Journalistin Tolu nach Freilassung auf Polizeiwache in Istanbul festgehalten

Die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu wird kurz nach ihrer Freilassung aus einem Istanbuler Gefängnis auf einer Polizeiwache festgehalten. Grund seien offenbar zwei widersprüchliche Anweisungen, da neben dem gerichtlich verhängten Ausreiseverbot gleichzeitig auch eine Abschiebeanweisung nach Deutschland vorliege, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete und Prozessbeobachterin Heike Hänsel der Nachrichtenagentur AFP am Montagabend.

Der deutsche Botschafter Martin Erdmann und Tolus Anwälte seien vor Ort und hätten den Gerichtsbeschluss angefordert, um die Lage zu klären. Unmittelbar nach ihrer Freilassung sei Tolu mit einem Polizeiwagen auf die Wache in Istanbul gebracht worden, sagte Hänsel.

Ein Gericht in Istanbul hatte am Mittag nach Angaben von Tolus Anwälten sowie des Auswärtigen Amts in Berlin die Entlassung der 33-jährigen deutschen Staatsbürgerin mit türkischen Wurzeln aus der Untersuchungshaft angeordnet. Sie komme aber nur unter Auflagen frei: Sie müsse sich wöchentlich bei den Behörden melden und dürfe das Land nicht verlassen, hatte Hänsel mitgeteilt.

Das Gericht folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft. Tolu war "Terrorpropaganda" vorgeworfen worden. Auch fünf weitere Beschuldigte in demselben Verfahren kamen frei.