IndyCar: Newgarden holt sich Titel

Penske-Pilot Josef Newgarden fixierte in seinem 100. IndyCar-Rennen den Titel


Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) hat sich am Sonntag den IndyCar-Titel 2017 gesichert. Beim Saisonfinale, dem doppelt bepunkteten GoPro Grand Prix von Sonoma auf dem Sonoma Raceway in Kalifornien, kam Newgarden hinter seinem siegreichen Penske-Teamkollegen Simon Pagenaud ins Ziel.

Dieses Ergebnis reichte Newgarden zum ersten Titel seiner IndyCar-Karriere, während Pagenaud sein zweiter Saisonsieg nicht zur erfolgreichen Verteidigung seines 2016 errungenen Titels reichte. Den Vizetitel aber hat sich der Franzose im letzten Moment noch geholt. Von Champion Newgarden trennen Pagenaud unterm Strich 13 Punkte.

Das 85-Runden-Rennen auf der kalifornischen Berg-und-Talbahn Sonoma lief komplett ohne Gelbphasen ab. Die fünf aussichtsreichsten Titelkandidaten schlossen das Rennen allesamt in den Top 5 ab, denn hinter Pagenaud und Newgarden kamen deren Penske-Teamkollegen Will Power und Helio Castroneves auf den Plätzen drei und fünf ins Ziel. Eingerahmt wurde dieses Duo von Scott Dixon (Ganassi-Honda) auf Platz vier.

Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda), der als sechster Titelkandidat mit denkbar winzigen Chancen auf den Titel angetreten war, musste schon früh im Rennen mit technischen Problemen die Box aufsuchen. Der Sieger von vor zwei Wochen in Watkins Glen verlor dabei 25 Runden und endgültig alle Chancen auf die Sensation.

Newgarden fixiert ersten Titel im 100. Rennen

Für den neuen Champion Josef Newgarden kam der 1. Titelgewinn seiner IndyCar-Karriere passenderweise bei seinem 100. Rennen zustande. "Das ist einfach großartig. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", so der Meisterjubel des 26-Jährigen aus Hendersonville, Tennessee.

Newgarden ist erst im vergangenen Winter zum Team Penske gestoßen und hat den #2 Penske-Chevrolet von Juan Pablo Montoya übernommen. Im Gegensatz zum erfahrenen Kolumbianer hat es der US-Youngster geschafft, dieses Auto zum IndyCar-Titel zu fahren.

Start: Newgarden führt Penske-Quartett an

Beim Start des Rennens verteidigte Polesitter und Tabellenführer Josef Newgarden die Führung vor seinen drei ebenfalls um den Titel kämpfenden Penske-Teamkollegen Will Power, Simon Pagenaud und Helio Castroneves. Doch Castroneves kam schon nach wenigen Kurven an Pagenaud vorbei.

Im Mittelfeld flog James Hinchcliffe (Schmidt-Honda) ab. Wenige Sekunden später fing sich Tony Kanaan (Ganassi-Honda) bei einer Kollision einen Platten ein und musste direkt die Box aufsuchen. Damit hatte Ganassi-Speerspitze und Titelkandidat Scott Dixon, der mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Newgarden ins Rennen ging, im Showdown Penske vs. Ganassi schon früh keine echte Schützenhilfe mehr durch seinen Teamkollegen.

Pagenaud stoppt sich in Führung

Während auch Takuma Sato (Andretti-Honda) früh einen Reifenschaden erlitt, kontrollierte Spitzenreiter Newgarden das Rennen in der Anfangsphase. Sein auf Rang drei liegender Penske-Teamkollege Pagenaud eröffnete in Runde elf den Reigen der Green-Flag-Stops. Spitzenreiter Newgarden und die Verfolger Power und Castroneves kamen geschlossen in Runde 17 zum Service. Pagenaud war aufgrund seines vorgezogenen Stopps der Profiteur.

Denn nach dem ersten Durchgang der Boxenstopps lautete die Reihenfolge in Reihen der Titelkandidaten: Pagenaud, Newgarden, Power, Castroneves und Dixon. Vor ihnen fuhr bis Runde 21 noch Conor Daly (Foyt-Chevrolet), der seinen ersten Boxenstopp lange hinaus zögerte und so zu ein paar Führungsrunden kam.

