Jerusalem-Entscheidung: Darum verlegt nun auch Guatemala seine Botschaft

Der Felsendom mit seiner Goldkuppel gehört zu den Wahrzeichen von Jerusalem. (Bild: AP Photo)

Einige Wochen standen die USA mit ihrer Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, allein da. Nun wagt mit Guatemala ein zweites Land diesen Schritt. Nicht ohne Grund: Der zentralamerikanische Staat unterhält enge Verbindungen zu Israel.

Am 6. Dezember hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, einen Beschluss der Clinton-Regierung endlich in die Tat umzusetzen: Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Doch warum hat ausgerechnet Guatemala als erstes Land nach den Vereinigten Staaten von Amerika nun entschieden, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen zu wollen?

In der internationalen Politik gelten die USA seit Jahrzehnten als Schutzmacht Israels. Die beiden Länder unterhalten äußerst enge und freundschaftliche Kontakte. So wenden die USA etwa hohe Summen zur Wirtschafts- und Militärhilfe für das Land in Nahost auf.

Benjamin Netanjahu (r.) mit dem ehemaligen Präsidenten von Guatemala, Otto Fernando Pérez Molina, bei einer Pressekonferenz in Jerusalem im Dezember 2013. (Bild: AP Photo)

Ähnlich verhält es sich mit dem Verhältnis zwischen Israel und Guatemala. So war der zentralamerikanische Staat auch eines der ersten Länder, das Israel nach dessen Gründung im Jahr 1948 anerkannte. Beim UN-Teilungsplan für Palästina spielte Jorge García-Granados, der ehemalige Botschafter Guatemalas bei den Vereinten Nationen, eine entscheidende Rolle. Er überzeugte mehrere lateinamerikanische Staaten, Israel ebenso anzuerkennen.

Juli-Joel Edelstein, derzeit Sprecher des israelischen Parlaments, sagte laut „The Times of Israel“: „Es ist gut möglich, dass die Resolution ohne Guatemala nicht hätte beschlossen werden können. Die Geschichte wäre dann ganz anders verlaufen.“ Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte im November 2016 während des Besuchs von Jimmy Morales, dem Präsidenten Guatemalas: „In nahezu jeder israelischen Stadt gibt es eine ‚Guatemala Street‘, weil wir uns an Guatemalas Freundschaft erinnern und die Freundschaft und Führungsstärke des UN-Botschafters [García-Granados, Anm.], als es um die Teilung Palästinas ging. Seitdem hat Guatemala einen Platz in unseren Herzen.“

Unter Präsident Jimmy Morales hat Guatemala nun angekündigt, den Sitz seiner Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. (Bild: AP Photo)

In den 70er-Jahren soll Israel das Junta-Regime in Guatemala mit Waffenlieferungen unterstützt haben. Auch stand Israel der damaligen Militärmacht beratend zur Seite, als es darum ging, wie man Volksaufstände gezielt niederschlägt. Laut einem Fachartikel im „Middle East Research and Information Project“ begann die militärische Kooperation der beiden Länder im Jahr 1971.

Guatemala hatte seine Botschaft laut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ schon einmal in Jerusalem. Und zwar „bis Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre“. Nun soll die Botschaft aus Tel Aviv wieder in die historische Stadt übersiedeln. Einen Zeitplan für die Verlegung gibt es bisher allerdings noch nicht. Israels Regierungschef Netanjahu zeigte sich dessen ungeachtet aber natürlich erfreut über die Nachricht aus Guatemala: „Gott schütze meinen Freund, Präsident Morales. Gott schütze Israel und Guatemala. Wir warten hier auf euch. In Jerusalem.“

Erst am Donnerstag vor Weihnachten hatte die UN-Vollversammlung die USA dazu gedrängt, die Jerusalem-Entscheidung wieder zurückzunehmen. Donald Trump hatte seinerseits jenen Ländern, die diesem Aufruf folgen würden, mit dem Entzug von Finanzhilfen gedroht. Gegen die Resolution stimmten neben den USA und Guatemala lediglich Honduras, Togo, Mikronesien, Nauru, Palau und die Marshallinseln. Doch inzwischen sollen bereits mehr Länder angedeutet haben, ihre Botschaften nach Jerusalem zu verlegen – darunter Paraguay, Rumänien, Togo und die Slowakei.