Jeff Bezos' berüchtigte Leadership-Prinzipien gelten auch in Deutschland: Amazon-Personalerin erklärt, wie das Auswahlverfahren läuft

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Amazon steht oft wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Dem US-Konzern wird immer wieder eine rigide Leistungsüberwachung seiner Mitarbeiter vorgeworfen. Trotzdem sind vor allem die Führungspositionen beim E-Commerce-Riesen besonders beliebt. In Deutschland startet das Unternehmen nun eine neue Joboffensive. Allein hierzulande sollen über 5000 neue Stellen geschaffen werden. Wer eine der beliebten Positionen ergattern will, muss sich gegen viele Mitbewerber durchsetzen. Die Personalerin Jennifer Gribble erklärt im Gespräch mit dem "Handelsblatt", worauf es bei den Bewerbungsgesprächen ankommt und wie Amazon bei der Mitarbeitersuche vorgeht.

Gribble führt jährlich Dutzende Gespräche für Top-Positionen beim Konzern durch. "Der Interviewprozess beginnt bei Amazon mit einem Telefonat, dem Phone Screen", wie die Personalerin dem "Handelsblatt" erklärt. Danach folgen vier bis sechs weitere Gesprächsrunde, die von Amazon als "Interview Loop" bezeichnet werden. Die Gespräche können dabei mitunter bis zu einer Stunde andauern. Eine Gruppe, die aus Recruitern und Fachkollegen zusammengestellt ist, entscheidet dann, ob ihr den Job bekommt. Hier kommt eine besondere Figur zum Einsatz: der sogenannte Bar-Raiser, also Messlattenanheber. Diese Person moderiert in der Entscheidergruppe die Diskussion. Die Bar-Raiser sind speziell für die Talentsuche ausgebildet und gehören zu den wichtigsten Schlüsselfiguren im Recruitingprozess.

Die 16 "Leadership-Prinzipien"

Der US-Konzern will natürlich im Voraus wissen, ob jemand für den Job geeignet ist. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Und sollte sich kein passender Kandidat finden, wird auch nicht notgedrungen eingestellt. "Wenn wir den Eindruck haben, dass niemand wirklich zur ausgeschriebenen Stelle passt, besetzen wir sie nicht", so Gribble. In Deutschland sucht Amazon aktuell vor allem in den Bereichen Retail & Marketplace, Amazon Web Services und Operations (mehr Details über die offenen Stellen bei Amazon findet ihr hier)

Die Fragen in den Bewerbungsgesprächen sind Gribble zufolge nicht sonderlich außergewöhnlich: "Persönlich spreche ich gern mit Kandidaten darüber, wie sie Entscheidungen treffen, wie sie das Vertrauen anderer gewinnen – und, gerade mit Führungskräften, wie sie Teammitglieder weiterbilden und ihre Karrieren mitgestalten." Schätz- oder Fangfragen werden indessen nicht gestellt, so Gribble.

Wichtig sei stattdessen, dass der Kandidat mit Beispielen arbeitet und die 16 berühmten "Leadership-Prinzipien" kennt, die Jeff Bezos einst aufgestellt hat. Dafür hat Amazon sogar eigene Fragesets entwickelt. Zu dem Punkt "Customer Obsession" (Kundenbesessenheit) kann es dann heißen: „Können Sie sich an eine Zeit oder Begebenheit erinnern, in der Sie für einen Kunden alles getan haben? Warum haben Sie das gemacht? Wie hat der Kunde reagiert? Und wie war das Ergebnis?“ Und wenn ihr euch auf eine Managerposition beworben hat, könnte der Konzern euch fragen: "Sprechen wir über eine Zeit, in der Sie Ihrem Team oder einem Teammitglied ermöglicht haben, signifikante Änderungen oder Verbesserungen zu erreichen." Die gesamte Liste der Führungsprinzipien ist für die Bewerber online einsehbar.

kh

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