Johnny Depp verliert im Prozess um Vorwurf des "Ehefrauen-Schlägers"

James PHEBY
·Lesedauer: 3 Min.
Johnny Depp verliert Verleumdungsprozess
Johnny Depp verliert Verleumdungsprozess

Hollywoodstar Johnny Depp hat seinen Verleumdungsprozess gegen die britische Zeitung "The Sun" verloren: In dem Verfahren ging es um einen Artikel der "Sun" aus dem Jahr 2018, in dem es hieß, Depp habe seine Ex-Frau Amber Heard misshandelt - unter anderem wurde der Star darin als "Ehefrauen-Schläger" bezeichnet. Der Artikel sei "im Wesentlichen wahr" gewesen, befand am Montag Richter Andrew Nicol vom Londoner High Court. Depps Anwälte erwägen, in Berufung zu gehen.

In dem Artikel hatte Chefredakteur Dan Wootton die Schriftstellerin Joanne K. Rowling dafür kritisiert, dass sie dem "Ehefrauen-Schläger" Depp eine Rolle in der Filmreihe "Phantastische Tierwesen" gegeben habe. Er bezog sich auf Aussagen von Depps Ex-Frau Amber Heard, wonach sich der 57-Jährige ihr gegenüber mehrfach gewalttätig verhalten habe. Depp, der die Vorwürfe seiner Ex-Frau bestreitet, verklagte Wootton und den "Sun"-Verlag daraufhin wegen Verleumdung.

Nach den strikten britischen Gesetzen gegen Verleumdung lag die Beweislast bei der "Sun"; das Boulevardblatt musste vor Gericht also beweisen, dass die Vorwürfe gegen den "Fluch der Karibik"-Star den Tatsachen entsprechen. Deshalb ging es in dem Verfahren in allen Details um den Rosenkrieg zwischen Depp und seiner 34-jährigen Ex-Frau. 

Nicht zuletzt deshalb sorgte der dreiwöchige Prozess im Juli weltweit für Aufsehen. Beide Seiten warteten mit einer Reihe zutiefst peinlicher Enthüllungen auf. 

Heard sagte im Kreuzverhör, sie habe ihren Ex-Mann geliebt, doch unter Drogeneinfluss werde er zu einem "Monster" und neige zu extremer Gewalt. Manchmal habe sie Todesangst vor ihm gehabt.

Der 57-jährige Hollywoodstar wies die Vorwürfe zurück und warf wiederum seiner Ex-Frau vor, der "aggressive Teil" der konfliktreichen Beziehung gewesen zu sein. Unterstützung bekam er dabei von seinen Ex-Partnerinnen, der französischen Schauspielerin und Sängerin Vanessa Paradis und Hollywoodstar Winona Ryder. Beide beschrieben ihn als freundlich und nicht gewalttätig. 

Depp und seine Anwälte schilderten Heard als berechnend und soziopathisch. Die Schauspielerin mit einer diagnostizierten Borderline-Persönlichkeitsstörung wolle sein Leben zerstören, sagte der Schauspieler. In tagelangen Kreuzverhören räumte er gleichzeitig ein, unter Drogen- und Alkoholsucht gelitten zu haben. An einige Vorfälle konnte er sich demnach nur noch verschwommen erinnern, weil er unter Drogen gestanden hatte. 

Richter Nicol bescheinigte Depp, "die notwendigen Elemente seiner Verleumdungsklage nachgewiesen" zu haben. Nach sorgfältiger Abwägung der Aussagen sei er aber zu dem Schluss gekommen, dass zwölf der 14 vorgeworfenen Übergriffe tatsächlich geschehen seien. Er fügte hinzu, die Charakterisierung Heards durch Depps Anwälte könne er nicht akzeptieren.

Die "Sun" begrüßte das Urteil. Ein Sprecher versicherte, das Boulevardblatt setze sich seit "20 Jahren für die Opfer häuslicher Gewalt" ein. Diese Opfer dürften "niemals zum Schweigen gebracht" werden. Gleichzeitig dankte der Sprecher Amber Heard für ihren "Mut", vor Gericht auszusagen.

Heards Anwälte erklärten, das Urteil sei "keine Überraschung". Sie würden sich nun für "Gerechtigkeit" in einem anderen Prozess in den USA einsetzen, wo Depp eine Verleumdungsklage gegen seine Ex-Frau eingereicht hatte. 

Depp und Heard hatten sich 2011 bei den Dreharbeiten zum Film "The Rum Diary" kennengelernt und 2015 geheiratet. 2016 trennten sie sich wieder. Nach einem von einer Schlammschlacht begleiteten Scheidungsverfahren einigten sie sich schließlich 2017 außergerichtlich. Depp willigte in die Zahlung von sieben Millionen Dollar (6,2 Millionen Euro) ein, dafür ließ Heard eine Anzeige gegen ihn wegen häuslicher Gewalt fallen. Später spendete sie das Geld.

ans/isd