Japans Finanzaufsicht rügt Krypto-Börse


Nach dem millionenschweren Raub einer virtuellen Währung steht die Krypto-Börse Coincheck massiv in der Kritik. Japans Finanzaufsicht FSA warf am Montag der landesweit zweitgrößten Handelsplattform von Kryptowährungen vor, bei der Sicherheit geschlampt zu haben. „Unangemessenes Management systemischer Risiken ist die Norm bei Coincheck geworden“, erklärte die FSA.

Doch die Aufseher beließen es nicht bei verbaler Schelte. Sie forderten die Börse auf, umgehend ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern. Außerdem gab die FSA der Börse nur bis zum 13. Februar Zeit, in einem Bericht die Ursachen des digitalen Diebstahls zu erklären sowie die Verantwortlichen und die eigenen Gegenmaßnahmen zu benennen.

Die kurze Frist unterstreicht die Brisanz des Falles für die FSA. Japan hatte nach der Pleite der damals weltgrößten Bitcoin-Börse Mt. Gox im Jahr 2014 damit begonnen, die neuen Währungen zu regulieren. Anders als China wollte Japan den Handel allerdings nicht radikal begrenzen. Mit den Regeln wollte die FSA vielmehr die Sicherheit erhöhen, ein erneutes Desaster vermeiden und die neuen Währungen als Zahlungsmittel etablieren.


Ziel dabei war, dass Japans Finanzindustrie eine führende Stellung für die neuen Finanztechnologien einnehmen sollte. Doch der jüngste digitale Raub belastet das Image der Handelsplattformen.

Am Freitag hatte Coincheck eingestehen müssen, dass rund 260.000 Konten der virtuellen Währung „Nem“ leergeräumt worden seien. Der Wert der Beute wurde auf 430 Millionen Euro geschätzt. Die Börse stellte daraufhin den Handel mit allen Krypto-Währungen ein, kündigte aber am Sonntag an, die Kunden aus dem Bargeldvermögen entschädigen zu wollen. Wie genau und wann, ist allerdings noch unklar.

Die Aufseher kritisieren insbesondere, dass Coincheck die Nem-Konten im Gegensatz zu ihren Bitcoin-Konten mit dauerhaften Internetverbindung gespeichert hätte. Die FSA kündigte daher an, auch andere Börsen zu untersuchen. Experten erwarten überdies, dass die Aufseher außerdem die gerade erlassenen Regeln verschärfen werden. Denn immer wieder fallen die jungen Börsen Cyberattacken zum Opfer, nicht nur in Japan.

In Südkorea musste die Börse Youbit im Dezember nach dem zweiten Raub innerhalb eines Jahres sogar Insolvenz anmelden. Coincheck könnte dieses Schicksal möglicherweise vermeiden, sollte der Bitcoin-Boom dem Unternehmen im Vorfeld des jetzigen Vorfalls genug Geld beschert haben. In jedem Fall aber steht Coincheck-Gründer Koichiro Wada nun im Fokus amtlicher und öffentlicher Aufmerksamkeit.


Der 27-jährige war 2014 mit seinem Unternehmen in das Geschäft mit Digital-Währungen eingestiegen. Wegen seines rasanten Aufstiegs wurde er als Trendsetter gelobt und mit Start-up-Preisen ausgezeichnet. Doch am Wochenende musste er eingestehen, dass der Ausbau des Personals nicht mit dem Wachstum des Unternehmens mitgehalten habe. Und da er gleichzeitig Firmenchef und Chief Technology Officer seiner Börse ist, liegt die Verantwortung dafür womöglich gleich doppelt bei ihm.