Heilige Familie hinter Gittern: So protestiert eine Kirche gegen Trumps Einwanderungspolitik

Die Heilige Familie in einem Käfig vor einer Kirche. „Jede Familie ist heilig”, steht auf einem zweisprachigen Banner daneben. (Bild: Reuters/Christ Church Cathedral Indianapolis)

Eine Kirche in Indianapolis protestiert mit einer aufsehenerregenden Maßnahme gegen Donald Trumps Politik der Familientrennung: Auf dem Rasen der Kirche wurden Maria, Joseph und das Jesuskind platziert – und eingezäunt.

Es ist ein Vorgehen der US-Politik, dass weltweit für Empörung sorgt: Die Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit, kurz ICE für „United States Immigration and Customs Enforcement” trennt seit mehreren Wochen Familien, die illegal in die USA einwandern. Viele Kinder wurden ohne ihre Eltern in speziellen Einrichtungen untergebracht. Und bisweilen, so zeigten es Fotos, sogar in Käfigen eingesperrt. Die Praxis der Trennung wurde nach Protesten ausgesetzt, doch die Behörden greifen weiter hart gegen Migranten an der Grenze durch und interniert sie unter oftmals unwürdigen Bedingungen. Dagegen protestiert nun auch eine Kirchengemeinde in Monument Circle in Indianapolis.


„Auf unseren Rasen haben wir heute Abend die heilige Familie gesetzt … in ICE-Verwahrung #Einwanderung“

Vor der Kirch sind hier die Figuren von Jesus, Maria und Josef ebenfalls hinter Zäunen „eingesperrt“ worden. „Die Heilige Schrift sagt eindeutig, wie wir Menschen behandeln müssen, die sich und ihre Familien in Sicherheit bringen wollen – wir müssen Gnade zeigen und sie willkommen heißen. Wir werden nicht zusehen, wie Kinder von ihren Eltern und Familien aus unseren Gemeinschaften und Kirchengemeinden weggebracht werden. Menschen mit gutem Willen und Glauben dürfen nicht zulassen, dass das weiterhin geschieht”, sagte der Pfarrer der Kirche, Stephen Carlsen. Er zieht den Vergleich mit der Heiligen Familie bewusst: „Zu Jesus’ Zeiten wurden Menschen bedroht und getötet. Auch das war eine obdachlose Familie, die nicht wusste, wohin. Ich denke, unser Glaube sagt uns, was jetzt zu tun ist.”


„Verwahrung der Heiligen Familie: Indy’s @CCCathedralIndy verbarrikadiert Josef, Maria und Jesus innerhalb eines Zauns auf ihrem Rasen. Auf die Frage, wie lange die Darstellung dort bleiben werde, sagte Pfarrer @Steve_Carlsen: ‚Meine größte Hoffnung wäre, dass unsere Nation in sich geht und sagt, das ist nicht, wer wir sein wollen.‘“

Seit Dienstagabend wurde der Tweet der Kirche knapp eintausend Mal geteilt, viele Medien berichteten über die Aktion. Von einigen Seiten wird der Kirche aber auch Heuchelei vorgeworfen: Jeden Abend schliefen Obdachlose in der unmittelbaren Umgebung, diese würden von der Kirche aber ignoriert, wirft ihr ein Nutzer vor. Diese wehrt sich: Man müsse, um Unterkunft anzubieten, eine offizielle Herberge sein, und diese Berechtigung habe die Kirche derzeit nicht. Um Hilfe für Obdachlose anzubieten, arbeite man mit Herbergen in der Umgebung zusammen.

Pfarrer Carlsen betont, die Aktion wäre nicht als Kirchen-PR gedacht. Sondern, um die Menschen aufzurütteln: „Es ist nicht kontrovers, weil ich will, dass es kontrovers ist. Es ist kontrovers, weil wir uns von Werten abwenden, die unser Verhalten leiten sollten.“ Religiöse Ikonen sollten die Menschen berühren, fügte der Geistliche noch hinzu. Wenn Menschen sich provoziert fühlten, könnte das schlicht ihre Reaktion darauf sein, dass sie von der Aktion berührt seien und dieser Hilflosigkeit mit Wut begegneten.