Dieser Jordan-Deal hätte die NBA für immer verändert

Tobias Wiltschek
·Lesedauer: 3 Min.
Dieser Jordan-Deal hätte die NBA für immer verändert
Dieser Jordan-Deal hätte die NBA für immer verändert

Wer Michael Jordan noch hat spielen sehen, wird sich vor allem an die Duelle seiner Chicago Bulls mit den New York Knicks erinnern. (NEWS: Alles zur NBA)

Die Serien in den NBA-Playoffs der 1990er Jahre waren dermaßen von Härte, Spektakel und Dramatik geprägt, dass sie längst einen exponierten Platz in den Geschichtsbüchern des Basketballs gefunden haben.

Fünfmal traf Jordan mit den Bulls auf die Knickerbockers aus Manhattan um deren Superstar Patrick Ewing. Und so sehr es die Knicks auch probierten, gewinnen konnten sie keine einzige Serie. Am Ende war es immer wieder "His Airness", der sein Team triumphieren ließ. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

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Bulls: Größter Erfolg gegen Knicks nicht auf Court

Den größten Sieg aber sollten die Bulls nicht auf dem Court, sondern abseits davon feiern – an den Verhandlungstischen und den Telefongeräten. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Denn wie ein Inside-Report von ESPN jüngst verdeutlichte, standen die Knicks kurz davor, Michael Jordan den Bulls abspenstig zu mache

Es war 1996, das Jahr des ersten Jordan-Comebacks, das Jahr, in dem er die Knicks wieder einmal aus den Playoffs warf - und das Jahr, nach dem er zum ersten Mal Unrestricted Free Agent wurde, sich sein Team also frei auswählen durfte.

Diese Tatsache rief damals die Knicks auf den Plan. Sie klügelten einen cleveren, aber riskanten Plan aus, um den größten Basketballer aller Zeiten in den Big Apple zu locken.

Vorzeichen für Jordan-Trade günstig

Die Vorzeichen standen günstig. Mit dem Triumph 1996 hatte es Jordan sich und der Welt einmal mehr bewiesen, dass der NBA-Titel nur über ihn und die Bulls gehen könne.

Was sollte er in Chicago noch mehr erreichen? Zumal auch die Zukunft von Trainer Phil Jackson und Rebound-König Dennis Rodman in den Sternen stand.

Wie sehr sich die Knicks um Jordan bemüht hatten, verriet Dave Checketts im ESPN-Report.

"Nach der Saison haben wir finanziell sehr viel Platz geschaffen, und in New York war die Vorfreude schon riesig auf das, was wir mit dem übrigen Geld anfangen konnten. Wir hatten einen Plan", sagte der damalige Geschäftsführer des Madison Square Guardens.

Knicks wollten Jordan mit allen Mitteln

Bis zu 12 Millionen Dollar hätte man Jordan pro Jahr zahlen können, ohne den Salary-Cup über die Maße zu belasten.

Dass dies nicht reichen sollte, war dem Interessenten aber auch klar. Schließlich war Jordan noch etwas mehr wert als Knicks-Legende Ewing, der 18 Millionen im Jahr einstrich.

Und so kamen die Knicks auf eine ganz besondere Idee. Wie Sam Smith, Jordan-Intimus und Autor für die Chicago Tribune, offenbarte, sollte ein Werbe-Deal Jordan weitere 15 Millionen-Dollar einbringen. "Der Kabel-TV-Anbieter ITT, der die Knicks und die Sheraton Hotels besaß, war das Gefäß, in das der Deal gegossen werden sollte", verriet Smith.

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Der Kabel-Anbieter sollte Jordan also die 15 Millionen Euro zahlen, damit er das Werbegesicht der Hotelkette werden würde. Der Plan dahinter: Dieses Geld würde offiziell nicht den Salary Cap betreffen. Mit den offiziellen zwölf Millionen wäre das Gesamtgehalt dann auf 27 Millionen Dollar angestiegen.

Doch die Knicks hatten die Rechnung ohne die NBA und die Bulls gemacht.

Knicks-Plan verstieß gegen NBA-Tarifvertrag

"Dieser Plan wäre laut NBA-Tarifvertrag eine illegale Umgehung der Gehaltsobergrenze gewesen, die jede Vereinbarung verbietet, bei der 'Basketball-Leistungen' über einen Sponsor, Geschäftspartner oder eine dritte Partei bezahlt werden", betonte Smith.

Und auch die Bulls hatten noch einen Pfeil im Köcher. Sie konnten den Forderungen von Jordans Berater David Falk nachkommen, auch wenn sie damit an ihre Schmerzgrenze gegangen waren.

Schließlich wurde am 12. Juli 1996 bekannt, dass Jordan für die darauffolgende Saison einen Vertrag über 30,14 Millionen Dollar bei den Bulls unterschrieben hat. So viel hatte damals noch nie ein NBA-Spieler für ein einziges Jahr erhalten.

Der Rest ist Geschichte: Die Bulls gewannen mit Jordan noch zweimal den Titel – und die Knicks warten nun schon seit 48 Jahren auf eine Meisterschaft in der NBA.