Jimmie Johnsons zweiter IndyCar-Test: Schnelle Kurven bereiten noch Probleme

Mario Fritzsche
·Lesedauer: 5 Min.

Mit einem stattlichen Aufgebot von 21 Piloten ist am Montag im Barber Motorsports Park in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama der vorletzte Testtag des IndyCar-Jahres 2020 über die Bühne gegangen.

Die Tagesbestzeit ging mit 1:05.615 Minuten an Rinus VeeKay (Carpenter-Chevrolet). Abgesehen vom frischgebackenen Rookie des Jahres standen aber auch drei andere Neulinge im Mittelpunkt.

Antonio Felix da Costa, der bei Rahal Letterman Lanigan Racing für den Vater werdenden Graham Rahal einsprang und seinen ersten IndyCar-Test überhaupt absolvierte, setzte sich auf Anhieb überzeugend in Szene. Der amtierende Formel-E-Champion klassierte sich nach 75 zurückgelegten Runden auf P12 der Zeitenliste. Auf die Bestzeit von VeeKay fehlten ihm weniger als 0,8 Sekunden.

Antonio Felix da Costa: Als Rahal-Ersatz beim ersten IndyCar-Test stark

Antonio Felix da Costa: Als Rahal-Ersatz beim ersten IndyCar-Test stark<span class="copyright">Rahal Letterman Lanigan Racing</span>
Antonio Felix da Costa: Als Rahal-Ersatz beim ersten IndyCar-Test starkRahal Letterman Lanigan Racing

Rahal Letterman Lanigan Racing

Mit Blick auf die Zukunft hat Felix da Costa großes Interesse an einem IndyCar-Gaststart signalisiert. Für eine volle Saison dürften seine Chancen zumindest in naher Zukunft aber gering sein, da er in der Formel E weiterhin Verpflichtungen hat. Seine Vertragsverlängerung im Meisterteam DS Techeetah gilt nur noch als Formsache.

Abgesehen von Felix da Costa waren es am Montag der dreimalige Supercars-Champion Scott McLaughlin und der siebenmalige NASCAR-Champion Jimmie Johnson, die als IndyCar-Neulinge zahlreiche Runden abspulten und sich auf ihre erste volle beziehungsweise fast volle Saison im US-Formelsport vorbereiteten.

McLaughlin drehte im Penske-Chevrolet mit der Startnummer 3 insgesamt 73 Runden und schloss den Tag mit 1,3 Sekunden auf die Bestzeit auf P19 ab. Johnson war mit 100 zurückgelegten Runden der fleißigste Fahrer des Tages. Sein Rückstand im Ganassi-Honda mit der Startnummer 48, mit dem er die 13 Rundstrecken-Rennen im IndyCar-Kalender 2021 bestreitet, betrug auf dem 21. und damit letzten Platz der Zeitenliste rund 2,8 Sekunden.

Jimmie Johnson: IndyCar-Renndebüt im März 2021 mit Chip Ganassi als Boss

Jimmie Johnson: IndyCar-Renndebüt im März 2021 mit Chip Ganassi als Boss<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Jimmie Johnson: IndyCar-Renndebüt im März 2021 mit Chip Ganassi als BossMotorsport Images

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Aber: In der Vormittagssession, als Penske-Pilot Josef Newgarden der Schnellste gewesen war, hatte Johnson noch 5,3 Sekunden Rückstand gehabt. Am Nachmittag hat er das Defizit auf die Spitze, die letztlich von VeeKay gebildet wurde, fast halbiert.

"Für mich sind noch so viele Dinge fremd. Ich muss muss mich erst einmal an all die technischen Feinheiten gewöhnen", sagt Johnson und zählt auf: "Auto, Cockpit, Abläufe." Abgesehen davon war auch die Strecke im Barber Motorsports Park komplettes Neuland für den NASCAR-Star. "Diese blinden Kurven, die auf Kuppen liegen, kann man noch viel aggressiver angehen. Im Auto steckt noch viel mehr. Ich muss erst einmal herausfinden, wo das Limit liegt. Die Strecke aber ist wunderschön, wirklich einzigartig."

Der Kurs im Barber Motorsports Park (Foto: Rennen 2019) hat es Johnson angetan

Der Kurs im Barber Motorsports Park (Foto: Rennen 2019) hat es Johnson angetan<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Der Kurs im Barber Motorsports Park (Foto: Rennen 2019) hat es Johnson angetanMotorsport Images

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Wie Johnson zugibt, bereiten ihm am Anfang seines Lernprozesses als IndyCar-Rookie die schnellen Kurven noch am meisten Probleme: "In den langsamen Kurven habe ich gute Fortschritte gemacht. Da musste ich gar nicht viel aufholen. Es sind die schnellen Vollgaskurven, wo du Vertrauen in das Auto brauchst und du dich voll auf den Abtrieb verlassen musst, wo ich noch am meisten Rückstand ansammle."

