Joachim Löw: "Ich mache mir Gedanken, keine Sorgen"

Das Länderspieljahr ist vorbei - und das DFB-Team schon seit ewiger Zeit ungeschlagen. Trotzdem gibt es noch offene Fragen vor der WM.

Der Weltmeister Deutschland ist seit 21 Spielen ungeschlagen. "Ich bin nach diesem Jahr völlig entspannt und habe keine schlaflosen Nächte", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Aber reicht es auch für eine erfolgreiche Titelverteidigung 2018 in Russland? Hier kommen die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was sind die Erkenntnisse aus dem Länderspieljahr?

Bundestrainer Joachim Löw hat es im Anschluss an zwei verschenkte Jahre nach dem Triumph von Rio 2014 geschafft, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Der Sieg beim Confed Cup mit einer B-Mannschaft und die makellose WM-Qualifikation - wenn auch in einer vergleichsweise leichten Gruppe - waren deutliche Zeichen. Löw hat den Konkurrenzkampf verschärft, es gibt aber noch Baustellen. "Auch nach diesem überragenden Jahr müssen sich die Automatismen weiter einspielen", sagt er.

Was ist die größte Baustelle?

Löw sucht weiter händeringend nach einem Ersatz für die gesetzten Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector. Emre Can überzeugte als Kimmich-Vertreter gegen Frankreich nicht. Auch Marvin Plattenhardt bot auf auf der linken Seite allenfalls Durchschnitt. Eine Alternative könnte Marcel Halstenberg sein, der in England ein ordentliches Debüt gab. "Ich mache mir natürlich Gedanken, aber keine Sorgen", sagt Löw.

Welche Spieler gehören dem 23er-Kader für die WM an?

Löw setzte in der Qualifikation 37 Spieler ein, im Länderspieljahr 2017 waren es 36. Es dürfte den wohl härtesten Konkurrenzkampf der deutschen WM-Geschichte geben. Weltmeister wie Benedikt Höwedes oder Andre Schürrle wackeln, ein großes Fragezeichen steht auch hinter dem derzeit verletzten Marco Reus. "Wir grätschen uns auf dem Trainingsplatz nicht um, wir wissen aber, worum es geht. Wir wollen alle zur WM", sagt Matthias Ginter.

Kapitän Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen, Joshua Kimmich, Jonas Hector, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil, Julian Draxler, Thomas Müller und Timo Werner haben ihr WM-Ticket sicher. 

Ist die DFB-Auswahl Titelfavorit in Russland?

Der viermalige Weltmeister zählt zum Favoritenkreis. Die Konkurrenz ist im Vergleich zur WM 2014 aber stärker geworden. Löw spricht vom "schwersten Turnier überhaupt". Über die Stärke der Franzosen konnte sich der Bundestrainer am Dienstag sein eigenes Bild machen. Dazu kommen Brasilien, Spanien, Argentinien und vielleicht auch England. "Unsere Spieler müssen die Saison mit der richtigen Einstellung durchziehen, wenn wir in Russland erfolgreich sein wollen", sagt Löw.

Gegen wen spielt Deutschland bei der WM?

Deutschland droht bei der Auslosung am 1. Dezember im Moskauer Kreml eine Hammergruppe mit einem früheren Champion wie Spanien oder England. Anders als die DFB-Elf sind diese beiden wie auch andere Top-Mannschaften nicht als einer der acht Gruppenköpfe gesetzt. 

Wo bezieht die DFB-Auswahl ihr WM-Quartier?

Offen. Moskau und Sotschi sind die Optionen. In Sotschi fühlte sich das Team beim Confed Cup pudelwohl, dafür sind die Wege länger. Eine Entscheidung fällt nach der Auslosung. "Man muss viele Aspekte beachten, auch logistische", sagt Teammanager Oliver Bierhoff. 

Was passiert bis zur Endrunde (14. Juni bis 15. Juli)?

Viel Zeit bleibt nicht. Bis zur Nominierung stehen nur noch die Länderspiele gegen Spanien (23. März/Düsseldorf) und Brasilien (27. März/Berlin) auf dem Programm. Löw wird deswegen in der Rückrunde ganz genau hinschauen, bevor er seinen Kader beruft und im Trainingslager in Südtirol Ende Mai am Feinschliff arbeitet. "Wir haben uns eine wahnsinnig gute Basis erarbeitet. Wir wissen, was wir können. Deswegen macht mich in der Vorbereitung nichts mehr nervös", sagt Löw.