Jean-Marie Le Pen verliert Ehrenvorsitz der Front National

Der Gründer und langjährige Vorsitzende der französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, hat den Ehrenvorsitz der Partei verloren. Die Mitglieder stimmten mit fast 80 Prozent für neue Statuten, mit denen das Amt des Ehrenvorsitzenden abgeschafft wird

Nach jahrelangem juristischen Streit hat der Gründer und langjährige Vorsitzende der französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, den Ehrenvorsitz der Partei verloren. Die Mitglieder stimmten nach Angaben der FN-Spitze vom Sonntag mit fast 80 Prozent für neue Statuten, mit denen das Amt des Ehrenvorsitzenden abgeschafft wird. Damit zieht die Front National einen Schlussstrich im jahrelangen Streit um den Kurs der Partei.

Bei der schriftlichen Mitgliederbefragung stimmten 79,8 Prozent für die neuen Statuten, wie FN-Vizepräsident Jean-François Jalkh mitteilte. Die Zahl ist nicht notariell bestätigt und lässt sich damit nicht überprüfen.

Le Pens Tochter, die Parteivorsitzende Marine Le Pen, hatte ihren Vater bereits 2015 aus der Front National ausschließen lassen. Grund war unter anderem seine Äußerung, die Gaskammern der Nazis seien ein "Detail" der Geschichte. Dafür wurde Jean-Marie Le Pen mehrfach verurteilt. Seitdem hatte er aber noch den Ehrenvorsitz inne.

Um den Ausschluss und den Ehrenvorsitz lieferten sich Jean-Marie Le Pen und seine Tochter danach einen jahrelangen Streit vor Gericht. Marine Le Pen hatte den Parteivorsitz 2011 von ihrem Vater übernommen, der der FN fast 40 Jahre lang vorstand. Seitdem fährt sie einen Kurs der "Entteufelung", um die Partei für breitere Wählerschichten zu öffnen.