Japan setzt auf geldpolitische Kontinuität. Erstmals seit 1961 soll ein Notenbankchef zwei Amtszeiten dienen.

Die Anleger in aller Welt mögen auf eine langsame Normalisierung der Geldpolitik spekulieren. Doch in Japan stärkt Japans Ministerpräsident Shinzo Abe mit einer personalpolitischen Entscheidung diejenigen, die eine Abkopplung der japanischen Notenbank vom Welttrend für möglich halten.

Während andere Notenbanken wie die amerikanische Fed dieses Jahr ihr Spitzenpersonal wechseln, hat Japans Regierung am Freitag den bisherigen Notenbankchef Haruhiko Kuroda für eine zweite Amtszeit vorgeschlagen. Seine ersten fünf Jahre laufen im April ab.

Die Verlängerung der Ära Kuroda, die sich durch eine beispiellose geldpolitische Lockerung ausgezeichnet hat, ist allein schon ein Zeichen für Kontinuität. Immerhin wird damit erstmals seit 1961 die Amtszeit eines Notenbankchefs verlängert, falls das Parlament dem Vorschlag der Regierung zustimmt.


Doch mit zwei weiteren Personalien stärkt Regierungschef Abe die Spekulationen, dass die Bank von Japan - wenn auch nur zögerlich – auf den geldpolitischen Welttrend aufspringen wird, die Geldpolitik langsam zu normalisieren und die Zinsen anzuheben.

So schlug die Regierung vor, den Notenbanker Masayoshi Amamiya zu einem der Stellvertreter von Kuroda zu ernennen. Amamiya gilt als der Architekt von Kurodas Geldpolitik, die durch den aggressiven Kauf von Staatsanleihen eine Inflationsrate von zwei Prozent erzielen will. Zudem soll der Wirtschaftsprofessor Masazumi Wakatabe von der Waseda-Universität zweiter Stellvertreter werden.

Wakatabe wiederum gilt als einer der größten Verfechter einer aggressiven geldpolitischen Lockerung. Noch voriges Jahr forderte er in einem Interview mit der Zeitung Nikkei, dass die Geldpolitik locker genug sein müsse, um die für 2019 geplante Mehrwertsteuererhöhung von acht auf zehn Prozent aufzufangen.

Mit Spannung dürften daher die Anhörungen der Kandidaten vor den Parlamentsausschüssen erwartet werden. Immerhin hatte die Notenbank den Kauf von Staatsanleihen bereits 2017 deutlich gesenkt. Im Markt herrscht nun Uneinigkeit darüber, ob das schon der Beginn einer Normalisierung oder eine technische Notwendigkeit ist. Denn der Notenbank gehören schon rund 40 Prozent aller japanischen Staatsschulden.


Ihr offizielles Kaufziel von maximal 80 Billionen Yen (600 Milliarden Euro) im Jahr kann sie daher kaum mehr ausschöpfen, ohne den Anleihemarkt auszutrocknen. Daher hat sie sich bereits im Herbst 2016 das neue Ziel gesetzt, nicht mehr den Leitzins zu setzen, sondern die gesamte Zinskurve zu kontrollieren. Die Zinsen für Anleihen bis zu zehn Jahren hält sie derzeit im Minus, die für zehnjährige Anleihen bei null Prozent. Die Zinsen für längerfristige Bonds lässt sie allerdings im Plus, um Lebensversicherern und Pensionsfonds die Chance zu geben, noch ein bisschen Geld mit Anleihen zu verdienen.

Dementsprechend gehen die Voraussagen über den weiteren Kurs der japanischen Geldpolitik auseinander. Viele Marktteilnehmer wetten weiterhin darauf, dass auch die Bank von Japan die Zinsen schon dieses Jahr steigen lassen wird. Einige wie Sayuri Shirai, bis 2016 Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank, glauben hingegen, dass Kuroda den Zins für zehnjährige Anleihen vorerst bei null Prozent halten wird.