Jobboom durch Öffnung: In Gastronomie und Hotellerie fehlen Arbeitskräfte - vor allem Kellner

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Es ist soweit: Restaurants, Hotels, Cafés und Bars dürfen ihre Außengastronomie öffnen. Die Zahl der geimpften Menschen in Deutschland nimmt zu, die Inzidenzwerte gehen weiter leicht zurück. Viele Menschen freuen sich darauf, nach langer Zeit wieder ausgehen zu können.

Einen kleinen Dämpfer erhält die Freude einzig für Gastronomen. Sie suchen händeringend nach Personal. Das gilt vor allem mit Blick auf den bevorstehenden Sommer. In Lokalen und Hotels fehlen Kellnerinnen und Kellner, Küchenkräfte, Köchinnen und Köche.

Durch die Corona-Pandemie brach 2020 die Zahl neu ausgeschriebenen Jobs um mehr als die Hälfte ein, beobachteten Analysten der Stellenplattform Stepstone*. In dieser Zeit warben Lieferdienste und Plattformbetreiber erfolgreich um Arbeitskräfte - ein weiterer Nachteil für Gastronomie und Hotellerie, schreibt etwa die Wirtschaftswoche.

Ehemalige Angestellte von Lokalen und Hotels trieb die lange Schließzeit von mehr als einem halben Jahr notgedrungen aus ihren Anstellungen. "Viele, die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in der Gastronomie oder im Tourismus tätig waren, haben 2020 den Job gewechselt", sagt Tobias Zimmermann, Arbeitsmarkt-Experte bei Stepstone. "Etwa als Quereinsteiger in Branchen, die ihnen krisensicher erschienen. Dieses Personal fehlt jetzt an vielen Stellen."

Sollte ein Reise-Boom auf den Tourismus und ein Run auf die Restaurants folgen, so Zimmermann, werde die Nachfrage rasch weiter ansteigen.

62 Prozent mehr Stellen in Hotellerie und Gastronomie

Um dem möglichen Besucheransturm im Sommer gewachsen zu sein, stellen Arbeitgeber in der Tourismusbranche und in der Gastronomie jetzt kräftig ein. Im April stieg die Zahl der neu ausgeschriebenen Stellen Hotellerie und Gastronomie gegenüber April 2020 um 62 Prozent.

Die Zahl der neu geschalteten Stellen im Hotel- und Gastgewerbe stieg laut Stepstone Jobatlas im ersten Quartal 2021 um 22 Prozent gegenüber den letzten drei Monaten 2020. Besonders gesucht sind Mitarbeitende am Empfang in Hotels (ein Zuwachs um 24 Prozent), Kellnerinnen und Kellner (+22 Prozent) sowie Küchenhilfen (+21 Prozent). Für den Jobatlas analysierte die Experten über zwei Millionen Stellenausschreibungen auf rund 150 Online- und Printplattformen von Januar 2020 bis April 2021.

Das Interesse an Jobs im Gastrosektor ist offenbar wechselseitig: Laut Stepstone-Analysen lag die Anzahl der Suchen im April um knapp ein Drittel (27 Prozent) über dem Vorjahreswert. Die Interessenten möchten kellnern, kochen, als Küchenhilfen arbeiten. Sie suchten aber auch nach Möglichkeiten für anderweitige Aushilfen, Minijobs und Quereinstieg. Das ergaben Analysen des Suchvolumens und der Suchbegriffe auf Stepstone.de von April 2019 bis April 2021.

"Mit sinkenden Corona-Fallzahlen und den Öffnungsperspektiven merken die Menschen, dass sich die Jobaussichten im Sektor sehr positiv entwickeln und intensivieren ihre Jobsuche jetzt wieder", sagt Experte Zimmermann.

Auch in den USA erlebt der Markt für einfache Jobs einen ungeahnten Ansturm. Gastronomen finden teilweise auch deshalb nicht genug Kellnerinnen und Kellner, weil diese noch staatliche Unterstützung beziehen.

*Stepstone gehört wie Business Insider zum Axel Springer Verlag.

jsk

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