Jubeln verboten: Die schwierige Corona-Saison der Skispringer

SID
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Die Skisprung-Saison geht los und so wie alle Sportarten muss sie mit der Corona-Pandemie klarkommen. Durch die Konzepte gibt es einen etwas anderen Winter.

Leere Ränge bis zur Tournee, Siegerehrungen auf Sparflamme, Reisen nur in der Blase: Für Markus Eisenbichler und die DSV-Adler wird der am Wochenende beginnende "Mammut-Winter" ein besonders rauher, sogar das Jubeln ist den Skispringern untersagt.

Was bitter ist, denn gerade Dreifach-Weltmeister Eisenbichler hat viel vor, zuletzt war er in Top-Form. Aber: "Emotionale Ausbrüche wird es trotzdem geben", sagt der Bayer hoffnungsfroh. Notfalls eben alleine.

Denn das Hygienekonzept ist strikt: "Auf Jubelrituale wie Handshakes oder Umarmungen muss verzichtet werden", heißt es unter Punkt 5.2.12. der Leitlinien des Deutschen Skiverbandes. Und etwas weiter: "Die Übergabe von Preisen findet nur desinfiziert auf Kissen/Tabletts und mit Handschuhen statt."

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Skispringen vor Zuschauern in Oberstdorf?

Nach Spaß klingt das nicht, doch genau den will sich das Team von Bundestrainer Stefan Horngacher nicht verderben lassen. Denn Eisenbichler, Karl Geiger, Andreas Wellinger und Co. sind froh, dass in schwierigen Zeiten überhaupt gesprungen wird. Auch wenn vor dem Auftakt im polnischen Wisla viele Fragen offen sind. Immerhin: Bislang wurde nur der Weltcup Anfang Februar im japanischen Sapporo gestrichen. Alle übrigen Termine stehen - noch - im Kalender.

Das könnte sich indes noch ändern, wie FIS-Marketingchef Jürg Capol beim erstmals digital durchgeführten Forum Nordicum erklärte. Allen voran den für Februar geplanten Olympia-Tests in Peking droht die Absage. An den drei Highlights soll indes nicht gerüttelt werden: Die Skiflug-WM in Planica (11. bis 13. Dezember), die Tournee rund um den Jahreswechsel und vor allem die Nordische Ski-WM in Oberstdorf (23. Februar bis 7. März) sind derzeit unantastbar.

Zumindest an Geister-Springen werden sich die Teams aber gewöhnen müssen. In Wisla, Kuusamo, Nischni Tagil und Engelberg sind schon jetzt keine Zuschauer zugelassen. Der erste Weltcup mit zumindest einer Handvoll Fans könnte der Auftakt der Vierschanzentournee am 29. Dezember in Oberstdorf werden. Auch das ist aber noch nicht sicher. Um Infektionen zu vermeiden, werden zudem alle Teams zumindest zu Beginn des Saison in einem Charterflieger von Ort zu Ort reisen.

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Horngacher: "Dann mache ich eben die Faust"

Diese "Bubble" soll Infektionen verhindern, auch wenn Nationen wie Russland lieber ein Modell wie im Biathlon gesehen hätten, wo die Teams über mehrere Wochenenden an einem Ort bleiben. Horngacher setzt dennoch auf das bestehende Konzept. "Wenn man normal nachdenkt, sagt man: Das ist eigentlich Blödsinn", so der Bundestrainer: "Aber die Tests finden zuhause vor der Anreise statt und nochmal vor Ort. Dadurch denke ich, dass man in der 'Blase' an der Schanze sicher unterwegs ist. Die neue Situation wird am Anfang komisch sein, aber wenn sich das eingespielt hat, sollte es kein Problem mehr sein."

An der Vorfreude ändert Corona ohnehin nichts. "Natürlich hätte ich gerne Zuschauer da. Speziell Oberstdorf ist wie ein Fußballstadion", sagt der Bayer: "Aber wir sind in der glücklichen Position, dass wir eine Sportart betreiben, die am Fernseher gut verfolgt werden kann." Und das Jubeln komplett verbieten lassen werde er sich ohnehin nicht: "Dann mache ich eben die Faust."