Jerusalems Kirchenführer schließen Grabeskirche aus Protest gegen Gesetzesplan

Grabeskirche in Jerusalem

Aus Protest gegen Steuerforderungen und eine geplante Landrechts-Reform der israelischen Regierung haben Kirchenführer in Jerusalem die Grabeskirche auf unbestimmte Zeit geschlossen. In einer gemeinsamen Erklärung zogen die Oberhäupter der katholischen, griechisch-orthodoxen und armenischen Kirchen in Jerusalem am Sonntag Parallelen zwischen dem Gesetzentwurf und der Judenverfolgung in Europa: "Dies alles erinnert uns an ähnliche Gesetze, die während einer düsteren Periode in Europa gegen die Juden erlassen wurden", schrieben die Kirchenführer.

Die Stadtverwaltung von Jerusalem verlangt von den christlichen Kirchen die nachträgliche Versteuerung von Einnahmen aus Geschäften, die als kommerziell eingestuft werden. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat beziffert die Steuernachforderung auf rund 152 Millionen Euro. Die Nachzahlung sei fällig auf Einnahmen aus Hotels und Geschäften in Kirchenbesitz. Die Kirchen hingegen beharren auf ihrer Steuerbefreiung.

Weiterer Streitpunkt ist ein geplantes neues Bodenrechts-Gesetz. Damit will die Regierung nach eigenen Angaben den Status israelischer Bürger sichern, deren Häuser auf Grundstücken errichtet sind, die im Besitz der griechisch-orthodoxen Kirche waren und von dieser an private Investoren verkauft wurden. Die Kirchen fürchten, dass die Reform die Enteignung von Kirchenland ermögliche.

Die Kirchen kritisierten das Gesetzesvorhaben in der Erklärung vom Sonntag als "abscheulich". Sie sehen darin einen "Versuch, die christliche Präsenz in Jerusalem zu schwächen". Die Schließung der Grabeskirche sei ein "beispielloser Schritt", der als "Protestmaßnahme" zu betrachten sei, erklärten die Kirchenführer.

Die Grabeskirche ist eine der heiligsten Stätten des Christentums. Dort soll Jesus gekreuzigt, begraben worden und wiederauferstanden sein. Die Kirche zieht viele Besucher an.