Joko Winterscheidt: "Ich bin ein riesiger Minions-Fan"

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Joko Winterscheidt leiht in "Ich - Einfach unverbesserlich 3" dem Bösewicht seine Stimme - obwohl er Synchronsprechen "nicht so gerne" macht. Warum er aber dieses Mal unbedingt dabei sein wollte, verrät er im Interview.

Joko Winterscheidt (38) kennen viele als einen Teil des TV-Duos Joko und Klaas mit Klaas Heufer-Umlauf (33). Im neuen Animationsabenteuer "Ich - Einfach unverbesserlich 3" ist er solo unterwegs. Der Moderator ist ab dem 6. Juli als Bösewicht Balthazar Bratt in den deutschen Kinos zu hören. Warum er bei diesem Projekt unbedingt dabei sein wollte, vor welchen Bösewichten er sich in seiner Kindheit gefürchtet hat und ob er in der zweiten Staffel "You Are Wanted", der Serie von Kumpel Matthias Schweighöfer (36), dabei sein wird, hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten.

Herr Winterscheidt, Sie haben sich relativ lange Zeit gelassen, um wieder als Synchronsprecher zu arbeiten. Woran lag das?

Joko Winterscheidt: Ich mache das nicht so gerne. Ich bin ein Bauchmensch. Synchronsprechen ist unfassbare Präzisionsarbeit. Die Lippen müssen synchron zum Gesprochenen sein und man muss genau das sagen, was vorgegeben ist. Ich bin eher jemand, der das ungefähr wiedergegeben würde. Aber das geht hier nicht. Und das macht mich immer wahnsinnig. Da bin ich der falsche Typ dafür. Bisher habe ich das nur gemacht, um jemandem einen Gefallen zu tun. Dieser jemand war meistens Klaas, also haben wir es zusammen gemacht. Ich habe mich aber immer durchgequält und mir geschworen, es nicht mehr zu machen, was er akzeptiert hat.

Wie kam es zu Ihrem Sinneswandel?

Joko Winterscheidt: Bei diesem Projekt konnte ich nicht nein sagen. Ich liebe die Filme, ungelogen. Ich finde die mega. Ich bin ein riesiger Minions-Fan. Auch Gru finde ich super als Charakter und die ganze Detailverliebtheit. Es war allerdings Zufall, dass es geklappt hat. Eine Dame von Universal hat darauf bestanden, dass bei mir angefragt wird, obwohl ich zuletzt andere Projekte abgelehnt hatte. Aber bei diesen Filmen sitze ich davor und ärgere mich, dass ich nicht dabei bin. Ich fand im ersten Teil Jan Delay als Bösewicht Vector so gut. Umso mehr freue ich mich, dass ich Bösewicht Balthazar Bratt mit Leben befüllen darf.

Wie lief es nach all der Zeit im Synchronstudio?

Joko Winterscheidt: Es war gut, aber anstrengend.

Waren Sie nervös vor den Aufnahmen?

Joko Winterscheidt: Nervös war ich nicht, aber ich bin sehr ungeduldig. Ich bin nicht so der akribische Arbeiter, sondern leg' einfach drauf los, wodurch dann Fehler entstehen. Ich finde, das gehört dazu, aber das geht beim Synchronsprechen eben nicht. Ich hatte gehofft, nicht zu verzweifeln und das hat geklappt. Es gab sogar Phasen, da hat es so großen Spaß gemacht, dass ich vergessen habe, dass ich es eigentlich nicht gerne mache.

Würden Sie beim Synchronsprechen für einen Hollywood-Star eine Ausnahme machen?

Joko Winterscheidt: Ich bin Fan von den Stimmen von Bruce Willis und Tom Hanks. Aber es gibt wenige Synchronstimmen, die man noch klar zuordnen kann. In meiner Generation schaut man sich viele Filme im Original an. Ich würde niemandem meine Stimme leihen wollen. Und ich glaube auch nicht, dass ein Hollywood-Star sich denken würde: 'Gott sei Dank habe ich den Winterscheidt bekommen'.

Ein Vorteil am Synchronisieren ist, dass Sie nicht vor die Kamera müssen, das heißt keine Maske und Schlabberlook wäre möglich. Oder sind Sie ein eitler Mensch?

Joko Winterscheidt: Das kommt bei mir auf die Tagesform an. Es gibt Tage, da lege ich Wert darauf, wie ich herumlaufe, und es gibt Tage, da ist das nicht der Fall. Ich liebe Jogginghosen. Wenn ich abends nach Hause komme, ziehe ich sofort eine Jogginghose an. Ich glaube aber, dass hat mit dem Alter zu tun. Früher ist man noch in Jeans auf dem Bett eingeschlafen und hat sich vor dem Schlafengehen nicht mal die Zähne geputzt. Das muss heute schon sein.

Ihre Figur Balthazar Bratt ist herrlich absurd.

Joko Winterscheidt: Der Charakter ist tatsächlich absurd, das stimmt. Und ein bisschen in den 80ies hängen geblieben.

Hat Sie das an der Figur gereizt, oder wollten Sie der Bösewicht sein?

Joko Winterscheidt: Es ging mir nicht um das Böse. Ich finde, diese bösen Gegenspieler von Gru sind immer absurde, fantasievolle und total durchgeknallte Typen. Balthazar Bratt ist ein Freak. Er ist verloren in seiner eigenen Geschichte. Der ist so ein Vogel. Ein guter, wilder, bekloppter Charakter, zu dem man gerne noch selbst etwas beisteuert.

Gibt es einen Bösewicht, vor dem Sie sich in Ihrer Kindheit gefürchtet haben?

Joko Winterscheidt: In meiner Kindheit hatte ich tatsächlich Angst vor 'Masters of the Universe'. Die Figur Skeletor fand ich ganz schrecklich. Das war ein Skelett mit einem Umhang. He-Man fand ich super, Skeletor fand ich richtig, richtig schlimm. Da hatte ich Schiss und den fand ich auch als Figur ekelig.

Würden Sie gerne mal wieder als Schauspieler vor der Kamera stehen?

Joko Winterscheidt: Ja, aber der einzige, der mir Rollen gibt, ist Matthias Schweighöfer. Er hat das nur einmal gemacht und seine Lehren daraus gezogen. Ich glaube also, das ist kein Thema.

Sie könnten zum Beispiel in der zweiten Staffel von "You Are Wanted" mitmachen.

Joko Winterscheidt: Ja sicher, aber Matthias ist ja schon der Hauptdarsteller. Wenn überhaupt, würde ich nur Hollywood-Filme machen. Ganz bodenständig und bescheiden. Nein, es gibt absurderweise keine Angebote. Früher dachte ich, sobald man in der Öffentlichkeit steht, würden einem die Rollen nur so zufliegen. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Den Grund dafür muss man wahrscheinlich bei sich selbst suchen und es würde bei mir wohl an mangelndem Talent liegen.

Foto(s): Viktor Strasse / Universal Pictures