Jobmarkt 2021: Der Stellenmarkt explodiert, doch kaum jemand wechselt den Job — und es liegt nicht am Desinteresse

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Seit Corona hat sich der Arbeitsmarkt für Jobsuchende deutlich verbessert. Aktuell gibt es insgesamt 22 Prozent mehr Stellenanzeigen als noch vor der Corona-Pandemie, zeigt eine Auswertung Jobbörse Indeed. Doch die Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Denn nicht viele Deutsche suchen derzeit aktiv nach einem neuen Job.

Indeed-Analysten haben insgesamt 4000 Personen befragt, darunter Akademiker und Nicht-Akademiker, Angestellte und Arbeitslose. Das Ergebnis: Gerade einmal 20 Prozent der Befragten suchen aktuell eine neue Stelle. „Die Verunsicherung bei vielen Arbeitnehmern scheint derzeit noch groß zu sein und ist im Hinblick auf das vergangene Corona-Jahr auch nachvollziehbar“, sagt Indeed-Deutschlandchef Frank Hensgens.

Allerdings zeigt die Untersuchung auch: Vor allem Menschen in Kurzarbeit – ein Modell, das während der Pandemie vermehrt zum Einsatz kam – suchen aktiv nach einem neuen Arbeitgeber. In dieser Gruppe betraf das 27 Prozent der Menschen, also mehr als jede vierte Person. Das Angebot einer Stelle mit voller Stundenzahl und besseren beruflichen Perspektiven könnte demnach ein entsprechender Anreiz in der Personalgewinnung sein.

In einigen Branchen kann man besonders deutlich erkennen, dass Personal gesucht wird. So ist die Zahl der Stellenanzeigen in der Veterinärmedizin um 136 Prozentpunkte gestiegen. Das könnte Indeed zufolge daran liegen, dass sich viele Menschen während der Pandemie ein neues Haustier zugelegt haben. Auch das Facility-Management (Reinigungsdienste, Gebäude- und Grundstückspflege) verzeichnet einen Stellen-Anstieg von 70 Prozentpunkten. Außerdem werden 40 Prozent mehr Psychotherapeutinnen und -therapeuten gesucht als noch vor der Pandemie. In einigen Branchen hingegen gibt allerdings es weniger Angebote: In der Luft- und Raumfahrt, in den Sozialwissenschaften und bei der Kinderbetreuung sind weniger Stellen ausgeschrieben als vor Corona.

Warum Menschen den Job wechseln wollen

Die meisten Angestellten wünschen sich eine Gehaltsverbesserung. 17 Prozent der Befragten gaben an, aus diesem Grund einen neuen Job zu suchen. Akademiker hingegen wünschen auch einen Aufstieg auf der Karriereleiter. 11,6 Prozent gaben an, eine höhere Position zu suchen. Genauso viele von ihnen erwarten auch Vergütungspakete von ihrem neuen Arbeitgeber. Nicht-Akademiker hingegen denken eher pragmatisch: Sie legen Wert auf Home Office, eine Festanstellung und kürzere Arbeitswege.

Außerdem gibt es auch einige Deutsche, die sich einen Quereinstieg in einer ganz anderen Branche vorstellen können. Knapp 15 Prozent der Befragten gaben an, offen für Arbeit in einem gänzlich anderen Berufsfeld zu sein. Die Mehrzahl sagte jedoch, dass sie in der eigenen Branchen suchen. Und doch finden einige – trotz aktiver Suche – keinen passenden Job.

Der Hauptgrund dafür ist Indeed zufolge, dass es oft tatsächlich keine passenden Stellenanzeigen gibt. So sagten 32 Prozent der Befragten, dass sie keine Stellen fänden, die zu ihnen passen. Indeed-Geschäftsführer Hensgens ist jedoch optimistisch: „Durch den regelrechten Recruiting-Boom und das große Angebot an Stellenausschreibungen haben die Jobsuchenden bereits jetzt mehr Möglichkeiten, als sie selber wahrnehmen. Ich bin mir sicher, dass sie das bald erkennen und verstärkt den Markt sondieren werden, der ihnen aktuell in die Karten spielt.“

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