JD.com kooperiert mit SINA, um Alibaba zu bekämpfen

Motley Fool Investmentanalyst

JD.com (WKN:A112ST) hat kürzlich eine Partnerschaft mit SINA (WKN:929917), einer der führenden Portalseiten Chinas, geschlossen, um die Benutzerdaten und Ressourcen beider Unternehmen zusammenzuführen. JD.com wird SINA dabei helfen, seine Algorithmen zu optimieren, um seine Leser mit relevanteren Inhalten zu versorgen — was SINAs Portalseiten helfen könnte, mehr Nutzer zu erreichen.

Im Gegenzug hilft SINA JD, über seine Analyseplattform klarere Einblicke in das Verbraucherverhalten zu gewinnen. SINA wird auch gezieltere Anzeigen mit diesen Daten erstellen, von denen viele auf den Marktplatz von JD verweisen werden. Dies könnte eine Win-Win-Situation für beide Unternehmen sein und zielt eindeutig darauf ab, dem Top-Rivalen von JD, Alibaba (WKN:A117ME), eins auszuwischen.

Die Rivalität zwischen JD und Alibaba verstehen

JD ist nach Alibaba der zweitgrößte E-Commerce-Anbieter in China, aber die Geschäfte der beiden Unternehmen ähneln einander nicht unbedingt. JD erwirtschaftet den größten Teil seines Umsatzes mit einer streng kontrollierten B2C (Business-to-Consumer)-Plattform, in der das Unternehmen das Eigentum an den Produkten übernimmt und die Lieferungen über seine eigenen Logistikdienstleister abwickelt. Ein kleinerer Prozentsatz des Umsatzes stammt von einem B2C-Marktplatz, der Unternehmen direkt mit Verbrauchern verbindet.

Alibabas Taobao ist eine C2C (Consumer-to-Consumer)-Plattform, während Tmall hauptsächlich ein B2C-Marktplatz ist. Zwischen 2014 und 2017 sank der Anteil von Tmall am chinesischen B2C-Markt laut Analysys International Enfodesk von 55 % auf 51 %.

Dennoch stieg der Anteil von JD im gleichen Zeitraum dank zweier großer Wachstumstreiber von 18 % auf 33 %. Zunächst integrierte Tencent (WKN:A1138D), JDs größter Investor, den Marktplatz von JD in WeChat, die führende mobile Messaging-App in China. Zweitens hat der Zusammenbruch kleinerer B2C-Marktplätze den Marktanteil von JD erhöht.

Zusammen haben JD und Tencent einige Unternehmen angeworben — darunter Vipshop, Baidu, Qihoo 360, NetEase, Sogou, Jinri Toutiao und Walmart –, um dem Wachstum von Alibaba entgegenzuwirken. Die Unternehmen, die dieser „Allianz“ beigetreten sind, tauschten ihre Daten untereinander aus, integrierten den Marktplatz von JD in ihre Websites oder Apps, nutzten die WeChat-Pay-Plattform von Tencent und boten gegenseitige Rabatte und Vergünstigungen an. Das Ziel war einfach, Alibaba durch tausend Schnitte zu Fall zu bringen.

Warum die SINA-Partnerschaft überraschte

Dennoch war die Entscheidung von SINA, mit JD zusammenzuarbeiten, überraschend, da SINA ein Verbündeter von Alibaba ist. Alibaba besitzt fast ein Drittel von Weibo (WKN:A110V7), der Microblogging-Seite, die den Löwenanteil des Umsatzes von SINA generiert. SINA hat Weibo im Jahr 2014 ausgegliedert, besitzt aber immer noch fast die Hälfte der Anteile und die Mehrheit der Stimmrechte.

SINA und Alibaba bildeten 2013 eine „strategische Allianz“, die dem neuen Vertrag von JD mit SINA sehr nahe kommt. Im folgenden Jahr integrierte Weibo den von Alibaba unterstützten Zahlungsdienst Alipay in seine Plattform für Produktkäufe und erweiterte diese Integration im Jahr 2015 auf öffentliche Dienstleistungen wie Verkehrsstrafen, Einwanderungsfragen und Eheschließungen. Alibaba integrierte auch seine Streaming-Video-Plattform Youku Tudou in die SINA-Portale und das Weibo-Netzwerk.

Alibaba ist eindeutig an Weibos Wachstum beteiligt — deshalb erhöhte das Unternehmen den anfänglichen Anteil von 18 % an Weibo (zum Zeitpunkt des Börsengangs) auf über 31,5 % Ende 2016. Das nährte ständig die Spekulation, dass Alibaba entweder SINA oder Weibo erwerben könnte, um dem Wachstum von JD und Tencent entgegenzuwirken. Deshalb wird Alibaba nicht davon begeistert sein, dass sich SINA mit JD zusammengetan hat.

Versucht SINA neutral zu bleiben?

Der eskalierende Krieg zwischen JD und Tencents Allianz sowie Alibaba, das sich mittlerweile über verschiedene Technologiemärkte, E-Tailer und stationäre Einzelhändler erstreckt, zwingt Unternehmen, sich für eine Seite zu entscheiden. Einige Unternehmen wollen neutral bleiben, indem sie sowohl WeChat als auch Alipay anbieten bzw. exklusive Geschäfte mit JD, Tencent und Alibaba vermeiden.

Für SINA und Weibo könnte es jedoch nicht sinnvoll sein, neutral zu bleiben. Die Allianz von SINA mit JD könnte Alibaba zwingen, seine Beteiligung an Weibo zu erhöhen, eine Übernahme von SINA oder Weibo anzustreben oder sogar mit dem Bruch mit beiden Unternehmen zu drohen. Diese Maßnahmen mögen extrem erscheinen, doch ich bezweifle, dass Alibaba die vielen Millionen Nutzer von SINA und Weibo an JD und Tencent verlieren will.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Baidu, JD.com, NetEase und Tencent Holdings. The Motley Fool empfiehlt Sina und Weibo. 

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 19.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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