JinkoSolar oder Canadian Solar? Welche PV-Aktie 2021 durchzieht

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Solarmodule vor neuem Boom JinkoSolar-Aktie
Solarmodule vor neuem Boom JinkoSolar-Aktie

Dass Solarenergie eine sonnige Zukunft bevorsteht, ist kein Geheimnis. Klar ist aber auch, dass der Wettbewerb unter den Modulherstellern beinhart ist. Wer hier mit begrenztem Risiko investieren möchte, der setzt auf einen der Marktführer. Aber was unterscheidet JinkoSolar (WKN: A0Q87R) von Canadian Solar (WKN: A0LCUY)? Hier ist eine Entscheidungshilfe.

Wie JinkoSolar und Canadian Solar im Markt liegen

Dr. Shawn Qu hat in Toronto Materialwissenschaften studiert und dann von Ontario aus seit 2001 ein beeindruckendes Solarimperium aufgebaut. Dennoch gilt Canadian Solar weitgehend als chinesischer Hersteller, weil dort der weit überwiegende Teil der Ressourcen angesiedelt ist. Auch die Forschung findet offenbar vor allem bei der Tochter CSI Solar in Suzhou statt, wenn es nach veröffentlichten Patenten geht.

JinkoSolar wiederum wurde fünf Jahre später gegründet und hat einen noch kometenhafteren Aufstieg an die Spitze hinter sich. Laut einer Auswertung des Fachmediums Solar Edition war JinkoSolar im ersten Halbjahr 2020 die Nummer 1 im Markt, während Canadian Solar hinter drei weiteren chinesischen Herstellern auf Platz 5 geführt wird.

Im dritten Quartal 2020 lieferte Canadian Solar Module im Umfang von 3,2 Gigawatt aus und übertraf damit die eigenen Erwartungen bei einem Plus von 33 %. JinkoSolar auf der anderen Seite legte ein Rekordquartal hin: 5,1 Gigawatt bedeuteten eine Steigerung von 54 % im Vorjahresvergleich.

Beide Hersteller wachsen schnell und setzen primär auf Massenprodukte, die ordentliche Qualität mit günstigen Preisen verbindet. Dennoch suchen sie auch das Prestige durch herausragende Forschungsergebnisse und streben in Richtung Premium. Bei JinkoSolar heißt der Highend-Hoffnungsträger „Tiger Pro“ und bei Canadian Solar „Series 7“. Beide behaupten eine Effizienz von 21,4 %, die für eine hohe Modulleistung und weiter sinkende Lebenszykluskosten sorge.

Was die Strategie von JinkoSolar und Canadian Solar unterscheidet

Canadian Solar hat sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen und investiert in die Expansion der gesamten Wertschöpfungskette. Die Kapazität bei den Kristallen, aus denen die Wafer geschnitten werden, soll bis Ende 2021 sogar verfünffacht werden, während bei den Modulen gut 50 % hinzukommen sollen. Daran zeigt sich, dass das Management seine Abhängigkeit von Zulieferern weiter verringern möchte, um den Wertschöpfungsanteil unter dem eigenen Dach ausbauen zu können.

JinkoSolar sieht sich sogar als einer der Pioniere bei der Etablierung einer integrierten Wertschöpfungskette. Kristall- und Modulkapazität wachsen dort seit Jahren im Gleichschritt, wobei Zellen zum Teil hinzugekauft werden.

Der vielleicht größte Unterschied der beiden liegt bei der Projektentwicklung. Canadian Solar sieht sich in diesem Bereich als ein Weltmarktführer mit einer Pipeline von 16 Gigawatt. Von rund 1,2 Gigawatt in diesem Jahr soll die Zubauleistung bis 2024 auf bis zu 4,1 Gigawatt steigen. Das Management erhofft sich eine Menge von diesem Segment und strebt Partnerschaften mit internationalen Finanzierungspartnern an.

Das Projektgeschäft hilft auch bei der Diversifizierung, da es fast ausschließlich außerhalb Chinas stattfindet. Das Management hat so einen Hebel in der Hand, um die Nachfrage nach seinen Modulen zu steuern. Falls das Großhandelsgeschäft schwächeln sollte, könnte die internationale Projektentwicklung forciert werden und andersherum. Außerdem bringt der Betrieb verlässliche Einkommensströme.

Welche Solaraktie jetzt attraktiver ist

JinkoSolar hat mehr Volumen und drückt bisher noch mehr auf die Tube beim Kapazitätsausbau. Aktuell werden dafür weitere 100 Mio. US-Dollar eingesammelt. All das könnte für steigende Größenvorteile sprechen, die sich früher oder später in höheren Margen auszahlen würden.

Canadian Solar kann hingegen auf mehr Erfahrung und eine starke Projektentwicklung verweisen. Außerdem sollte die wachsende Integration der Wertschöpfungskette zu Margensteigerungen führen. Ich denke, dass hier im Moment einiges in die richtige Richtung geht.

Lustigerweise werden beide gegen Jahresende mit gut 3 Mrd. US-Dollar bewertet, sodass wir tatsächlich nur entscheiden müssen, welches Unternehmen uns besser gefällt. JinkoSolar macht mehr Umsatz – im dritten Quartal 1,3 Mrd. US-Dollar versus 0,9 Mrd. bei Canadian Solar. Bei der Bruttomarge ist Canadian Solar jedoch etwa 2,5 Prozentpunkte stärker, was darauf hinweist, dass JinkoSolar seine Größenvorteile nicht ausspielen kann und auch deshalb höheren Marktrisiken ausgesetzt ist.

Insgesamt würde ich mich daher im Moment mit der Aktie von Canadian Solar etwas besser fühlen, um am turboschnellen Wachstum der Photovoltaik-Installationen zu partizipieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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