Joe Roberts: Tritt er in die Fußstapfen von Roberts, Rainey und Co.?

Gerald Dirnbeck

Joe Roberts ist in der Saison 2020 der einzige US-Amerikaner in der Motorrad-Weltmeisterschaft. In der Königsklasse gibt es seit Nicky Hayden und Ben Spies keinen Fahrer mehr aus den USA. Mit der Pole-Position beim Moto2-Auftakt in Katar schrieb Roberts große Schlagzeilen. Im Rennen verpasste er als Vierter nur knapp seinen ersten Podestplatz.

Wie aus dem Nichts hatte sich Roberts ins Spitzenfeld katapultiert. Im vergangenen Jahr waren zwei 14. Plätze seine besten Ergebnisse gewesen. Mit der KTM tat sich Roberts schwer. Der Wechsel auf Kalex war ein wichtiger Schritt, denn Roberts hat nun ein optimales Gefühl für das Vorderrad. Das Motorrad passt besser zu seinem Fahrstil.

Außerdem wird Roberts von Ex-Rennfahrer John Hopkins unterstützt, der große Stücke auf Roberts hält: "Es gibt keinen Grund, warum Joe nicht auch ein erfolgreicher Topfahrer in der MotoGP sein kann. Ich glaube, dass er genug Talent hat, wenn nicht so gar mehr als die anderen Jungs. Es ist aber noch ein weiter Weg und es ist viel Arbeit gefordert."

"Joe ist glücklicherweise in einer sehr guten Position, denn die Dorna versucht verzweifelt, wieder amerikanische Fahrer in den Sport zu bringen", so Hopkins gegenüber 'Motorsport.com'. "Sie wollen wieder auf dem US-Markt Fuß fassen." Denn ohne populäre Fahrer hat die MotoGP in den USA derzeit einen schweren Stand.

Fotostrecke: Alle Motorrad-Weltmeister aus den USA:

Kenny Roberts: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1978, 1979, 1980)

Kenny Roberts: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1978, 1979, 1980) Gold and Goose / Motorsport Images

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Freddie Spencer: 500er-Weltmeister mit Honda (1983, 1985) und 250er-Weltmeister mit Honda (1985)

Freddie Spencer: 500er-Weltmeister mit Honda (1983, 1985) und 250er-Weltmeister mit Honda (1985) Gold and Goose / Motorsport Images

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Eddie Lawson: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1984, 1986, 1988) sowie mit Honda (1989)

Eddie Lawson: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1984, 1986, 1988) sowie mit Honda (1989) Gold and Goose / Motorsport Images

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John Kocinski: 250er-Weltmeister mit Yamaha (1990) *

John Kocinski: 250er-Weltmeister mit Yamaha (1990) * Gold and Goose / Motorsport Images

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* Foto aus der 500er-Saison 1991

Wayne Rainey: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1990, 1991, 1992)

Wayne Rainey: 500er-Weltmeister mit Yamaha (1990, 1991, 1992) Gold and Goose / Motorsport Images

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Kevin Schwantz: 500er-Weltmeister mit Suzuki (1993)

Kevin Schwantz: 500er-Weltmeister mit Suzuki (1993) Gold and Goose / Motorsport Images

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Kenny Roberts Jr.: 500er-Weltmeister mit Suzuki (2000)

Kenny Roberts Jr.: 500er-Weltmeister mit Suzuki (2000) Gold and Goose / Motorsport Images

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Nicky Hayden: MotoGP-Weltmeister mit Honda (2006)

Nicky Hayden: MotoGP-Weltmeister mit Honda (2006) Gold and Goose / Motorsport Images

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Wie bewertet Roberts selbst seine Chancen? "Zu 100 Prozent habe ich darüber nachgedacht. Ich will schon mein ganzes Leben in die MotoGP kommen. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Möglichkeit besteht, werde ich bestimmt darüber nachdenken", sagt der 22-Jährige gegenüber 'Motorsport.com'. "Es ist aber noch zu früh, um über MotoGP-Teams nachzudenken."

Roberts will erst wechseln, wenn er es sich verdient hat

"Wir hatten erst ein Rennen. Wenn sich eine gute Möglichkeit ergeben würde, dann werde ich sie in Betracht ziehen. Ich finde aber, ich sollte erst wechseln, wenn ich bewiesen habe, dass ich dorthin gehöre. Mit der Pole und einem guten Rennen in den Top 5 bin ich auf einem guten Weg. Das war ein guter Schritt für uns."

"Aber ich möchte eine komplette Saison zusammenbringen. Ich möchte in diesem Jahr einen Sieg holen und konstant auf dem Podium stehen", nennt Roberts klare Ziele. "Aber klar, warum nicht? Warum sollte ich nicht in die MotoGP wollen? Das ist definitiv der Platz, an dem man sein muss." Ob sich schon für nächstes Jahr eine Türe öffnet, ist derzeit ungewiss.

In Katar begeisterte Roberts mit der Pole-Position und einem starken Rennen

In Katar begeisterte Roberts mit der Pole-Position und einem starken Rennen Motorsport Images

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Sieben US-Fahrer haben in der Königsklasse insgesamt 15 Weltmeistertitel errungen. Kenny Roberts, Freddie Spencer, Eddie Lawson, Wayne Rainey, Kevin Schwantz, Kenny Roberts Junior und Hayden zählen zu den großen Legenden des Motorradsports. Roberts ist mit Kenny Roberts übrigens nicht verwandt. Spürt er den Druck, in diese Fußstapfen treten zu müssen?

"Darüber habe ich mehr zu Beginn nachgedacht, in meiner ersten Saison und im Vorjahr. Aber ehrlich gesagt, nach der vergangenen Saison habe ich das alles beiseite geschoben. Es ist für mich nicht mehr wichtig", hält Roberts fest. "Es geht jetzt nur um mich. Ich habe zu viel darüber nachgedacht, was Außenstehende über mich denken."

"Jetzt habe ich die Bestätigung von Menschen, die wichtig sind. Ich will die Leute in meinem Team beeindrucken und nicht Außenstehende. Ich habe all das beiseite gelegt. Natürlich ist es für mich wichtig, dass ich eine Inspiration für junge amerikanische Fahrer bin und machen kann, was meine Helden der Vergangenheit getan haben. Das ist definitiv mein Ziel. Es wäre aber auch mein Ziel, wenn ich aus einem anderen Land kommen würde. Das Ziel lautet Weltmeister zu werden."

Zwischen 2011 und 2013 fuhr Roberts im Rookies-Cup. Anschließend kehrte er in die USA zurück und gewann 2015 die Stock600-Klasse der Moto America. 2017 wechselte er zurück nach Europa und fuhr die spanische Moto2-Serie für AGR. Dieses Team ermöglichte ihm im Sommer in Brünn das WM-Debüt. 2018 war Roberts bei NTS. Im Vorjahr wechselte er dann zu American Racing.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.