Wie Joe Kaeser den US-Präsidenten kontert

Trump hat in Davos Europas Wirtschaftselite getroffen. Mit dabei: Die CEOs von Siemens, SAP, Adidas, Bayer und Thyssen-Krupp. Sie schmeichelten Trump – nur Joe Kaeser erlaubte sich eine Spitze gegen den US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump hat eine Schwäche für inszenierte Lobhudeleien: Bei den öffentlichen Kabinettssitzungen im Weißen Haus überschlagen sich seine Minister für gewöhnlich mit Ehrerbietungen und Komplimenten für den Präsidenten. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Donald Trump nun Europas Wirtschaftselite zum Abendessen getroffen – und für eine ganz ähnliche Inszenierung eingespannt, wie ein Video des Weißen Hauses zeigt.

An der Dinner-Tafel saßen die Chefs von handverlesenen europäischen Konzernen. Ebenfalls mit dabei: Die CEOs von Siemens, SAP, Adidas, Bayer und Thyssen-Krupp. Siemens-Chef Joe Kaeser und SAP-CEO Bill McDermott durften sogar direkt neben dem US-Präsidenten Platz nehmen. „Es ist unglaublich. An diesem Tisch sitzen einige der größten Wirtschaftslenker der Welt“, sagte Trump zur Begrüßung – und forderte die CEOs auf, sich vorzustellen.

Den Anfang machte Siemens-Chef Kaeser – und sorgte gleich für eine kleine Provokation: „Ich arbeite für Siemens“, sagte Kaeser bei seiner Vorstellung – doch diese Bescheidenheit wollte der US-Präsident nicht stehen lassen: „Wenn er sagt, er arbeitet für Siemens, meint er, er ist der Präsident von Siemens – aber das ist okay“, unterbrach ihn Trump. Das veranlasste Kaeser zu einer Retourkutsche: „Arbeiten Sie etwa nicht für ihr Land?“


Doch anschließend hielt sich der Siemens-Chef ans Protokoll – und machte mit seiner Lobeshymne auf Trump und die USA weiter: „Glückwunsch zur Steuerreform“, sagte er. Angesichts der erfolgreichen Reform habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln.

Dem wollte Adidas-CEO Kasper Rorsted natürlich in nichts nachstehen: Aus den USA kämen einige der bekanntesten Kreativen der Modebranche, wie Tennislegende Stan Smith oder Rapper Kanye West, mit deren Namen auch Adidas-Schuhe vermarktet werden. Und auch mit Investitionen in den USA wusste Rorsted zu glänzen: „Wir haben gerade erst eine vollautomatische Schuhfabrik in Georgia in Betrieb genommen“, sagte er. „Das ist fantastisch, großartige Arbeit“, antwortete Trump.

Bayer-Chef Werner Baumann stellte sich als Chef der „Aspirin“-Firma vor – und sprach über die Übernahme von Monsanto. Künftig wolle der Konzern allein im Bereich Saatgut 16 Milliarden Dollar investieren – 60 Prozent davon in den USA.

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger betonte, dass der Stahlkonzern mit der Aufzugs- und Automobiltechniksparte besonders stark in den USA vertreten ist. „Wir haben die Aufzüge im Freedom Tower gebaut“, sagte Hiesinger. „Das erfüllt unsere Leute mit Stolz.“


Doch in Sachen Pathos übertrumpfte Bill McDermott alle anderen Dax-Chefs: „Vielen Dank für die Einladung – und vielen Dank, dass Sie all dieses Wachstum anregen“, säuselte der SAP-Chef. „Das sind alle unsere Kunden“, sagte er mit Blick auf die versammelten CEOs. Zudem sei es ihm eine besondere Ehre mitzuteilen: „Wenn die Army und die Navy ihre Missionen durchführen, um die Welt zu beschützen – dann nutzen sie dabei SAP.“

Worte, die Trump viel lieber hörte als die Spitze des Siemens-Chefs: Und so war es auch McDermott, dem Trump am herzlichsten die Hand schüttelte. Im Anschluss an das Treffen war zu hören, Trump habe sich offenbar sehr wohlgefühlt im Kreis der CEOs. Der US-Präsident sei unter Unternehmern offenbar entspannter, als bei Zusammentreffen mit anderen Staatschefs. Teilnehmer beschrieben die Atmosphäre als gelöst. Nachdem die Kameras ausgeschaltet waren, hätten die Wirtschaftsbosse auch richtig mit Trump diskutieren können.

Manche der anwesenden Manager hätten sich sogar Autogramme auf die Speisekarte geben lassen. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass sich einige Teilnehmer an den Kameras gestört hätten. Zumindest seien alle Manager von den Kameras überrascht worden, hieß es in Teilnehmerkreisen weiter. Denn vorab habe das Weiße Haus kaum Informationen zu dem Termin preisgegeben. Auch die Sitzordnung, die Trump zwischen Kaeser und McDermott platzierte, sei vorher nicht bekannt gewesen. Allerdings soll Trump vor dem Einmarsch der Kameras gefragt haben, ob das okay sei. „Wenn man mit jemandem nicht gesehen werden will, sollte man ihn nicht treffen“, heißt es dazu bei einem Unternehmen.