Johnny Depp und Amber Heard vor Gericht: Beide werfen sich gegenseitig Gewalt vor

Eigentlich hat Johnny Depp eine britische Zeitung aufgrund ihrer verleumderischen Berichterstattung über ihn vor Gericht gebracht. Doch der Prozess fördert nun weitere Details über die Beziehung zwischen ihm und seiner Ex-Frau Amber Heard zutage.

Amber Heard und Johnny Depp im Jahr 2016 auf dem internationalen Film-Festival in Palm Springs. (Foto: Jordan Strauss / Invision / AP)

Der US-amerikanische Schauspieler Johnny Depp hat die britische Boulevardzeitung The Sun und die dahinterstehende Verlagsgesellschaft News Group Newspapers für Verleumdung angeklagt, weil sie ihn einen „Frauenschläger“ („wife beater) genannt haben. Der entsprechende Artikel erschien im April 2018. Damals berichtete die Zeitung, dass Depp seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau Amber Heard, ebenfalls US-amerikanische Schauspielerin, körperlich misshandelt habe. Bezogen hat sich The Sun dabei auf öffentliche Aussagen Heards.

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In dem Gerichtsprozess, der seit Anfang des Monats in London ausgetragen wird, werden Depp, Heard und zahlreiche Mitarbeiter*innen und Zeug*innen zu der Beziehung befragt. Kennengelernt haben sich Depp und Heard im Jahr 2009 an einem Filmset. Im Februar 2015 heirateten sie, bereits ein Jahr später reichte Heard die Scheidung ein, die 2017 beschlossen wurde.

Amber Heard: Sie habe nur in Notwehr gehandelt

Depp hat bereits Anfang Juni acht Tage lang ausgesagt. Laut Washington Post, die das Verfahren detailliert verfolgt, habe er seine damalige Frau nie misshandelt oder geschlagen. Stattdessen sei er das Opfer von Misshandlungen Heards geworden, sie sei in der Vergangenheit immer wieder gewalttätig gegen ihn geworden, sie sei der „aggressive Teil“ in ihrer konfliktreichen Beziehung gewesen. Diese Version haben auch ehemalige und aktuelle Mitarbeiter*innen Depps vor Gericht bestätigt.

Seit zwei Tagen nun schildert Heard ihre Sicht auf die Beziehung und erzählt von angeblich gewalttätigen Übergriffen. Sie gab dabei auch zu, Depp im März 2015 geschlagen zu haben, allerdings infolge wiederholten Missbrauchs durch ihn und um ihre Schwester davor zu bewahren, von Depp eine Treppe hinabgestoßen zu werden. Heard sagte, sie habe immer nur aus Notwehr gehandelt.

Weiter gab sie zu Protokoll, dass Depp sie vielfach verbal und körperlich misshandelt habe, während er unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen stand. Sie habe wiederholt um ihr Leben gefürchtet. Dabei wies sie auch den Vorwurf zurück, selbst ein Alkohol- oder Drogenproblem zu haben.

Zeigt das Foto eine Verletzung?

Depps Anwältin Eleanor Laws hat Heard daraufhin vorgeworfen, sich ihre Geschichten nur auszudenken und ein „Netz aus Lügen“ zu weben. Darauf antwortete Heard vor Gericht: „Nach allem, was ich durchmachen musste, kann ich Ihnen sagen, dass ich neben anderen Vorfällen gewürgt, geschlagen und sexuell genötigt wurde.“ Manche Vorfälle seien so schlimm gewesen, dass sie Angst davor gehabt habe, Depp würde sie umbringen – absichtlich, oder „weil er die Kontrolle verliert und zu weit geht“.

Laws hat deshalb am Dienstag neben Videoaufzeichnungen auch ein Foto als Beweis vorgebracht. Es wurde am 21. März 2013 aufgenommen und zeigt Johnny Depp, Amber Heard, den Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards und Heards Schwester Whitney. Es wurde damit einen Tag nach einem angeblichen Übergriff Depps auf Heard aufgenommen, in dem er ein Smartphone nach ihr geworfen und sie an Wange und Auge getroffen habe. Wie die New York Post berichtet, fragte Laws dazu: „Stimmen Sie mit mir überein, dass auf dem Foto kein Zeichen einer Verletzung in Ihrem Gesicht zu sehen ist?“

Heard antwortete, sie wisse nicht, ob das Foto eine Verletzung zeige. Es könne aber sein, dass ihre Lippe darauf leicht angeschwollen sei. Darauf fragte die Anwältin, ob das Foto Heard zeige, bevor oder nachdem Depp angeblich übergriffig geworden sei. Heard sagte: „Wann genau wurde das Foto aufgenommen? Es gab viele solcher Vorfälle im März.“ Zudem habe sie Makeup getragen, wann immer sie das Haus verlassen habe, was eine Verletzung hätte verbergen können.

Heard wird voraussichtlich noch bis Donnerstag befragt. Insgesamt geht es dabei um 14 konkrete Vorwürfe von häuslicher Gewalt im Zeitraum zwischen 2013 und 2016, die sie vor Gericht vorgebracht hat.

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