Doppelte Schrecksekunde für Pagenaud

In Runde 30 legte Spitzenreiter Pagenaud seinen zweiten Boxenstopp ein. Diesmal dauerte es länger, bis die anderen Titelrivalen nachzogen. Castroneves und Dixon kamen in Runde 39 an die Box. Newgarden und Power kamen eine Runde später im 40. Umlauf. Damit war klar, dass Pagenaud das 85-Runden-Rennen mit einer Vier-Stopp-Strategie plante, während seine drei Penske-Teamkollegen und auch Ganassi-Pilot Dixon mit drei Stopps über die Distanz kommen wollten.

Nach demb zweiten Durchgang Boxenstopps lautete die Reihenfolge in Reihen der Titelkandidaten abermals Pagenaud, Newgarden, Power, Castroneves und Dixon. In Runde 47 jedoch erlebte Spitzenreiter Pagenaud eine Schrecksekunde, als er in der Schikane gegenüber von Start/Ziel von der Piste abkam. Der Franzose rodelte mit seinem #1 Penske-Chevrolet durch den Dreck. In der darauffolgenden Runde passierte ihm dieses Malheur gleich noch einmal. Doch auch diesmal ging die Führung nicht verloren.

Unterschiedliche Strategien im Titelkampf

Nach dem doppelten Ausritt bog Pagenaud am Ende von Runde 48 zum dritten und somit vorletzten Boxenstopp ab. Anders als bei den vorangegangenen Stopps reihte sich der Vorjahreschampion diesmal weiter vorn wieder ein. Noch bevor Spitzenreiter Newgarden seinerseits zum dreitten Stopp an die Box kam, hatte Pagenaud dessen Heck erreicht. Vorbei kam er auf der Strecke aber nicht.

Dixon kam in Runde 61 an die Box. Spitzenreiter Newgarden und auch Castroneves stoppten in Runde 62. Power zog in Runde 63 nach. Für all diese Fahrer sollte es der letzte Boxenstopp sein, während der nun wieder in Führung liegende Pagenaud aufgrund seiner Vier-Stopp-Stragie noch einen Boxenstopp vor sich hatte. Dieser letzte Stopp erfolgte bereits in Runde 64 und diesmal war Pagenaud auch nach seinem Stopp noch der Spitzenreiter. Newgarden allerdings saß ihm direkt im Nacken.

Sieg und Vizetitel für Pagenaud

Während sich Pagenaud noch auf seiner Out-Lap befand und entsprechend wenig Reifentemperatur hatte, probierte Newgarden in Kurve 7 die Attacke. Er zog in der engen Rechts innen neben Pagenaud. Seite an Seite ging es in Richtung Esses. Dort aber behielt Newgarden kühlen Kopf und steckte zurück. Er wusste, dass ihm auch ein zweiter Platz hinter Pagenaud zum Titel reichen würde. Genauso kam es nach 85 Runden dann auch.

Der entthronte Titelverteidiger Pagenaud gewann mit einer Sekunde Vorsprung auf den neuen Champion Newgarden und hat damit beim letzten Saisonrennen zumindest noch den Vizetitel geholt. Power, der Champion von 2014, belegte im Rennen einen sicheren dritten Platz vor dem viermaligen Champion Dixon, der in der Gesamtwertung auf Rang drei hinter Pagenaud abgerutscht ist.

War's das für Castroneves?

Castroneves schloss das Rennen auf Platz fünf und die Meisterschaft auf Rang vier vor Power ab. Castroneves wartet somit weiter auf einen IndyCar-Titel und weiß noch nicht, ob er überhaupt eine weitere Chance bekommen wird.

Grund: Für 2018 wird der seit 1998 in der IndyCar-Szene fahrende "Spiderman" mit dem neuen Sportwagen-Programm von Penske in der IMSA in Verbindung gebracht, für das Juan Pablo Montoya bereits gesetzt ist. Allerdings ist auch ein Verbleib Castroneves' im IndyCar-Programm noch nicht komplett vom Tisch.

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