Jens Spahn und die Hipster: Wie sich mit einer haarigen Debatte Wahlkampf machen lässt

Das Politikermodell des CDU-Manns läuft mit dem Treibstoff Aufmerksamkeit.

Wer nicht genug politische Probleme hat, der schafft sich welche. Jens Spahn, Führungsmitglied der CDU und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hat sich unter den vielen Dingen, über die man sich in Berlin aufregen kann, nun den „Hipster“ ausgesucht – und damit Aufmerksamkeit und Häme im ganzen Land auf sich gezogen.

Da, wo die leicht uniformierte und oft schwerbärtige Spezies junger Großstädter sich zu Soja-Latte trifft, befürchtet Spahn eine „völlig neue Form der Parallelgesellschaft“: „Junge Leute aus aller Welt, die unter sich bleiben“, prangert der CDU-Politiker in einem Gastbeitrag im Wochenblatt Die Zeit an.

Kürzlich hatte er schon beklagt, dass Kellner in hippen Hauptstadtkneipen nur noch Englisch sprächen – angeblich sogar deutsche. Das gefährde nicht nur die Servicequalität gegenüber Nicht-Anglophonen, sondern auch die deutsche Muttersprache – zumal auch deutsche Hipster vorschnell ins Englische wechselten. Das sei kein Ausdruck von Weltoffenheit, so Spahn. „Es zeugt eher von provinzieller Selbstverzwergung.“

In Berlin sind die – seit jeher spöttisch betitelten – Hipster schon länger Debattenthema. Ihnen wird von politisch Interessierten vorgeworfen, sich für nichts als Lifestyle zu interessieren. Im linken Milieu gelten sie als Symbol der Gentrifizierung angesagter Kieze. Mit Vollbärten und Blümchenkleidern, nachlässiger, aber extravaganter Kleidung und Hornbrillen wollten sie vor allem mit ihrer bildungsbürgerlichen Herkunft kokettieren. Im vorigen Wahlkampf hatte es darüber eine ähnliche Debatte gegeben, als sich die alte Arbeiterpartei SPD kurz von den verbürgerlichten Grünen bedrängt sah: Der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kanzelte die Konkurrenz als „Latte-Macchiato-Partei“ ab. Grünen-Chef Cem Özdemir konterte: „Filterkaffee ist auch keine Lösung.“

Erstmals importiert er das Feindbild in die CDU...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung