Jean-Luc Godard und Spike Lee im Wettbewerb von Cannes

Pressekoneferenz in Cannes

Große Namen und politische Signale beim diesjährigen Filmfestival von Cannes: Im Wettbewerb um die Goldene Palme treten unter anderem die Regisseure Jean-Luc Godard und Spike Lee an, wie die Festivalleitung am Donnerstag bekannt gab. Eingeladen sind zudem die regierungskritischen Filmemacher Jafar Panahi aus dem Iran und Kirill Serebrennikow aus Russland. Für Aufsehen sorgte der Streamingdienst Netflix: Er will das Festival boykottieren.

Godard, der 87-jährige französisch-schweizerische Veteran der Nouvelle Vague, präsentiert beim 71. Festival von Cannes seinen Film "Le livre d'image". US-Filmemacher Spike Lee ist mit "BlacKKKlansman" vertreten. Er zeigt die wahre Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich in den 70er Jahren in den rassistischen Ku Klux Klan einschleust.

Der Film "Three Faces" von Panahi, der im Iran Berufsverbot hat, wurde ebenfalls für den Wettbewerb ausgewählt. Serebennikow tritt mit dem Film "Leto" an. Der russische Regisseur war in einem umstrittenen Verfahren wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt worden und steht unter Hausarrest. Die Festivalleitung will sich dafür einsetzen, dass sowohl Panahi als auch Serebennikow zur Vorstellung ihrer Filme nach Cannes reisen dürfen.

Weitere Kandidaten für die Goldene Palme sind "Dogman" des Italieners Matteo Garrone und "Les Filles du soleil" der Französin Eva Husson. Diese setzt sich in ihrem Film mit kurdischen Soldatinnen auseinander. Sie ist eine von nur drei nominierten Frauen unter den bislang 18 Regisseuren im Wettbewerb. Die Italienerin Alice Rohrwacher geht mit "Lazzaro Felice" ins Rennen um die Goldene Palme. Der Film wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert. Als dritte Frau ist die Libanesin Nadine Nabaki im Wettbewerb vertreten.

Mit Blick auf die Debatte über die Diskriminierung von Frauen im Showgeschäft sagte Festivalleiter Thierry Frémaux, die MeToo-Debatte müsse unabhängig von der Auswahl der Wettbewerbsfilme gesehen werden. "Es wird bei der Auswahl niemals eine positive Diskriminierung von Frauen geben", sagte er.

Eröffnet wird das Festival am 8. Mai mit dem Film "Everybody Knows" des iranischen Regisseurs Ashgar Farhadi. Für Glamour auf dem roten Teppich dürften dann vor allem zwei der Darsteller sorgen, das spanische Schauspielerpaar Penelope Cruz und Javier Bardem. Als einziger US-Regisseur neben Lee tritt David Robert Mitchell im Wettbewerb an. Er präsentiert den Thriller "Under the Silver Lake" mit Andrew Garfield.

Besonders stark wird in diesem Jahr Asien vertreten sein. Zum fünften Mal sind der Chinese Jia Zhangke und der Japaner Hirokazu Kore-Eda im Wettbewerb dabei. Die Goldene Palme wird am 19. Mai verliehen. Die Leitung der Jury hat in diesem Jahr die australische Schauspielerin und zweifache Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett.

Für Dramatik sorgte kurz vor der Bekanntgabe der Wettbewerbsauswahl Netflix: Der Streaming-Dienst kündigte am Mittwoch an, das Festival zu boykottieren. Damit reagierte Netflix auf eine neue Regelung, nach der nur Filme für den Wettbewerb ausgewählt werden, die vor dem Streaming in französischen Kinos gezeigt werden.

Das Festival hatte mit der Regelung auf Proteste von Kinobetreibern im vergangenen Jahr reagiert. Netflix war 2017 mit zwei Filmen im Wettbewerb präsent, hatte sich aber geweigert, den Beitrag "Okja" in die Kinosäle zu bringen. Frémaux will solche Filme außer Konkurrenz zeigen.

Am Donnerstag sagte der Festivalleiter, Netflix sei "immer willkommen" in Cannes. "Aber jeder Film im Wettbewerb muss den Kinos zur Verfügung stehen." Netflix erklärte, es sei nicht prinzipiell dagegen, wehre sich aber gegen die französische Regelung, wonach zwischen der Vorführung im Kino und dem Streaming drei Jahre liegen müssen. Die Online-Plattform Amazon ist in diesem Jahr mit "Cold War" von Pawel Pawlinowksi im Wettbewerb von Cannes vertreten.