Johnson fordert Trump zur Zurückhaltung im britischen Wahlkampf auf

LONDON (dpa-AFX) - Der britische Premierminister Boris Johnson hat US-Präsident Donald Trump vor Einmischung in den Wahlkampf in Großbritannien gewarnt. "Wir haben sehr enge Beziehungen und Freundschaften mit den Vereinigten Staaten auf allen Ebenen der Regierung, aber was wir als wertschätzende Alliierte und Partner traditionell nicht machen, ist uns in den Wahlkampf des jeweils anderen einzumischen", sagte Johnson in einem Radiointerview mit dem Sender LBC am Freitag. Der US-Präsident wird am Montagabend in London erwartet. Er nimmt dort wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Staats- und Regierungschefs am Nato-Gipfel am Dienstag und Mittwoch teil.

Erst vor wenigen Wochen hatte Trump sich per Telefoninterview bei LBC über den von Johnson nachverhandelten Brexit-Deal ausgelassen. "Wir wollen mit Großbritannien Handel treiben, und sie wollen mit uns handeln", sagte der US-Präsident. Doch "bestimmte Aspekte des Deals" würden das unmöglich machen. Geführt wurde das Trump-Interview vom Chef der britischen Brexit-Partei, Nigel Farage, der mit Johnson um die Stimmen der Befürworter eines EU-Austritts konkurriert und dessen Deal ablehnt. Johnsons Konservative liegen derzeit in den Umfragen für die Wahl am 12. Dezember weit vor der Labour-Partei - doch wegen des Mehrheitswahlrechts in dem Land sind die Ergebnisse sehr schwer vorherzusagen. Nur der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem Wahlkreis zieht ins Parlament ein. Die Stimmen für alle unterlegenen Kandidaten verfallen.

Befürchtet wird im Wahlkampfteam Johnsons wohl vor allem, dass sich Trump zum Nationalen Gesundheitsdienst NHS äußern könnte. Das marode Gesundheitswesen in Großbritannien ist nach dem Brexit das wichtigste Wahlkampfthema. Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei warnt seit langem vor einem Handelsabkommen mit den USA, das Johnson und Trump nach dem EU-Austritt aushandeln wollen. Glaubt man Corbyn, könnte der NHS dann teilweise privatisiert werden und an US-Firmen gehen. Er warnt auch vor höheren Preisen für Medikamente, sollten amerikanische Pharmakonzerne ihren Einfluss auf ein Handelsabkommen geltend machen. Johnson hingegen beteuert, der NHS werde bei den Verhandlungen keine Rolle spielen.