kindern. Das locke Kunden auch in die umliegenden Läden."

Anfang 2016 eröffnete der Träger noch einen zweiten Markt mit gleichem Konzept: An der Aachener Straße in Weiden übernahm man einen früheren Rewe City. Auch Nahkauf ist eine Vertriebslinie von Rewe; die Filialen sind etwas kleiner als Supermärkte unter eigener Flagge und alle inhabergeführt. Preislich gibt es aber keinen Unterschied. Und der Niehler Markt verblüfft mit relativ großem Sortiment auf begrenzter Fläche.

"Die Arbeit mit Schwerbehinderten ist nicht anders wie mit anderen Beschäftigten", erläutert Dirk Rhiel, Leiter des Marktes. "Jeder hat andere Vorkenntnisse sowie individuelle Stärken und Schwächen." Es sei schön zu sehen, wie die Beschäftigten in ihrer Rolle aufgingen, Verantwortung tragen wollen und Eigeninitiative entwickelten. Und oft müsse man staunen - wie über einen Mitarbeiter mit spastischer Lähmung, der mit einer Hand scannt, aber dabei schneller ist als der Marktleiter selbst. Wichtig sei auch die soziale Komponente: "Wir sind wie ein Tante-Emma-Laden, nur ein bisschen größer. Viele Kunden sind etwas älter und halten gern an der Kasse ein Schwätzchen. Deshalb versuchen wir, nach Möglichkeit zwei Kassen geöffnet zu haben."

Für Becker ist die Arbeit an der Kasse nicht komplett neu: Er hatte vor kurzem bereits einen Benefiz-Einsatz mit Wilfried Schmickler bei der Eröffnung des Rewe im früheren Bauhaus-Markt am Barbarossaplatz übernommen; auch in der dm-Drogerie von Widdersdorf hat er schon mal kassiert. Vor der Arbeit hat er Respekt - es sei ein mitunter stressiger Job, der Konzentration erfordert und bei dem man sich permanent auf Mitmenschen einstellen muss. "Es ist etwas schwer, die Plu-Nummern im Kopf zu halten." Dies sind die Zahlencodes im Kassensystem für lose Waren ohne Barcode - vom Brötchen bis zur Salatgurke. "Aber die von Zucchini kenne ich jetzt, es ist die 260." Laut Rhiel habe man als Kassierer die Kürzel in der Regel binnen zwei bis drei Wochen drauf - ob mit oder ohne Behinderung.

Am heutigen Donnerstag ab 12 Uhr gibt es im Markt eine Bastelaktion für Kinder und eine Tombola, am Freitag eine Obstverkostung. Zudem ist mit Unterstützung des Niehler Bürgervereins eine Ausstellung mit historischen Alt-Niehler Ansichten im Laden zu sehen.

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