Jogis A-Elf für Russland steht

Spaniens Sergio Ramos (l.) im Duell mit Thomas Müller. Foto: AFP

Die letzten beiden Weltmeister im Duell. Der Vergleich des aktuellen Titelverteidigers mit Spanien, dem Champion von 2010, endete in einem gerechten 1:1 der besseren Sorte. Ein Testspiel, das im Gegensatz zu manchen Freundschaftsspielen wirklich umkämpft und sehr gut anzuschauen war. Hohes Niveau, bestes Entertainment. Zwei Mannschaften, die den Ball haben wollen, die den Sieg haben wollen – und diesen Sommer zu den Favoriten bei der WM in Russland gehören.

Von Patrick Strasser, Düsseldorf

Bundestrainer Joachim Löw freute sich über ein „sehr, sehr gutes Spiel“, sah „sehr gute Aktionen im Spiel und eine gute Intensität“. Es sei ein „sehr, sehr guter Test“ gewesen. Für beide Mannschaften. Der sehr, sehr gute Spanien-Kick. Löw freut sich, wenn seine Mannen gefordert werden – wie in den Herbst-Tests gegen Frankreich (2:2) und in England (0:0). Es ist eben etwas anderes, als in der Qualifikation gegen San Marino, Aserbaidschan oder Norwegen Pflichtaufgaben zu erfüllen. „Wir haben hochklassigen Fußball gesehen“, fand auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff. Seine Erkenntnis: „Wir haben gesehen, wie stark die Spanier sind, wenn man sie spielen lässt. Ich bin froh, wie wir dagegengehalten haben. Es ist ein Zeichen für uns, dass es nicht nur Frankreich und Brasilien gibt, sondern auch Spanien.“ Womit er einen kurzen Schwenk zum Favoritenkreis der WM in Russland machte.

Müller krempelte die Ärmel hoch – und traf 

Auch Mats Hummels sprach die Probleme der DFB-Elf zu Beginn der Partie an: „Die Spanier haben phantastisch herausgespielt, so was habe ich noch nicht gesehen. Wir hatten die ersten Minuten richtig große Probleme. Die Qualität bei den besten fünf, sechs Mannschaften ist enorm hoch. Und zählt Spanien auf jeden Fall dazu.“ Nach dem Führungstreffer von Rodrigo Moreno fing sich die deutsche Mannschaft im Laufe der ersten Halbzeit, man bekam die perfekt kombinierenden Spanier besser in den Griff, spielte kompakter und zielstrebiger. Man krempelte die Ärmel hoch. Antreiber Thomas Müller versenkte einen Weitschuss im Winkel – das 1:1. Nach der Pause hatte die DFB-Elf eine bessere Ballkontrolle.

Die Glorreichen Sieben von Rio

Ganz bewusst hat Löw bei diesem Test seine aktuell beste Elf aufgeboten. Mal abgesehen vom verletzten Torhüter Manuel Neuer, der demnächst wieder ins Training einsteigen will. Eine Mannschaft also, die man sich gut vorstellen könnte als Startelf beim WM-Auftakt am 17. Juni, wenn es in Moskau gegen Mexiko geht. Sieben Weltmeister begannen, sie bilden immer noch das Gerüst, dem der Bundestrainer vertraut. Also dem Innenverteidiger-Duo Mats Hummels und Jérôme Boateng, dem Tandem im zentralen Mittelfeld, Sami Khedira und Tonis Kroos. Davor Mesut Özil, rechts Thomas Müller, links Julian Draxler. Der einzige der Glorreichen Sieben von Rio de Janeiro 2014, die bei der WM vor vier Jahren keinen Stammplatz hatten. Komplettiert wird die Top-Elf für Russland durch die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector, beide unumstritten. Dazu Deutschlands bester Stürmer Timo Werner und der exzellente Neuer-Vertreter Marc-André ter Stegen, dem Stammtorhüter des FC Barcelona. Wer diese erste Elf aus der zweiten Reihe herausfordern könnte? Leroy Sané und Ilkay Gündogan dürften Draxler und Khedira Druck machen, auch Marco Reus, auf den Löw nach langer Verletzungspause verzichtete. Nicht mehr dabei: Die zurückgetretenen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose plus Per Mertesacker, der keinen Stammplatz hatte. Nicht mehr nominiert: Lukas Podolski, Benedikt Höwedes, André Schürrle und Final-Siegtorschütze Mario Götze.

“Wir sind die Gejagten”

In Russland braucht Löw Siegertypen. Die WM als „Survival of the fittest“, sie „wird uns Unmenschliches abverlangen“, erklärte Löw voller Pathos. „Wir sind Weltmeister, Confed-Cup-Sieger, U21-Europameister. Wir sind die Gejagten.“ Und wer rastet, rostet. Daher das neue DFB-Motto „Best neVer Rest“ – sinngemäß: die Besten ruhen sich nie aus. Der Weltmeister auf dem Weg zur fünf, zum fünften Titel. Daher das große V wie „Victory“ oder wie die römische fünf.

Noch in der Nacht reiste die Nationalelf weiter nach Berlin, dort geht es am Dienstag (20.45 Uhr, ZDF live) gegen Brasilien. Dies ist der letzte Test vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders am 15. Mai. Und die nächste Härtefallprüfung. Allerdings nicht für die WM-Startelf. Löw kündigte einige Änderungen an, etwa kommen Gündogan, Sané und Herthas Lokalmatador Marvin Plattenhardt in den Genuss des Brasilien-Tests.