Journalistin bei Hart aber fair: „Vielen Amerikanern ist Europa vollkommen egal“

Bettina Gaus erklärte Frank Plasberg, warum Donald Trump so erfolgreich ist. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

In Deutschland ist Donald Trump nicht wohlgelitten. Mit seinen rüpelhaften Auftritten und seiner unberechenbaren Politik ist der ehemalige Immobilienunternehmer vielen Menschen hierzulande ein Dorn im Auge. Kein Wunder, dass deutsche Talkshow-Macher eit der Amtseinführung des Republikaners im Wochentakt über ihn diskutieren.

In der letzten „Hart aber fair“-Sendung vor der Sommerpause stellte Frank Plasberg die Frage: „Trumps neue Welt: Wild-West statt freier Westen?“ Konkret wollte der Moderator von seinen Gästen wissen, ob die USA noch Anführer der freien Welt seien oder ob diese Rolle in Zukunft nicht vielmehr einem liberalen Land wie Deutschland unter Angela Merkel zufalle.

Doch bereits nach zehn Minuten diskutierte man kaum noch über den „freien Westen“, sondern nur noch über Donald Trump, die US-Politik und Amerika generell. Das Bedürfnis, über die USA zu sprechen, war offensichtlich größer, als über Machtverschiebungen in der Internationalen Politik zu sprechen. Trump-Land bereitet den Deutschen auch im fünften Monat seines Bestehens Sorgen.

Ralph Freund findet Trumps Politik gut, dessen Stil dagegen nicht so sehr. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Warum das so ist, brachte Ralph Freund, Vizepräsident der „Republicans Overseas Germany“, auf den Punkt: Donald Trump würde als erster US-Präsident die Sorgen der Amerikaner vor der Kamera formulieren, während seine Vorgänger dies eher in Hinterzimmern getan hätten. Daran müssten sich viele Menschen, vor allem in Europa und Deutschland, noch gewöhnen, so der CDU-Mann.
Freund, der bei öffentlichen Auftritten die Rolle des Trump-Verteidigers übernimmt, wird schließlich von Plasberg gefragt, ob er den US-Präsidenten denn wirklich gut finde. Seine Antwort:
„Man muss ein bisschen trennen zwischen der Politik von Donald Trump und seinem Sozialverhalten.“ Aber: Seine Politik sei derzeit die richtige für Amerika.

Gewinnbringend waren insbesondere die Äußerungen von taz-Journalistin und Amerika-Kennerin Bettina Gaus. Sie habe unlängst bei Reisen durch die USA mit etlichen Angehörigen der gebildeten Mittelschicht gesprochen und war erstaunt, wie deren Meinung zur alten Welt ist. „Europa ist uns vollkommen egal“, zitiert Gaus die Haltung ihrer Gesprächspartner.

Über das eigentliche Thema wurde bei „Hart aber fair“ nicht so richtig diskutiert. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Europa hätte stets von den USA profitiert, diese aber nicht von Europa. Und in der Tat: Während US-Truppen geholfen haben, Deutschland vom Nazi-Regime zu befreien und mit dem Marshall-Plan finanziell der Wiederaufbau des zerstörten Kontinents unterstützt wurde, sind die Beiträge Deutschlands für die USA praktisch nicht existent. Wenn man Gaus‘ Erläuterungen folgt, dann haben viele US-Amerikaner von dieser einseitigen Beziehung offenbar die Nase voll.

Und noch einen interessanten Umstand hat Gaus zu berichten: In der Sendung ging es auch um die Nachwahlen in den USA, aus denen die Republikaner wider Erwarten als klare Sieger hervorgingen. Wie das sein könne? Gaus: Die Demokraten hätten die Mitte der USA zu lange ignoriert. Die Journalistin zitiert einen ihrer amerikanischen Gesprächspartner: „Sie können von Florida bis Idaho fahren, ohne auf einen demokratischen Bürgermeister zu treffen.“

Fazit: Amerika ist fest in Trump-Hand, die Demokraten haben dem nichts entgegenzusetzen und in Europa ist man immer noch damit beschäftigt, die neue Situation zu deuten.

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