Während es für Johnson der zweite IndyCar-Test nach seinem persönlichen Testtag im Juli auf dem Indianapolis-Rundkurs war, gab der von Dale Coyne Racing kommende Alex Palou seinen Einstand als Ganassi-Pilot. Dabei klassierte er sich auf P11 der Zeitenliste. Der Spanier tritt im Ganassi-Honda mit der Startnummer 10 die Nachfolge von Felix Rosenqvist an. Der Schwede wiederum war am Montag erstmals für seinen neuen Arbeitgeber McLaren SP im Einsatz und reihte sich auf P15 ein.

Die Bestzeit beim Barber-Test ging an Rinus VeeKay, den Rookie des Jahres 2020

Die Bestzeit beim Barber-Test ging an Rinus VeeKay, den Rookie des Jahres 2020<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Die Bestzeit beim Barber-Test ging an Rinus VeeKay, den Rookie des Jahres 2020Motorsport Images

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Unterm Strich blieben 15 der 21 Piloten unter dem offiziellen Streckenrekord, den Sebastien Bourdais im Jahr 2016 aufgestellt hat. Der Grund dafür, dass die Rundenzeiten im Barber Motorsports Park nach vier Jahren plötzlich so purzelten: Große Teile der 3,83 Kilometer langen Berg-und-Talbahn wurden kürzlich neu asphaltiert.

Der letzte Testtag im IndyCar-Jahr 2020 ist für Dienstag kommender Woche (10. November) auf einer anderen Berg-und-Talbahn angesetzt, dem Laguna Seca Raceway in Kalifornien. Ganassi-Neuzugang Jimmie Johnson wird auch dort wieder im Einsatz sein. Zwei Tage vorher fährt er in Phoenix (Arizona) für Hendrick Motorsports das letzte Rennen seiner letzten vollen NASCAR-Saison.

Abgesehen vom Laguna-Seca-Test plant Johnson bis zu seinem IndyCar-Renndebüt am 7. März 2021 in St. Petersburg (Florida) noch "fünf bis sechs weitere Testsessions", wie er sagt. "Im Januar gibt es einen Test in Sebring, den wir ins Auge fassen. Ich glaube, von jetzt bis zum Beginn der neuen Saison wird es noch sieben Gelegenheiten geben", so der NASCAR-Star und IndyCar-Neuling.

Ergebnis IndyCar-Test in Birmingham

Pos.

Fahrer

Team

Motor

Zeit / Abstand

1

Netherlands
Netherlands

Rinus VeeKay

Carpenter

Chevrolet

1:05.615 Min.

2

United States
United States

Colton Herta

Harding/Andretti

Honda

+0,124 Sek.

3

Mexico
Mexico

Patricio O'Ward

McLaren SP

Chevrolet

+0,291

4

United States
United States

Alexander Rossi

Andretti

Honda

+0,403

5

United Kingdom
United Kingdom

Jack Harvey

Shank

Honda

+0,485

6

United States
United States

Conor Daly

Carpenter

Chevrolet

+0,519

7

United States
United States

Ryan Hunter-Reay

Andretti

Honda

+0,575

8

Sweden
Sweden

Marcus Ericsson

Ganassi

Honda

+0,642

9

New Zealand
New Zealand

Scott Dixon

Ganassi

Honda

+0,643

10

France
France

Sebastien Bourdais

Foyt

Chevrolet

+0,743

11

Spain
Spain

Alex Palou

Ganassi

Honda

+0,750

12

Portugal
Portugal

Antonio Felix da Costa

Rahal

Honda

+0,761

13

United States
United States

Josef Newgarden

Penske

Chevrolet

+0,796

14

Canada
Canada

James Hinchcliffe

Andretti

Honda

+0,826

15

Sweden
Sweden

Felix Rosenqvist

McLaren SP

Chevrolet

+0,886

16

Australia
Australia

Will Power

Penske

Chevrolet

+1,005

17

France
France

Simon Pagenaud

Penske

Chevrolet

+1,020

18

Canada
Canada

Dalton Kellett

Foyt

Chevrolet

+1,032

19

New Zealand
New Zealand

Scott McLaughlin

Penske

Chevrolet

+1,326

20

United States
United States

Marco Andretti

Herta/Andretti

Honda

+1,474

21

United States
United States

Jimmie Johnson

Ganassi

Honda

+2,783

Mit Bildmaterial von Carvana Racing.