JP Morgan schlägt bei Fintech zu

Der Bankriese kauft eine Softwarefirma, die vor allem das Geschäft mit kleinen Unternehmen erleichtern soll. Analysten nennen den Kauf „sinnvoll“ - und rechnen mit weiteren ähnlichen Käufen.


JP Morgan hat die Übernahme der Softwarefirma Wepay bekannt gegeben. Damit will die größte US-Bank rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren. „Software-Unternehmen werden in der Lage sein, sofort kleine Unternehmenskunden anzuschließen, egal, wie sie Zahlungen entgegennehmen“, heißt es. Wepay, 2008 im Silicon Valley gegründet, bietet also eine Art Brückentechnik an. Hintergrund der Transaktion dürfte sein, dass der traditionelle Zahlungsverkehr in den USA zum Teil archaisch strukturiert ist, es werden sogar noch Schecks eingesetzt.

Über den Preis ist nichts bekannt. Laut „Wall Street Journal“ ist Wepay, nach einer Finanzierungsrunde von 2015 kalkuliert, rund 220 Millionen Dollar wert. Daher gilt der Erwerb als erste größere Investition der Bank im Fintech-Bereich.
Die Analysten von Keefe, Bryuette & Woods (KBW) nennen den Kauf „sinnvoll“ und vergleichen ihn mit dem Erwerb der Zahlungstechnology von MCX vor einigen Monaten, die der Stärkung des bankeigenen mobilen Systems „Chase Pay“ diente. Die Analysten rechnen mit weiteren ähnlichen Käufen in Fällen, wo ein Erwerb günstiger kommt, als die Technik intern zu entwickeln.


Im Mai hatte die Bank zudem die Zusammenarbeit mit Z-Cash angekündigt. Z-Cash basiert ähnlich wie Bitcoins auf einer so genannten Blockchain, einer dezentralen elektronischen Buchhaltung. Während bei Bitcoins jede Transaktion öffentlich einsehbar ist, wenn auch meist unter Decknamen-Adressen, bietet Z-Cash mehr Anonymität. Die Bank will die Z-Cash-Technik daher in eine hauseigene Blockchain integrieren, die den Kunden, etwa für Wertpapiergeschäfte, angeboten wird.
Über Bitcoins hatte sich JP-Morgan-Chef Jamie Dimon vor einigen Wochen sehr ablehnend geäußert und damit viel Kritik geerntet. Anschließend versprach er, über das Thema den Mund zu halten, hat sich aber nur einen Tag lang daran gehalten.