Immer mehr Länder Europas verhängen neuen Corona-Lockdown

Joe JACKSON
·Lesedauer: 3 Min.
Premier Johnson kündigte einen zweiten Lockdown an.

Immer mehr Länder Europas verhängen neuen Corona-Lockdown

Premier Johnson kündigte einen zweiten Lockdown an.

Angesichts der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen fahren immer mehr europäische Staaten das öffentliche Leben erneut herunter. Der britische Premierminister Boris Johnson verkündete am Samstag einen zweiten Lockdown in England, der vier Wochen dauern soll. Bereits einen Tag später warnte sein Staatssekretär jedoch vor einer möglichen Verlängerung. In Österreich gilt ab Dienstag eine nächtliche Ausgangssperre, Portugal und Griechenland verhängten ebenfalls Teil-Lockdowns. Die Slowakei begann derweil mit flächendeckenden Corona-Tests der gesamten Bevölkerung.

"Jetzt ist die Zeit zum Handeln, weil es keine Alternative gibt", sagte der britische Premier Johnson. Das Coronavirus verbreite sich "noch schneller als im schlimmsten Szenario der wissenschaftlichen Berater". Unmittelbar vor der Bekanntgabe des erneuten Lockdowns hatte die Zahl der Corona-Infektionsfälle in Großbritannien die Schwelle von einer Million überschritten, nachdem fast 22.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet worden waren.

Der Lockdown in England beginnt am Donnerstag und ist befristet bis zum 2. Dezember. Die Schulen sollen geöffnet bleiben. Geschäfte der Grundversorgung dürfen öffnen, die Bevölkerung soll abgesehen vom Gang zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt zu Hause bleiben. 

Johnsons Staatssekretär Michael Gove warnte jedoch bereits am Sonntag, dass der Lockdown auch länger als vier Wochen dauern könnte. Gelinge es nicht, die Ansteckungsraten zu senken, werde die Regierung die strengen Maßnahmen aufrechterhalten, sagte er dem Sender Sky News.

Großbritannien hat mit mehr als 46.000 Todesfällen die höchste Zahl an Corona-Toten in Europa zu beklagen. Wie aus Dokumenten der wissenschaftlichen Beratergruppe der Regierung für Notfälle (Sage) hervorgeht, könnte die Zahl der Infizierten und Krankenhauseinweisungen demnächst die Berechnungen für den schlimmsten Fall übertreffen. Das im Juli ausgearbeitete Worst-Case-Szenario ging von weiteren 85.000 Todesfällen in einer zweiten Infektionswelle im Winter aus.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verkündete einen erneuten Lockdown bis Ende November. Betroffen sind wie in Deutschland Gastronomie, Kultur- und Sportstätten. Der Einzelhandel darf offen bleiben, ebenso Kindergärten und Schulen. Oberstufenschüler und Studenten müssen jedoch auf Fernunterricht ausweichen. Zudem gilt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20.00 und 06.00 Uhr.

Auch in Griechenland gilt ab Dienstag ein Teil-Lockdown mit einer Schließung von Restaurants, Cafés, Museen und Kinos. In Portugal tritt am Mittwoch ein Teil-Lockdown in Kraft, der für rund drei Viertel der Bevölkerung gilt. In den betroffenen Kommunen sollen sich die Bürger in ihre Wohnungen zurückziehen, sie dürfen aber zur Arbeit gehen, wenn Homeoffice nicht möglich ist, und ihre Kinder in die Schule bringen. Geschäfte müssen spätestens um 22.00 Uhr schließen

Tschechien verlängerte den Corona-bedingten Ausnahmezustand bis zum 20. November.

Einen Sonderweg geht die Slowakei: Dort begannen am Samstag flächendeckende Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung. In etwa 5000 Testzentren im ganzen Land standen rund 45.000 medizinische Fachkräfte, Soldaten und Polizisten bereit, um alle Bürger ab zehn Jahren kostenlosen Schnelltests zu unterziehen. 

Ministerpräsident Igor Matovic erklärte, mit den Massentests könnten "hunderte Menschenleben" gerettet werden. Bei einem Erfolg sieht er sie zudem als Vorbild für andere Länder: Die ganze Welt werde das Experiment aufmerksam verfolgen. Die rund 5,4 Millionen Einwohner zählende Slowakei ist das erste Land dieser Größe, das seine gesamte Bevölkerung testet. 

In Spanien wächst derweil der Unmut über die Corona-Restriktionen. Dort lieferten sich Demonstranten am Wochenende gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei, es gab Verletzte und Festnahmen. In Italien hatte es bereits vergangene Woche ähnliche Proteste gegeben.

mkü/yb